„Men in Black“ – nun auch Women. Science-Fiction-Classic international

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Men in Black International: Tessa Tompson (Agent M) und Liam Neeson. © Sony Pictures

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Men in Black“ war eine tolle Trilogie. Bei „Fack ju Göhte“ schwächelte es im zweiten Teil etwas, um im dritten glanzvoll zu enden. Ein deutsches Produkt, das im Ausland ein Remake erfuhr. „Hangover 1“ war etwas neues, nach 2 hatte man einen Kater und 3 war dann ein halbwegs versöhnlicher Abschluss nach dem Motto – besser nie wieder. Andere Filmserien stoppten gefühlt nie. Who saw „Saw“? Der Sägeblattfortsetzungsroman: der reinste Horror. Wer weiß (noch), wie viele Teile es gab? „Toy Story“ und „Pets“ sind da eher auf Trilogiekurs, die zweiten Haustiere (Pets2) sind gerade unterwegs. Ähnlich wie bei der netten Komödie am Rande der Legalität „Fack ju Göhte“ schien es bei „Men in Black“ nach dem 3. Film eine „natürlichen Schluss“ zu geben.

Während gegen einen vierten „FjG“ zwar eigentlich nichts einzuwenden wäre, hatten wir weitere „Men in Black“-Stories herbeigesehnt. Obwohl das ein kurzer, dreisilbiger Titel ist – viele deutsche Wörter brauchen allein schon drei Silben, wie „Eisenbahn“, „Massenwahn“, „Ururahn“ oder „Spreewaldkahn“ – geht es noch kürzer: MiB oder MIB. Einsilbig. Kurz und schnell. So schnell wie Speedy Gonzales (sprich Spidi Gonsales), die schnellste Maus von Mexiko, die Mip-Mip fiepend durch die (Zeichentrick-)Lande huschte.

Doch leider ahnte man, dass es mit einem vierten Teil nichts würde – zu gut die Story. Ende gut, alles gut. Auch im Abschluss. Jetzt geht es mit „Men in Black“ doch weiter. Eigentlich sind es ja nur „Männer in Schwarz“ mit weißem Hemd – weißer Weste? – und Krawatte, aber nicht aus Watte und oft mit Waffe.

Die kleinste im Arsenal, dass wissen wir, hatten schon einen gewaltigen Wums. Wie hieß sie gleich noch, „Grille“? Will Smith alias Agent JAY, ehrgeizig und – typisch amerikanisch – voller Selbstvertrauen, ist dann beim ersten „Abfeuern“ gewaltig überrascht von der Wirkung.

„Men in Black – international“: Es geht weiter mit den „Men in Black“ – aber wie?

Men in Black International. Agent H (Chris Hemsworth) in der in der Stadt New York gelegenen US-Zentrale der MiB. © Sony Pictures

Wie aber gut weitermachen? Ausländer sind keine große Sensation mehr, wenn es Außerirdische gibt. Im Englischen ist der Unterschied zwischen ihnen nicht immer festzustellen. „Alien“ (fremd, außerirdisch, etc.) hieß ein Film, „alien aircraft“ kann schlicht ein Flugzeug der französischen Luftwaffe sein – aus US-Sicht. Das Fremde, das bei Yoko Tawada aus der Dose kommt, ist also per se schon eingepreist. Bleibt Liebe für alle und gleiche Rechte für alle. Gleichgeschlechtliche Liebe als Thema hält vielleicht so manchen actiongeilen Rabauken vom Kino fern. Frauen gleichzustellen, vielleicht auch. Doch machen sie sich in Liebesgeschichten ganz gut.

„Women in Black“ wäre die logische Folge; vielleicht gibt es dafür einfach nicht genug Frauen. Noch gibt es keine Frauenquote bei „Men in Black“.

„Men in Black – international“ ist da intelligenter. Eine neuer Euphemismus für „weiblich“?! Demzufolge wären Männer in einem Land und Frauen in einem anderen.

Männer vom Mars, Frauen von der Venus

Men in Black International. Agent M (Tessa Lynne Tompson) und Agent H (Chris Hemsworth) mit fliegendem Gefährt in der Wüste. © Sony Pictures

John Gray schrieb „Männer sind anders. Frauen auch“ und „Männer sind vom Mars. Frauen von der Venus“. Hmm. Männer und Frauen – hört sich übrigens nicht nach Ladies first an, aber wenn das nur für Ladies gilt, hilft es eh nicht allen Frauen – sind also nicht nur von verschiedenen Kontinenten oder Ländern, sondern sogar von verschiedenen Planeten. Immerhin aus demselben Sonnensystem. Annäherung ist also möglich, gegebenenfalls mit Lichtgeschwindigkeit.

