Russland feiert. Wenn nicht Fußball, dann Kultur

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Kultur ist Trumpf im Russischen Haus in der Berliner Friedrichstadt: Spontanes Konzert. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Russland feiert. Russland ist bei der Fußball-WM der Herren, die lediglich alle vier Jahre stattfindet, im Viertelfinale ausgeschieden. Sehr knapp im Elfmeterschießen, gegen die beste oder zweitbeste Mannschaft der Welt (die kroatische). Und was machen die Russen? Sie feiern! Sie feiern die Mannschaft wie Helden – und das sind sie in der Tat. Niemand hatte damit gerechnet, dass Russland das Viertelfinale erreicht. Denn das heißt, unter den acht besten Teams der Welt zu sein. Nach dem verlorenen Spiel, nach Verlängerung und Elfmeterschießen kann man sich auf Platz 5-8 einordnen. Und die Begeisterung kann in Zukunft noch Wunder wirken.

In Berlin in russischen Haus konnte man das am Samstag hautnah beobachten.

Russland feiert mit Musik

Im Anschluss an das Ausscheiden gab es ein spontanes Konzert im Foyer. Ein klassisches Konzert von jungen Leuten. Eine Ausnahme? Eher nicht, denn: Mindestens zwei Pianisten nahmen nacheinander auf dem Klavierhocker Platz und begeisterten das umstehende Zufalls-Publikum mit einer erstklassigen musikalischen Darbietung voller Harmonie. Die gebliebenen, stehengebliebenen Zuhörer, fast alle, wenn nicht sämtlich Zuschauer des gerade zu Ende gegangenen Fußballspiels im Heimatland, waren jung und alt, meist sogar jung.

Russland feiert seine Fußball-Nationalmannschaft auch nach der Niederlage gegen die kroatische

Die deutschen Nachrichtensendungen zeigten Bilder von feiernden Mengen. Der russischen Mannschaft wurde ob ihrer Leistungen gehuldigt. Sie unterlag der kroatischen erst im Elfmeterschießen nach Verlängerung. Bilder in der Hauptnachrichtensendung des Tages im ZDF, der „heute“-Sendung um Sonntag 19 Uhr, zeigten Volk und Spieler im Einklang und Feierlaune – trotz der Niederlage. Die beiden Nachrichtensprecher zeigten sich ehrlich verwundert, aber es gefiel ihnen.

Daran kann man sich einmal ein Beispiel nehmen.

Einen Tag vorher in Berlin ein ähnliches Bild unter jungen brasilianischen Fans, Belgien war nicht bezwingbar. Lateinamerikanische Mannschaften sind auf dem europäischen Kontinent immer im Nachteil. Russland ist in Europa. Doch die Brasilianer tanzen nach einiger Zeit bereits wieder.

Das Spiel Russland-Kroatien wurde im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Friedrichstraße gezeigt. Hier in der Nähe des U-Bahnhofs Französische Straße tobte früher, in den „roaring twenties“, das Leben. Der Bahnhof in südlicher Nachbarschaft heißt nicht umsonst Stadtmitte und schaffte es, in einem Romantitel verewigt zu werden, einen Block weiter der Gendarmenmarkt mit dem Konzerthaus.

Die „deutschen Spiele“ wurden zum Beispiel im Kino Cinestar original am Potsdamer Platz im Sony-Center gezeigt. Die „russischen Spiele“ im Russischen Haus. Im großen Auditorium, das aufgrund seiner ausfahrbaren Leinwand auch als Kino genutzt wird, zum Beispiel bei der russischen Filmwoche im November/ Dezember jeden Jahres, war am 7.7. ab 19.30 Uhr Fußball Trumpf. Statt RUS – CRO (abgekürzt aus dem Englischen, so auch in ARD und ZDF gezeigt) ROS (von Rossija, gesprochen mit zwei ‚a“) gegen XOP (sprich Chor, Abkürzung für Kroatien im Russischen).

Doch gleichzeitig laufen Ausstellungen in dem sich über zwei Etagen erstreckenden Prachtfoyer und den angrenzenden Räumen.

Russland feiert mit Ausstellungen

Im Raum „Tolstoi“ – stimmt, große Schriftsteller hatte die russische Literatur ja auch – eröffnete am spielfreien Donnerstag die Ausstellung „Werke aus den Kunstsammlungen des Russischen Hauses – Malerei und Grafik“. Die Ausstellung dauert vom 6.7. bis 16.9.2018 und zeigt einen Querschnitt, der einen Einblick in die Weite des Landes gibt, des größten Landes der Welt. Es ist ein Forum für verschiedene Künstler, die unterschiedliche Techniken in Schwarzweiß und Farbe anwendeten. Sie zeigen Natur, Alltag, Wissenschaft und Raumfahrt. Symbolik wie den Polyptichon „Jahreszeiten“.

An der Wand eine Ausstellung von Kinderbildern. Mit farbigen Punkten können die Betrachter selbst die besten Bilder auswählen – ganz demokratisch.

Im Erdgeschoss links vor der Garderobe eine große Ausstellung von Briefmarken und Ganzsachen zum Thema „Fußball“. Postfrische Marken, ganze bunte Briefe mit Sonderstempeln auf vielen Tafeln. Sie zeigen natürlich nicht nur russische Fußballspieler, sondern auch wichtiger Szenen internationaler Matches. Übrigens auch mit deutscher Beteiligung, wie ein 3:1 gegen Argentinien.

Vom Eingang aus rechter Hand weitere Ausstellungen.

Russland als Austragungsort eines der größten Sportereignisse der Welt, des wichtigsten neben den Olympischen Spielen, zeigt, was es zu bieten hat. Und das ist nicht wenig, auch und besonders im Kulturbereich. Die graphischen Werke im ersten Stock erinnern aber auch an andere Höchstleistungen: Sputnik, Satelliten, Mondsonden.

Bei so einem Großereignis präsentiert sich der Austragungsort gern. Das ist in Ordnung. Die Bundesrepublik Deutschland zeigte sich 1974 und 2006 im besten Licht, bei Olympischen Spielen Ostasien, die USA mit Los Angeles, Großbritannien mit London. Vieles hat man 1988 über Korea gelernt und es ist einem seither nicht mehr fremd.

Der Vielvölkerstaat Russische Föderation mit seiner reichen Hauptsprache und kulturellen Tradition mag in der Politik bisweilen  bei manchen umstritten sein. In der Kunst, Musik und Literatur gehört er jedenfalls zu den großen (Kultur-) Nationen.

Da kann man den Ball drehen, wie man will.

 

 

 

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