William Kentridge im Frankfurter Liebieghaus

783
William Kentridge
William Kentridge (*1955) © Foto: Stella Olivier

Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). Vor sechs Jahren unternahm das Frankfurter Liebieghaus, Ort der Sammlung vor allem antiker und klassischer Skulpturen, das Wagnis, seine Bestände mit den Werken des Amerikaners Jeff Koons zu konfrontieren und dabei überraschende Bezüge freizusetzen. Was damals gelang, wiederholt sich nun mit den Skulpturen, Zeichnungen, Installationen und Maschinen des südafrikanischen Künstlers William Kentridge.

William Kentridge
William Kentridge (*1955)
Untitled, Zeichnung für Other Faces, 2011
Kohle und Buntstift auf Papier, 166,5 cm x 90 cm
Courtesy des Künstlers, Johannesburg
Foto: John Hodgkiss
© William Kentridge, 2018

Vom 22. März bis 26. August 2018 präsentiert die Liebieghaus Skulpturensammlung einen ganz besonderen Gast: In einem umfassenden Ausstellungsprojekt bringt William Kentridge (* 1955) seine Werke in einen Dialog mit der 5.000 Jahre überspannenden Sammlung des Frankfurter Museums. Die groß angelegte Ausstellung „. O Sentimental Machine“ präsentiert anhand von über 80 teils raumfüllenden Arbeiten und Installationen das ganze Spektrum im Oeuvre des Künstlers. Die von Sabine Theunissen inszenierte und von Vinzenz Brinkmann und Kristin Schrader kuratierte Ausstellung erstreckt sich über nahezu alle Bereiche und Räume der Liebieghaus Skulpturensammlung: von der Antikensammlung über die Mittelalterräume bis in die Dachräume der historistischen Villa Liebieg.

Der Besuch der Ausstellung wird fast zu einer „Schnitzeljagd“

Natürlich fallen die großen Konstrukte und Projektionen unmittelbar ins Auge. Aber raffiniert plaziert finden sich auch viele kleine Objekte so eingereiht zwischen den ausgestellten klassischen Köpfen und Büsten, dass der eilige Besucher ohne weiteres an ihnen vorbei eilt – was sehr schade wäre, denn dieses Zusammenspiel eröffnet neue Perspektiven für die Kunst Kentridges wie auch für die antiken Objekte. Und die Ausstellung greift auch umfassendere Bezüge auf. William Kentridge kommt aus Südafrika und einer Familie, die sich schon immer gegen die Apartheit gestemmt hat. Mit seiner Installation, die an den Genozit an den Hereros durch deutsche Konolialtruppen erinnert findet er zu einem Bezug zum Museumsort:, der historistischen Villa des erfolgreichen Industriellen Liebieg aus dem Jahre 1894, der wie das damalige Bürgertum insgesamt,an dem, diesem Massaker zugrundeliegendem Kolonialismus, sich bereichern konnte. Die Vielfalt der Ausstellung ist hier nicht darstellbar – es sei daher auf die Homepage des Museums und das auch hier wieder angebotene Tutorial zur Ausstellung verwiesen.

Kentridge im Liebieghaus: 22. März bis 26. Augist 2018

Anzeige