Friedrich Ani steigt mit uns in den Abgrund – Annotation zum Roman „Letzte Ehre“

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"Letzte Ehre" von Friedrich Ani. © Suhrkamp

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der kunstvolle Krimimacher Friedrich Ani hat mit Letzte Ehre abermals sein Können als Meister des Schreckens bewiesen.

Im komplizierten Fall des Verschwindens einer 16jährigen, taucht Kommissarin Nasri ab in die Tiefen menschlicher = in diesem Fall männlicher Machtfantasien. Das sprengt die Grenzen des Genres und ist irgendwann längst kein Krimi mehr, sondern Psychogramm des Grauens.

Es ist kompliziert und dengelt die Lese- Hirne des 0815 Krimilesers, weil wir schmerhaft eng mit den verlorenen Seelen durch das Land der Qual spazieren, taumeln, uns kurz an einer morschen Wurzel hochziehen, weiter driften im dunklen Sound des Bösen.

Es ist düster, die Kommissarin trägt auch ihr Päckchen, kein lockerer Witzbold hält uns das Händchen, bis wir nach 271 Seiten aus dem Roman aufwachen und erstmal auf eine Blumenwiese rennen, um das Gelesene halbwegs zu verdauen.

Ein starkes Buch, fast kein Krimi mehr, eine Geschichte die schmerzhaft hängenbleibt.

Bibliographische Angaben

Friedrich Ani, Letzte Ehre, 270 Seiten, fester Einband mit Schutzumschlag, Format: 13,4 x 21,4 x 3,6 cm, Gewicht: 434 g, Verlag: Suhrkamp, Berlin, 1. Auflage, 10.5.2021,ISBN: 978-3-518-42990-7, Preis: 22 EUR (Deutschland), 22,70 EUR (Österreich) und 31,50 SFr, auch als E-Buch erhältlich für 18,99 EUR

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