Womit beim Thema Raumschiffe und UFOs wären. Die einen gibt es, die anderen nicht. Jeder US-Politiker kann zurzeit behaupten, dass er, anders Präsident Jimmy Carter, der Erdnussbauer, keine UFOs gesehen hätte. Sogar, dass es keine UFOs gäbe.

Das ist ganz leicht, bedeutet doch UFO „Nicht indentifizertes Flugobjekt“. Wenn die US-Luftwaffe aber alle Objekte identifiziert, bleiben eben keine unidentifizierten mehr übrig. Der Terminus IAC bezeichnet demzufolge auch ein identiziertes „feindliches“ oder außeridisches Flugobjekt, besser Fahrzeug oder Luftfahrzeug (Identified Alien Craft).

In den ersten Filmen schweben Agent J und K schon mal auf fliegenden Autos durch die Gegend. Eine interessante Variante von Verfolgungsjagd. Die Fahrzeuge sind dabei „Transformers“ – eben noch Automobil, dann Miniflugzeug.

„Men in Black – international“ – wie funktionieren die Vorgängerfilme?

Men in Black International. Ein Außerirdischer. © Sony Pictures

In „Men in Black 1-3“ gibt es Außerirdische auf der Erde, teilweise genießen sie hier Asyl. Aus irgendeinem Grund, vielleicht, um die Menschen auf der Erde nicht zu beunruhigen, vielleicht, weil Außerirdische es als Bedingung gestellt haben und es ihnen auf Grund ihrer technischen Macht ein Leichtes wäre, alles menschliche Leben auf der Erde zu vernichten, wird das geheimgehalten. Sieht einmal ein Mensch oder eine Gruppe eine Verfolgungsjagd oder Ähnliches, womöglich ein Exemplar oder mehrere einer Spezies – es gibt ja nicht nur ein außerirdisches Volk! – wird er oder sie geblitzdingst. Mittels einer kleinen Apparatur wird eine temporäre Amnesie ausgelöst. Erlebt, gesehen und – vergessen. Die Männer im schwarzen Anzug, die Men in Black setzen zum Schutz eine Brille auf, eine Art Sonnenbrille. Die Menschen leben normal weiter und erhalten für die Episode oder Gedächtnislücke eine Alternativstory. Mit dieser können sie sich und anderen gegebenfalls „erklären“, was vorgefallen war.

Beobachter aus der Ferne werden mit Fernseh- oder Zeitungsberichten abgespeist. „Metereologische Phänomene“, „Nordlicht“ oder ähnliche Lügen halten die Menschen von der Wahrheit fern. Möglicherweise zu ihrem eigenen Guten. Möglicherweise.

Es gibt Ausnahmen

Manchmal geht den ‚Men in Black‘ ein Mensch durch die Lappen; er wird nicht geblitzdingst. Das ist unwahrscheinlich, denn, wie uns andere Spielfilme weißmachen, erschrecken Frauen ja schon bei einer Maus derart, dass sie auf einen Stuhl fliehen. Nur deshalb nicht auf einen Tisch, weil Stöckelschuhe und enger Rock soviel Beweglichkeit nicht erlauben. Auch Kinder gelten als schreckhaft bei Insekten und Ähnlichem. Besonders Mädchen, nicht wahr?

Nun, es gibt Ausnahmen.

Keine Spoiler

Wir dürfen Ihnen nicht die Handlung des Films verraten. Unerwartete Begegnungen und Freundschaften, Reisen international und so manche Überraschung und Wendung sorgen für Freude, wenn man es selbst erlebt; im Kino.

Verraten sei, dass auch die Frau (en?, Tessa Thompson) schwarz tragen, business-like.

Spielorte in Afrika, Europa, Nordamerika

Men in Black International. Agent H (Chris Hemsworth) und Agent M (Tessa Lynne Tompson) auf Verfolgungsjagd im Basar. © Sony Pictures

Als zufällige, abgelegene Gegenden sei die Wüste erwähnt, vermutlich die marokkanische. Marokko ist ja groß im Filmgeschäft und auch das pittoreske Durcheinander der Basare immer wieder eine willkommene Abwechslung auf der Leinwand.

Paris kommt vor und bei Paris aus US-Sicht darf eine Sache nicht fehlen. Sie wissen schon, dieser temporäre Turm. Der, der immer noch steht, aus viel Metall; der manchmal wie ein Leuchtturm wirkt. Er steht nicht in der Eifel, sondern in der französischen Hauptstadt.

Und, natürlich, New York.

