Diözesenmitarbeiter gestand Brandstiftung in der Kathedrale von Nantes

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Hauptfassade der Peter-Paul-Kathedrale Nantes, aufgenommen am 17. Oktober 2008. (Das Photo ist bearbeitet worden. Die senkrechten Linien wurden korrigiert; eine Person und ein Verkehrsschild wegretouchiert.) © Guillaume Piolle / Lizenz CC BY 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Brand in der „Cathédrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul de Nantes“ oder Peter-und-Paul-Kathedrale von Nantes ist aufgeklärt. Ein Ehrenamtlicher war geständig.

Die Brände in Paris – Notre-Dame – und in Berlin – Schloss – wurden während und durch die Bauarbeiten verursacht, so auch der Brand in der Kathedrale von Nantes 1972. Reparaturarbeiten waren die Ursache.

Doch der jüngste Brand in Nantes ist Folge einer Brandstiftung, wie die örtliche Staatsanwaltschaft unter der Leitung von Staatsanwalt Pierre Sennès bereits vermutet hatte, da das Feuer an mehreren Stellen ausbrach.

Wikipedia schrieb wörtlich und politisch korrekt: „Eine Woche nach dem Brand gestand ein Geflüchteter aus Ruanda, der in der Diözese ehrenamtlich tätig war, das Feuer gelegt zu haben.“ https://www.tagesschau.de/ausland/nantes-145.html Wie die Tagesschau von Sonntag, dem 26. Juli 2020 unter anderem unter Berufung auf die Zeitung „Presse-Océan“ meldete, hätte sich der Flüchtling „kooperativ gezeigt“. Dies sagte der Anwalt der 39-jährigen Ruanders, Quentin Chabert. Der 39jährige ehrenamtlich Tätige war an dem Tag (beziehungsweise an dem Abend/ in der Nacht) für die Schließung der Kathedrale verantwortlich. Dadurch geriet er früh ins Fadenkreuz der Ermittler und wurde wenige Stunden nach der Tat festgenommen, nur um am Sonntag vor einer Woche, dem 19. Juli, wieder freigelassen zu werden. Der Kathedralenrektor hatte für den Ruander die Hand ins Feuer legt.

https://www.tagesschau.de/ausland/nantes-kathedrale-feuer-festnahme-103.html

Tageschau.de: „Der Rektor der Kathedrale, Pater Hubert Champenois, hatte vergangene Woche erklärt, der freiwillige Gemeindediener sei ein „Ruander, der vor einigen Jahren in Frankreich Zuflucht gesucht hat.“ Er kenne den Mann seit vier oder fünf Jahren. „Ich habe Vertrauen in ihn und in alle Mitarbeiter“, sagte er damals der Nachrichtenagentur AFP.“

Der Anwalt des 39-jährigen Mannes sprach nun von „Bedauern“ und einer „Befreiung“, die das Geständnis bedeutet hätte. Der Täter „leide unter Gewissensbissen und sei vom Ausmaß der Zerstörung sehr mitgenommen“.

Dass sich der Bischof nicht äußerte, hat einen einfachen Grund: es gibt derzeit keinen. Die Kathedrale ist Bischofssitz, die Stelle jedoch vakant. Der bisher letzte Bischof von Nantes, Jean-Paul James, war von 2009-2019 im Amt. Den „Job“ gibt es in Nantes seit dem dritten christlichen Jahrhundert, was die Bedeutung des Ortes und seines Gotteshauses eindrucksvoll unterstreicht.

Brand in der Kathedrale von Nantes: Außer Orgeln und Fenstern auch Gemälde zerstört

Vervollständigte Schadensbilanz: Wie der Kulturexpresso am 18. Juli 2020 berichtete, sind unter anderem die Hauptorgel und mehrere Fenster dem Feuer zum Opfer gefallen, darunter ein großes Buntglasfenster.

Auch das Gemälde „Saint-Clair guérissant les aveugles“ (Sankt Clarus heilt die Blinden), ein Meisterwerk von Hippolyte Flandrin aus dem Jahre 1836, wurde vom Feuer verzehrt.

Der erste Bischof von Nantes war um 280 der heilige Clarus.

