Georgien, die einst „fröhlichste Baracke im Lager der Sowjetrepubliken“ – Ein Länderporträt von Dieter Boden

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Ein Länderporträt über Georgien von Dieter Boden.
Ein Länderporträt über Georgien von Dieter Boden. © Ch.-Links-Verlag

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wer Georgien überlebt, der macht fünf Kreuze. Genau so viele sind auf der Flagge des Staates Georgien zu sehen, in dem auch Armenier und Aserie, aber auch Osseten, Russen und Griechen zuhause sind. Doch die Abchasier, die in der „Republik Abchasien“ ihr Zuhause gefunden zu haben scheinen, und die Osseten, die mittlerweile in Südossetien leben, wollen so überhaupt nichts mit den Georgiern zu tun haben. So ist das im und um den Kaukasus. Zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meer geht es halt hoch her.

Dort, wo 327 nach unserer Zeitrechnung das Christentum unter dem georgischen König Mirian Staatsreligion wurde, mussten sich die Einwohner oft gegen einfallende Araber, Mongolen, Perser, Osmanen und Russen wehren. Selten genug gelang das, so dass Georgien diesen und jenen Eroberern gehorchen mussten.

Davon wird auch der 1940 geborene Dieter Boden ein Lied singen können, der Dr. phil., der nach seinem Studium der Slawistik, Anglistik und Politologie an den Universitäten Münster und Hamburg in den Staatsdienst eintrat, genauer gesagt: ins Auswärtige Amt. Seine Einsätze führten ihn in den Kaukasus, 1995/96 und von 1999 bis 2002 leitete Boden OSZE- und UN-Missionen in Georgien. 2009/10 fungierte er als außenpolitischer Berater der kasachischen Regierung. Noch heute engagiert sich Boden „im Rahmen zivilgesellschaftlicher Projektarbeit im Kaukasus“, worauf der Verlag Ch. Links hinweist.

„O sind, Du Schöne, sing mir nicht,
Georgiens wehmutsvolle Lieder.
Sie wecken wie ein Traumgesicht mir
fernes Land und Leben wieder.“

Das schrieb der russische Schriftsteller Alexander Puschin 1828 und damit beginnt Dieter Boden, der 1969 zum ersten Mal in dieses Land kam, in dem er „später über mehrere Jahre lebte (S. 9) sein 200 Seiten umfassendes Länderporträt Georgien, dessen Kurs laut Boden „konsequent auf die Integration in die Europäische Union gerichtet“ sei (S. 20f.). In seiner Einführung bemerkt Boden, dass Georgien „insbesondere seit dem 19. Jahrhundert mit Deutschland … besondere Beziehungen“ pflege. „Bereits in den 1810er Jahren ließen sich deutsche Siedler in Georgien nieder, später wandten sich die kulturellen und geistigen Eliten Georgiens engagiert Deutschland zu. Selbst in der Sowjetunion wurde wohl nirgend so intensiv Deutsch gelernt wie in Georgien; die Germanistische Fakultät an der Staatsuniversität von Tbilissi genoss einen exzellenten Ruf, der weit über die Grenzen der georgischen Sowjetrepublik hinausreichte. Trotz der tiefen Zäsur durch den Zweiten Weltkrieg wirkt diese Tradition bis in unsere Zeit fort.“

Im Folgenden berichtet Boden über „Georgien im Umbruch“ seit der Unabhängigkeit von 1991, wirf einen „Blick zurück in die Geschichte“, vor allem auf die mit Russen und unter Stalin, gewährt seine Betrachtung auf „Georgien in jüngerer Zeit“ unter Schewardnadse, Saakaschwili und Iwanischwili, informiert über „Die Sezessionskonflikte um Abchasien und Südossetien“, befasst sich mit der „Hauptstadt Tbilissi“, „Der Vielfalt der Regionen“, „Georgiens Wirtschaft“, „Kultur und Religion“ sowie „Lebensart und Mentalität“. „Deutsch-georgische Begegnungen“ beschließen das beachtliche, sachlichdienliche und in einfacher Sprache geschriebene Buch, für das der Autor auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin einen Preis erhielt.

Bibliographische Angaben

Dieter Boden, Georgien, Ein Länderporträt, 200 Seiten, Klappenbroschur, Format: 12,5 x 20,5 cm, eine Karte, Ch.-Links-Verlag, 1. Auflage, Berlin Mai 2018, ISBN: 978-3-86153-994-0, Preis: 18 EUR (D)

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