Gleichberechtigung

Men in Black International. Agent O (Emma Thompson), die Leiterin der US-Zweigstelle der Men in Black, im Büro in New York. Im wirklichen Leben ist die Britin der einzige Mensch, der sowohl als Darstellerin als auch als Drehbuchautorin einen ‚Oscar‘ gewann. © Sony Pictures

Dass die Frau schwarz tragen darf, nehmen wir mal als Zeichen von Gleichberechtigung (post-germanistisch: „gender equality“). Die Neue auf Probezeit ist dabei nicht die einzige Vertreterin des weiblichen Geschlechts.

Neben Agent M (Tessa Thompson) taucht Agent O im Film auf, gemimt von Emma Thompson, der britischen Schauspielerin. Agent O leitet die US-Zentrale der „Men in Black“. Emma Thompson bekleidet nicht nur im Film eine Führungsposition, was Vorbildcharakter haben kann. Thompson ist die einzige Person, die je für Schauspiel und Drehbuch einen Academy Award bekam, einen „Oscar“. Die beiden Thompsons sind nicht miteinander verwandt.

Liam Neeson ist auf einem Szenenbild zu sehen. Er passt in die Haurein-Filme, wo er seine Film-Tochter vor harten, bösen Buben beschützt – mit aller Härte. Das tut er mit voller Hingabe, teilweise gegen ausdrückliche Befehle von Vorgesetzten. In einem Streifen ist er im Dienst, in einem anderen im Ruhestand. Für harte Action ist er der Richtige. Ist er es für „Men in Black“? Man entscheide selbst.

Eine Frau im inneren Kreis der Heimlichtuer ermöglicht – bei Beibehaltung der heterosexuellen Sichtweise – eine „Boy-meets-Girl-Story“. Während der Arbeitszeit. Im „Büro“, das nicht von home24 eingerichtet wurde, oder im Außendienst. Sie wissen schon, Mann, Frau, Liebe … Und ja, in die Richtung passiert etwas, doch nicht unbedingt so, wie man sich das ausmalt, und das ist gut so.

Der Schönling im schwarzen Anzug – Agent H (sprich: Ej-dschent Ejtsch) – wird von Chris Hemsworth gemimt. Bloß weil er aus Frauensicht hübsch ist, muss er ja nicht hohl sein.

Ein deutsch-amerikanischer Unterschied

Interessant: Die deutschsprachige Wikipedia setzt Tessa Thompson („Agent M“) an die Spitze der Schauspieler, in der englischsprachigen Varante findet man unter „Starring“ zuerst Chris Hemsworth alias H.

„Men in Black“-Fazit

„Men in Black“ lebt auch davon, dass eine gewisse kriminalistische Vorgehensweise erforderlich ist, um außerirdische Halunken oder solche, die sich schlicht verstecken, weil sie sich in Gefahr wähnen, aufzuspüren. Auch wenn die Bewaffnung teils ins Militärische zu gehen scheint, ist sie vor dem Hintergrund eines Krimis gedacht, nur weitaus futuristischer.

Manchem erscheint Science fiction lächerlich, so wie manche auch nicht verstehen können, warum Hunderte Millionen zugucken, wenn zweimal zehn Menschen hinter einem Ball herlaufen. Aber es funktioniert und ist spannend, und die „Next generation“ der „Men in Black“-Filme, die uns hoffentlich samt diesem ersten bevorsteht, ist auf der Höhe der Zeit.

Es ist gute Unterhaltung mit viel getaner Arbeit in der Haar- und Schminkabteilung und bei den Kostümen.

Ein Film, den man auf der Leinwand – unendliche Weiten – schauen sollte.

Ein Film, der auch beim zweiten Anschauen vermutlich noch Details preisgibt, die man beim Verfolgen der Handlung übersehen hatte.

Ob nun solche Filme nur dem langsamen Einsickern der Wahrheit, dass es Außerirdische gibt, dienen, wie manche unken oder vermuten, ist egal. „Men in Black“ ist beste Unterhaltung mit einer hervorragenden Hauptdarstellerin ( Tessa Thompson) und einer Riege von Spitzenschauspielern. Beiderlei Geschlechts.

„Men in Black“. Die Filme wurden erstmals 1997, 2002 und 2012 gezeigt, mit Tommy Lee Jones und Will Smith. „Men in Black – international“ ist ganz frisch aus dem Jahr 2019. Hauptdarstellerin: Tessa Thompson (Tessa Lynne Thompson)

Bundesweiter Kinostart am 13. Juni 2019, in den USA und China am 14. Juni, der Stadt New York bereits am 11. – FSK 12.

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