Essen während der Berlinale. Gastronomie am Potsdamer Platz verändert

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© 2020, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Essen während der Berlinale –„wozu?“ fragt sich der Cineast? Das kostet doch nur Zeit! Ein Vielfilmseher hat 20 Müsliriegel bei sich und steht damit an oder sitzt im Kino. Gegessen wird auf dem Weg von einem Kino ins nächste oder vor dem Kartenbüro in den Arkaden. Nicht romantisch, aber zeitsparend. Denn Zeit, die hat man garantiert nicht. Selbst wenn man sich auf den Kopf stellte und in alle Filme reinkäme, wird man unzufrieden das Ende der Internationalen Berliner Filmfestspiele erleben. Denn so oder so, die meisten Filme bleiben ungesehen. Um diesen Frust wenigstens zu reduzieren, muss man sich so viele Filme wie möglich anschauen. Das steigert – nebenbei gesagt – auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein paar gute dabei sind. Denn die Quoten- und Proporzfilme, die Gutmenschenstreifen und allzu experimentellen, die banalen oder nicht originellen sind auch immer dabei.

Zu viel liegt auf der Welt im Argen, als dass man das Medium Film ungenutzt lassen dürfte, wenn man die Welt verändern oder verbessern will.

Wer zu den Menschen gehört, die pro Tag nur ein bis drei Filme auf der Berlinale schauen wollen, hat natürlich dann stundenlang Zeit, in irgendwelchen Restaurants, Bistros oder sonstigen Gaststätten herumzusitzen.

An einiges hatte man sich in den vergangenen Jahren gewöhnt, doch 2020 gibt es viele Veränderungen, nicht nur bei der Berlinale selbst.

Essen während der Berlinale – was es noch in der Nähe der Kinos am Potsdamer Platz gibt

Wenn nachts um halb zwei der letzte Berlinalefilm des Tages endet, kann man jetzt nicht mehr Andy‘s Diner besuchen Potsdamer Ecke Varian-Fry-Straße. Eine Burgerbude hat sich angekündigt, doch ausgerechnet zum 70. Filmfest-Jubiläum steht der Laden an der praktischen Ecke neben der Fußgängerampel leer. Besonders bedauerlich: Der Diner bediente auch die Gastronomen der Umgebung. Damit diese nach Feierabend um 1 oder 2 Uhr noch einkehren konnten, war bis 3 Uhr nachts geöffnet. Egal wann der späteste Spätfilm endete, bei Andy war mal immer willkommen.

Auf der anderen Straßenseite im Sony-Center gibt es Billy Wilder‘s schon lang nicht mehr. mmerhin bedient man im Ki-Nova die Kunden. Ki oder Chi ist Energie und neue Energie ist prinzipiell eine feine Sache. Bei Sturm und Regen wie nach der Berlinaleeröffnung Donnerstag abend kann man vom Filmhaus direkt ins Restaurant, trocken und astfrei.

Die beiden Arsenalkinos im Filmhaus Postdamer Straße 2 sind die letzten Mohikaner unter den Lichtspielhäusern, die im Sony-Center zu Verfügung stehen. Das andere Dutzend Kinos ist entweder geschlossen oder steht nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Im Sony-Center selbst gibt es noch das Josty, Corroboree und anderes. Ein Geheimtipp ist der Asiate in der Passerelle zum Regionalbahnhof. Versteckt, aber mit Aquarium.

Während neuerdings in den an die Staatsbibliothek angebauten Veranstaltungssälen Berlinalefilme für die Händler laufen – nicht fürs Publikum – weil das Cinemaxx die knapp 400 Filme natürlich nicht allein stemmen kann, gucken viele nicht nur zu Hause in die Röhre. Rumpfmäßig sind die Potsdamer-Platz-Arkaden erhalten geblieben, werden allerdings umstrukturiert, was viel Leerstand im Keller bedeutet. Gerade dort aber kann man auch essen, am preiswertesten an der Convenience-Theke gegenüber der Rewe-Kasse.

Und die Zeit und die Zeit und die Zeit und die Zeit

McDonalds, das war einmal … im Jahr eine Möglichkeit direkt gegenüber des Berlinale-Palasts. Ein Schnellrestaurant ist genau das, was ein Kinobesucher braucht in der Hetze und Eile. Doch 2020 gibt es das nicht mehr. Zwar ist am Leipziger Platz eine Filiale, doch die ist gefühlt und tatsächlich viel zu weit weg vom Geschehen und schließt sogar schon um 21 Uhr – wer kann um die Uhrzeit schon etwas essen? Schließlich laufen da ja noch Filme!

Nein, das geht gar nicht. Wenn man schon zur Burger-King-Konkurrenz muss, steigt man nach dem letzten Kinobesuch vor dem Filmhaus in den 200er und ist nach 10 Minuten am Bahnhof Zoo. In der Mezzanine zwischen Himmel, Bahnsteig und Erde ist rund um die Uhr auf. Ein Paradies für Zuspätkommer. Da es zwar Öffnungs-, aber keine Schließzeiten gibt, braucht man sie sich auch nicht zu merken.

Die unter Dieter Kosslick eingeführten Foodtrucks gibt es noch. Dennoch: Wer nicht gerade der Typ „immer Stulle Marke Eigenbau dabei“ ist, hat 2020 echte zusätzliche Zeitprobleme!

Essen während der Berlinale ist schwieriger und zeitraubender geworden. Auch das Filmschauen, da die Wege zwischen den Kinos weiter wurden. Man braucht also noch mehr Zeit, die Berlinale ist aber genauso kurz. Am besten, man schläft die ganze Zeit nur zwischen 3 und 7 Uhr. Red Bull und Kaffee müssen es dann richten.

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