Olympia und die Nazis – Annotation zum achten Rath-Roman „Olympia“ von Volker Kutscher

"Olympia. Der achte Rath-Roman" von Volker Kutscher. © Piper

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Es beginnt leidlich spannend. Ein Unbekannter auf der Flucht sortiert sich in Wiesbaden 1937 neu, dann springt die Handlung zurück nach Berlin, August 1936, die Olympiade wird in wenigen tagen eröffnet. Die Nazis haben ihr wahres Antlitz versteckt, die Stadt ist noch einmal für ein paar Wochen halbwegs weltoffen, man kann in den Clubs Jazz hören, die Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung ist zurückgefahren.  

Wer die Kriminalserie „Babylon Berlin“ liebt, kann ruhig mal in die Kutscherromane reinlesen. Charlotte ist eins zu eins übernommen, das macht viele Spaß, mit ihr das Berlin von 1936 zu entdecken. Sie hat einen sympathischen Job, sie hilft in einer Detektei Ausreisewilligen zur Flucht aus Nazideutschland. Kutscher schafft es 1a, ihrer zupackenden Berliner Schnauze fett Leben einzuhauchen.

Oberkommissar Rath arbeitet inzwischen für die Gestapo und die SS, das macht es anfangs schwer, Sympathien für ihn zu entwickeln. Ohne zu viel zu verraten, schafft es Charlotte, Rath zurück auf den Pfad der Menschlichkeit zu führen.

Die Story? Mord und Totschlag, gepaart mit Heroingeschäften und einer raffgierigen „Olympia“. Die Handlung ist ein bisschen voraussehbar, in Sachen politischer Haltung bekommt Kutscher aber glatt 10 Punkte. Alles erklärt zu bekommen, ist nicht jedermanns Sache, aber so sind nun mal die Gesetze des Genres. Wer richtige Literatur lesen will, sollte Lutz Seiler, Thomas Hettche, Terezia Mora lesen.

Wer aufregende Krimis mit viel Kolorit mag, kommt an Volker Kutscher nicht vorbei.

Bibliographische Angaben

Volker Kutscher, Olympia (Die Gereon-Rath-Romane 8), Der achte Rath-Roman, 544 Seiten, fester Einband mit Schutzumschlag, Verlag: Piper, München, 2.11.2020, ISBN: 978-3492070591, Preis: 24 EUR (Deutschland), 24,70 EUR (Österreich), auch als E-Buch erhältlich für 19,99 EUR

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