Kräuterquark, links gerührt – Schnitzel und ein höflich-humoriger Service im Berliner „Lubitsch“

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Das gewaltige Schnitzel füllt fast den ganzen Teller aus. © Foto/BU: Fritz H. Köser, Aufnahme: Berlin, 20.4.2022

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Schnell wird klar: in diesem Restaurant geht es klassisch zu. Auf der Speisekarte wie im Lokal selbst. Ein gediegenes, tendenziell eher mittelaltes Publikum verspeist Klassiker, laut Homepage „zeitgemäß interpretiert und aus dem Dreieck Wien, Paris und Berlin“. Und das mit sehr viel Hingabe. Willkommen im „Lubitsch“, in Charlottenburg, im tiefsten Berliner Westen. Und willkommen fühlt man sich hier. Das liegt wohl auch an dem freundlichen und stets aufmerksamen Mitarbeiter, der gekonnt Höflichkeit mit Humor verbindet. Da ist der Kräuterquark, den es zum knusprig frischen Brot gibt, schon einmal „links gerührt“. Wie auch immer, er mundet jedenfalls hervorragend.

Weiter geht es mit einem Wiener Schnitzel, „über Berlin hinaus bekannt“. Ob der gute Ruf bis nach Wien reicht? Wer weiß. Jedenfalls kommt ein gewaltiges Schnitzel, über dem sich die Panade zu einem ebenso gewaltigen Hügel wölbt. Da ist auf dem Teller noch so gerade Platz für die obligatorische Zitrone samt Preiselbeeren. Der lauwarme Kartoffelsalat mit Gurken befindet sich in einer extra Schüssel. Geschmacklich alles tadellos.

Nichts für Kalorienzähler: die Spinatknödel. © Foto/BU: Fritz H. Köser, Aufnahme: Berlin 20.4.2022

Die Spinatknödel und die Königsberger Klopse lassen ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Auch was die Kalorien anbelangt. Da brauche man am nächsten Tag kein Frühstück mehr, scherzt der Mitarbeiter. Und wohl auch kein Mittagessen.

Bei den Königsberge Klopsen durften die Kapern nicht fehlen. © Foto/BU: Fritz H. Köser, Aufnahme: Berlin 20.4.2022

Dennoch traut man sich noch an ein Dessert heran. Empfohlen wird Creme Brulée. Die Nachspeise, die jeder haben will, versichert die Servicekraft. Wer wagt da noch zu widersprechen? Mit einem endlos langen Löffel klopft der Mitarbeiter auf die Kruste. Hält, wie meterdickes Eis. Und ist dennoch hauchdünn. Darunter verbirgt sich die Creme, die ein wunderbares Vanillearoma entfaltet.

Crème brûlée mit hieb- und stichfester Kruste. © Foto/BU: Fritz H. Köser, Aufnahme: Berlin 20.4.2022

Die Speisen werden mit „stubenwarmen“ Wasser und Wein heruntergespült. Der Grauburgunder vom Weingut „Siener“ aus der Pfalz, Jahrgang 2021, leuchtet leicht rosa aus dem Glas. „Tut keinem weh“, verspricht die Servicekraft. Nicht nur das, er erweist sich als recht fruchtig, mit dem Aroma von Äpfeln und Birnen. Das Etikett auf der Rückseite nennt auch den Duft von Wiesenblumen.

Ein gelungener Abend. Das sehen wohl auch die anderen Gäste so, an diesem Donnerstag ist jedenfalls kein einziger Tisch mehr frei. Der legendäre Filmregisseur Ernst Lubitsch (1892 – 1947), nach dem das Lokal benannt wurde, wäre vermutlich ebenfalls angetan gewesen.

Lubitsch

Adresse: Bleibtreustraße 47, 10623 Berlin

Kontakt: Telefon: 030 88626660

Heimatseite: restaurant-lubitsch.de

Öffnungszeiten: Täglich von 12 bis 24 Uhr, Küche täglich von 12 bis 22 Uhr

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