Die große Pariser Zeitung „Le Figaro“ begab sich in ihrer Ausgabe von Mittwoch, den 22. Juli auf eine Spurensuche nach dem Bild. Tatsächlich kann man von „Spuren“ des Bildes sprechen. Zum Beispiel Rauchspuren an der Wand und einen Aschehaufen. https://www.lefigaro.fr/culture/cathedrale-de-nantes-sur-les-traces-du-flandrin-detruit-dans-l-incendie-20200722

Die französische Kulturministerin Roselyne Bachelot fasste zusammen: Von dem Gemälde blieb nur noch die Asche, es ist definitiv verloren. „Ein großer Verlust.“

Die französische Republik hatte sich verpflichtet, die Kosten für den Wiederaufbau zu tragen. Das Bild diente Bachelot als Beispiel einer der unersetzlichen Verluste dieses Feuers. Verluste, die man mit Geld und Zeit nicht wieder ausgleichen kann.

Der ehrenamtliche Gemeindediener aus Ruanda hatte an drei auseinanderliegenden Stellen Feuer gelegt, an der kleinen und der großen Orgel sowie an einem elektrischen Schaltkasten.

Das Bild „Der heilige Clarus heilt die Blinden“ hatte keine Chance. Es hing direkt unter dem Schaltkasten. Das wichtige Werk des 19. Jahrhunderts war 1833 beauftragt worden und hatte seit 1836 die Nanter Kathedrale nicht mehr verlassen.

Stéphane Baccoud, Chefkonservator des „Musée des Beaux-Arts de Lyon“, des Lyoner Museums der Schönen Künste, sagte wörtlich, das Werk sei ein wichtiger Schritt in der Karriere des Künstlers gewesen und bewegend, da das Thema Blindheit, beauftragt von der Nanter Diözese, ihn selbst betraf. „Zu der Zeit hatte er starke Augenprobleme und befürchtete zu erblinden.“

Hippolyte Flandrin

Der Ingres-Schüler Hippolyte Flandrin gewann früh den Prix de Rome und erhielt als Preisgeld ein Reisestipendium. Flandrin nutzte es für seine erste Romreise.

Die Ausmalung des Chores des Pariser Kirche St. Germain-des-Prés, „Einzug Christi in Jerusalem“, ist eines seiner Hauptwerke. Auch außerhalb der Hauptstadt hatte er Aufträge, so in Nîmes und Ainay.

Schnell entwickelte sich Flandrin zu einem der wichtigsten Maler seiner Epoche und inspirierte viele Zeitgenossen, viele Künstler. Der große Edgar Degas (1834-1917), dessen Lebenszeit sich mit Flandrins überschnitt, nannte ihn einen Meister.

Bei einer zweiten Italienreise 1864 starb der 1809 in Lyon Geborene 54jährig in Rom.

Georgelt

Thierry Hillériteau schrieb am 20. Juli im Figaro diesen Artikel: https://www.lefigaro.fr/culture/michel-bourcier-la-veille-j-avais-joue-sur-le-grand-orgue-de-nantes-20200720

Michel Bourcier erzählt im Interview, dass er am Sonntag, den 19. die große Orgel hätte spielen sollen. Samstagmorgen rief ihn ein Freund an. Unverzüglich kam Bourcier nach Nantes; er wohnt etwa 15 Kilometer entfernt.

„Anfänglich konnte man es kaum glauben.“

„Ich sagte mir: ‚Oh nein, nicht ein zweites Mal nach dem Feuer von 1972!‘ Dann dachte ich an Notre-Dame. Das ist wirklich das Gesetz der Serie. Glücklicherweise ist die Kathedrale selbst in ihrer Substanz nicht angegriffen worden wie es dem Pariser Denkmal geschah! Aber was die Orgel angeht, ist der Verlust offensichtlich nicht wiedergutzumachen. Erst recht für den Organisten …“

Das vollständige Interview steht auf französisch im Figaro.

Das Strafmaß für Brandstifter in Frankreich kann im Falle einer Verurteilung bis zu 10 Jahre Haft und eine empfindliche Geldstrafe von mehreren zehntausend Euro sein.

Ob die Reue des afrikanischen Brandstifters echt ist, wie sein Anwalt behauptet, oder nicht – das Motiv bleibt trotz des Geständnisses nach wie vor unklar – die Verluste des Kulturguts sind endgültig.

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