Die Arbeit der Nacht – Annotation zum Roman „Arbeit“ von Thorsten Nagelschmidt

"Arbeit", ein Roman von Thorsten Nagelschmidt. © S. Fischer

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Nachtarbeit ist Arbeit in der Nacht, sang einst die stilprägende deutsche Band DAF und gibt damit eines der Motti des starken Berlinromans von Thorsten Nagelschmidt vor.

Als Gott nach Berlin kam, erfand er als erstes die große Klappe und als zweites den Drang nach Düsternis. Erst dann kümmerte er sich um die Liebe.

Ja die Liebe, es gibt kaum einen guten Roman, der ohne sie auskäme. Auch in Nacht ist sie eine der Klammern, nach der sich die Vielzahl der Protagonisten sehnt. Egal ob Taxifahrer, Rettungssanitäterin, arabischer Kleinkrimineller, Polizistin, oder flaschensammelnde Buchhändlerin, alle wollen ein bisschen Zärtlichkeit in dunkler Nacht. Nur nicht einsam sein, denn diese Seelen fischt sich der Teufel besonders gern aus der düsteren Berlinsuppe, die nach jedem gut durchtanzten Wochenende über uns allen wabert.

Berlinroman ist ein blöder Stempel, gebe ich gern zu, doch hier passt er einfach, weil die gesunde Härte, mit der die Menschen in Nacht gesegnet sind, einfach nicht zu Köln, Wanne-Eikel oder Regensburg passt. Vielleicht ein bisschen zu Hamburg.

Autor Nagelschmidt hat nach eigener Auskunft für seine Buch kaum einen beschissenen Nachtjob ausgelassen. Das merkt man dem Wer an, es riecht förmlich nach Straße, nach Blut, Dreck und Koks gestreckt mit Ariel.

Es ist ein wenig wie in Robert Altmanns Film Short Cuts, dem Los Angeles die Kulisse bietet. Die Helden bewegen sich in der Stadt B, ab und an treffen sich ire Fühler, einige gehen daran zu Grunde, andere rappeln sich auf, um aufs neue die Tretmühle der Göttin der Nacht zu bespringen.

Bibliographische Angaben

Thorsten Nagelschmidt, Arbeit, Roman, Berlin Hardcore, 336 Seiten, Verlag: S. Fischer, Frankfurt, 29.4.2020, ISBN: 3-103-9741-19, Preis: 22 EUR (Deutschland)

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