Serielle Formation im Museum Giersch am Frankfurter Museumsufer

Museum Giersch
Eine Ansicht des Museums Giersch der Goethe-Universität am Frankfurter Museumsufer. © Goethe Universität

Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). In einer Villa am Main und also am sogenannten Frankfurter Museumsufer befindet sich das Museum Giersch, ein vom IT-Kaufmann Giersch zunächst für seine Sammlung von Gemälden primär Frankfurter Provenienz des 19. Jahrhunderts gestiftetes und eingerichtetes Museum. Inzwischen ist das Haus in die Regie der Goethe-Universität übergegangen.

Pünktlich zum „68er Jubiläum“ greift das Museum ein Ruhmesblatt der damaligen Zeit auf: Zwischen 1964 und 1968 existierte im sogenannten Studentenhaus (heute politisch korrekt Studierendenhaus) eine vom AStA betriebene/unterstützte Studiogalerie. Die aktuelle Präsentation im Haus Giersch unter dem Titel „Freiraum der Kunst“ belegt, dass es damals möglich war, mit geringsten Mitteln die künstlerische Avantgarde nicht nur Deutschlands, sondern weltweit zu präsentieren. Da diese Galerie nicht unter dem Zwang stand, zu verkaufen, konnte sie aus dem Vollen zeitgenössischer Tendenzen und gutmeinender Leihgeber schöpfen.Verdankt wird dies vor allem dem Engagement von Leuten wie Bartels, Roehr und Maenz. Schon 1964 war hier Arnulf Rainer zu sehen, auch Nam June Paik und Charlotte Moorman präsentierten hier Fluxus-Bewegung.

Der Höhepunkt: Serielle Formationen (1967)

Die Geschichte der Studiogalerie endet 1968 in den Studentenunruhen. Zuvor ist es ihr aber geglückt, noch ein Highlight zu setzen, das fortwirkt: 1967 gibt es die Ausstellung „Serielle Formation“, die Künstler präsentiert, die zwar damals noch weitgehend unbekannt waren, heute aber Weltgeltung haben und zu Zigtausenden bis Hunderttausenden gehandelt werden: Judd, Marconi, Uecker, Warhol, Vasarely, Stella, aber auch der zu früh verstorbene Roehr, Mitorganisator der Präsentation. Der Berichterstatter hatte die Chance, als Student im zweiten Semester, diese Ausstellung zu sehen (mehr durch Zufall, denn sie war weder besonders ausgeschildert noch irgendwie bewacht – jeder konnte vorbeischauen) und war nachhaltig beeindruckt – bis heute.

Die Präsentation im Museum Giersch bietet auf drei Ebenen Einblicke in die wichtigsten Ausstellungsprojekte der Studiogalerie – soweit die Exponate heute noch verfügbar sind. Auch ohne persönliche Reminiszenzen unbedingt sehenswert.

Freiraum der Kunst (Museum Giersch) 18. März bis 8. Juli 2018

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