Vom ersten Einschlag bis zum letzten Bunker – Zum kometischen Katastrophenfilm „Greenland“

Von links nach rechts: Morena Baccarin, Roger Dale Floyd und Gerard Butler in einer Szene des Katastrohenfilms "Greenland". © Image Courtesy of STXfilms

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es ist schon etwas über zwei Jahre her, da meldete das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven per Pressemitteilung vom 13.11.2018, dass ein internationales Forscherteam … einen 31 Kilometer breiten Meteoriten-Einschlagkrater entdeckt“ habe, „der im nördlichen Grönland unter dem Eisschild verborgen“ sei. Weiter heißt es, dass „der Krater … einen Durchmesser von mehr als 31 Kilometern“ habe und „somit einer Fläche größer als Paris“ entspreche. „Er zählt damit zu den 25 größten Einschlagskratern der Erde.

Gut zu wissen und auch, dass man beim Einschlag nicht dabei war. Doch der nächste Meteorit kommt bestimmt. Dazu heißt es in der besagten Pressemitteilung, dass „frühere Studien … gezeigt“ hätten, „dass große Meteoriteneinschläge das Klima der Erde nachhaltig beeinflussen können – mit gravierenden Folgen für das Leben auf dem Planeten. Daher wollen die Wissenschaftler jetzt weiter untersuchen, wann und wie dieser Meteoriteneinschlag am Hiawatha-Gletscher den Planeten beeinflusst hat. ‚Der nächste Schritt der Untersuchungen wird darin bestehen, den Einschlag zuverlässig zu datieren. Dies ist eine Herausforderung, da wir wohl versuchen müssen, an Material am Boden der Struktur heranzukommen. Dies ist jedoch entscheidend, wenn wir verstehen wollen, wie sich der Einschlag auf das Leben auf der Erde auswirkte‘, schließt Erstautor“ Professor Kurt H. Kjær vom Centre for GeoGenetics am Naturkundemuseum von Dänemark.

Im Film „Greenland“ geht es im Grunde genommen darum. Der Komet Clarke rast auf die Erde zu, doch Experten gehen davon aus, dass nur kleine Bruchstücke auf diesem Planeten einschlagen werden, ohne größere Schäden zu verursachen für das Klima und vermeintliche Klimasünder. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ein Bruchstück von Clark kommt in Florida runter und vernichtet Tampa. Und die Druckwelle ist noch über hunderte Kilometer in Atlanta zu spüren, wo Architekt John Carrity (gespielt von Gerard Butler) Kindergeburtstag feiert. Aus der zuckersüßen Party mit buntem Fernseh-Kometenspaß wird bitterer, blutiger Ernst.

Offensichtlich ist Garrity, der auch Gravity heißen könnte, wichtig, sodass er einen QR-Code auf sein Mobilfunktelefon bekommt mit dem Hinweis, sich mit seiner „Familie schnellstmöglich an der Robins Air Force Base zur Evakuierung einfinden soll. Von dort solle er mit einem Evakuierungsflugzeug nach Greenland (Grönland) ausgeflogen werden, um in einem Bunker des VS-Militärs zu überleben.

Nun ist der Katastrophenfilm von Regisseur Ric Roman Waugh nach einem Drehbuch von Chris Sparling schlimmster Hollywood-Scheiß und also voller Abenteuer und Action, voller Herzschmerz und Hirnlosigkeit.

Keine Frage, dass Herr und Frau Garrity mit dem auf Insulin angewiesenen Nathan es in einem Auto durch einen Meteoritenhagel schaffen, getrennten werden und wieder vereint, kreuz und querfeldein bis Kanada brausen um als letzte Gäste in ein überfülltes Kleinflugzeug gebeten zu werden, das auch noch Grönland erreicht, wenn auch per Bruchlandung. Hinter den Garritys, die vom organisieren eines Kindergeburtstages bis zum Betreten des Bunkers im spannungsreichen Dauerstress ohne nennenswerte Hänger stehen, geben dem Film wenigsten die kultivierte Zutat Familiendrama, bei dem auch noch ein Großvater einbezogen wird, schließen sich die Tore des Bunkers für die nächsten Wochen und Monate, bis sich die Aschewolke gelegt hat und keine Strahlung mehr messbar ist. Auf ellenlange Untergangsszenarien verzichten die Filmemacher. Sie setzen auf ewige Emotionen statt endlose Effekte. Selbstredend sind alle Atomkraftwerke in die Luft geflogen und fast alles Leben auf der Erde ausgelöscht worden. Doch gezeigt wird nur das Ergebnis, nicht das endzeitliche Elend. Keine Frage, außerhalb des Bunkers herrscht: die Apokalypse.

Doch dann öffnet sich die Tür in Grau in Grau und ein Vogel fliegt. Da fehlt nur noch ein gepflanzter Apfelbaum.

Die Selektion, wer also in den Bunker darf, wer die Überlebenden auswählt, und wer zu den Milliarden Menschen gehört, die sterben werden, wird nicht thematisiert. Dafür ist wohl noch nicht einmal ein Thema beim Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, oder?

Filmographische Angaben

Originaltitel: Greenland

  • Staat: VSA
  • Jahr: 2020
  • Sprache: Englisch
  • Regie: Ric Roman Waugh
  • Drehbuch: Chris Sparling
  • Kamera: Dana Gonzales
  • Schnitt: GabrielFleming
  • Musik: David Buckley
  • Darsteller: Gerard Butler (John Garrity), Morena Baccarin (Allison Garrity), Roger Dale Floyd (Nathan Garrity), Scott Glenn (Dale), David Denman (Ralph Vento), Hope Davis (Judy Vento), Andrew Bachelor (Colin), Gary Weeks (Ed Pruitt), Tracey Bonner (Peggy Pruitt), Claire Bronson (Debra Jones), Madison Johnson (Ellie Jones), Merrin Dungey (Major Breen) u.a.
  • Produzenten: Gerard Butler, Basil Iwanyk, Sébastien Raybaud, Alan Siegel
  • Länge: 120 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 12

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