Nazibauern und andere miese Molche am Schwanz der Kuh – Zum Buch „Völkische Landnahme“ von Andrea Röpke und Andreas Speit

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"Völkische Landnahme" von Andrea Röpke und Andreas Speit. © Ch. Links Verlag

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit Jahren zieht es auch den Nazi und seine Lieben aufs Land, wo die Luft noch frisch, der deutsche Wolf noch zäh und die gute Kuh allzeit artig den Volkskörper ernährt. Keine Angst, ich habe nicht die Seiten gewechselt, der erste Satz ist ein bisschen ironisch gemeint, wenn sie wissen was ich meine. Denn man kann sie auch sehr gut auslachen, die jungen, mittelalten und alten Nazis, die „frei-sozial-national“ (Motto der Dorfgemeinschaft Jamel) ihr, gern auch veganes, Süppchen kochen.

Mit „Völkische Landnahme“ liegt nun ein spannendes Buch zu „Dorfnazis“ vor. Die Autoren Röpke und Speit erforschen seit langem das rechte Treiben in der BRD, in diversen Publikationen bringen sie die deutsche Öffentlichkeit auf den aktuellen Stand. Das ist höchst löblich, natürlich nicht ungefährlich, weil es nicht jedem in den Kram passt. Nazis sind in einigen ländlichen Regionen zuweilen schon gefährlich nah an den Hebeln der Macht und wissen natürlich ganz genau, wer ihnen durch das Öffentlichmachen ihres ideologischen Wirkens weh tun kann.

Röpke und Speit nehmen uns mit auf einen Rundgang durch rechte, ländliche Infrastruktur. Die Nazis kümmern sich vielerorts um das aussterbende, alte Handwerk, betreiben ökologische Landwirtschaft und rennen mit langen Haaren und weiten Röcken über die Wiese. Sie sind mitunter nicht auf den 1. Blick als Faschos erkennbar, weil sie sich in die Dorfgemeinschaft integrieren und das Brauchtum pflegen. Sie haben eigene Zeitschriften, wie „Umwelt und Aktiv“. Dazu kommen freie Schulen, Kaufgruppen, Wehrdörfer, der ganze Mulm. Natürlich kämpfen sie mit allen Mitteln gegen die liberale Gesellschaft, sehen Europa als Identitätskiller und verbreiten ihr rechtsnationales Weltbild wo sie nur können. Sie infiltrieren Gemeinden und gehen in die Öffentlichkeit, weil sie meinen, ihre Zeit sei gekommen.

In sieben lesenswerten Kapiteln wird uns deutlich gemacht, wo der Feind steht, was er plant und wie er seinen Plan umsetzen will.

Ein Buch für noch ahnungslose Dorfbewohner, engagierte Bürger und den Verfassungsschutz, der bestimmt wieder von nichts weiß.

Bibliographische Angaben

Andrea Röpke und Andreas Speit, Völkische Landnahme, Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos, 208 Seiten, Abbildungen s/w: 25, Format: 12,5 x 20,5 cm, Broschur, Verlag: Ch. Links Verlag, Berlin, Juni 2019, ISBN: 3-86153-986-5, 18 EUR (D()

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