Der Caspar-David-Friedrich-Saal der Hamburger Kunsthalle „ab sofort“ in einem „virtuellen 360°-Rundgang“

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Panoramaaufnahme vom Caspar-David-Friedrich-Saal der Hamburger Kunsthalle. © Hamburger Kunsthalle, Foto: Marco Vedana

Hamburg, Deutschland (Kulturexpresso). In und wohl auch bei der Hamburger Kunsthalle lässt man sich in Zeiten wie diesen immer mal wieder etwas Neues einfallen. Ob das immer das Wahre, Schöne und Gute ist, das sei dahingestellt.

Jedenfalls bieten die Elbestädter laut Pressemitteilung der Hamburger Kunsthalle vom 3.6.2020 „ab sofort einen virtuellen 360°-Rundgang durch ihre Räumlichkeiten an“.

Die einen mögen das dekadent, degeneriert oder schlicht dämlich nennen, wenn man, wo auch immer, möglicherweise lustvoll lümmelnd, über kleine und große Rechner mit klitzekleinen und teils gigantischen Bildschirmen über die Fluten des Weltnetzes surft und dabei auch auf der Heimatseite des Hamburger Kunsthalle landet, mal kurz auf den 360°-Rundgang abbiegt – oder auch lange – um dann auf Youtube oder Youporn zu verschwinden.

Wahnsinn, Wichse, was auch immer, aber so oder anders ist es, oder?

Was ist besser, wahrer und schöner als ein Dutzend „Säle des Museums mit Rundumblicken, darunter in architektonisch besonders reizvolle Räume wie das historische Treppenhaus, den Studiensaal oder den Lichthof der Galerie der Gegenwart“ oder auch den „Parcours durch acht Jahrhunderte Kunstgeschichte“ mit „mehr als 150 Werke(n) von Meister Bertram über Caspar David Friedrich bis zu Sigmar Polke“ 360° zu gucken?

Blowjob, Bionade, Ballermann, was auch immer.

Dass dieser virtuelle Rundgang es „an rund 120 Klick- und Standpunkten“ ermögliche, „direkt vor einzelne Werke zu treten und diese im Detail zu betrachten“, darauf hat die Welt gewartet. Gelogen, häßlich und schlecht ist auch nicht, dass „zu etwa 40 Arbeiten“ zudem Kurztexte und Audiotracks von insgesamt etwa 30 Minuten in Deutsch und Englisch angeboten werden, aber das alles und noch viel mehr ein „Besuchserlebnis“ zu nennen, das ist dann wie der HSV – ein Topf voll Scheiße in einer Welt der Ware und des Spektakels.

Wenn keine Sau in die Kunsthalle will oder darf oder kann, dann muss man nicht noch Perlen vor die Säue im Weltnetz werfen. Macht den Laden einfach dicht. Geht stiften! Bewegt Euch zum Ballermann und lasst Euch mit Blowjobs und Bionade bedienen. Besser so! Das darf man Kulturglück nennen.

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