Was verbindet Beth Gibbons von Portishead, Henryk Gorecki und Theresa May? Der 29. März 2019

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Hegel vom Kopf auf die Füße stellen? Plakat in Berlin-Charlottenburg am 22.März 2019
THIS WAY UP - "Oben" steht auf einem wilden Plakat in der Charlottenburger Bleibtreustraße neben Graffiti. Darunter ein kopfstehendes Konterfei der britischen Premierministerin (aus Wikimedia?!) und ein englischer Text von "Gerrard Winstanley 1649". Aufgenommen am 22.3.2019, 7 Tage vor dem Fast-Brexit.. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Portishead klingt für Uneingeweihte wie „den Kopf tragen“, zum Beispiel unter dem Arm. Soweit ist es bei Theresa May noch nicht, obwohl sie starker Kritik ausgesetzt ist und auf einem schmalen Grat wandert. In der Tat sind Portishead, May und Gibbons very British.

Portishead ist eine englische Küstenstadt

Portishead heißt eine kleine Stadt mit gut 17.000 Einwohnern an der Mündung des Severn. Zuweilen hieß sie auch „Portshead“, von „port at the head of the river“, frei übersetzt ‚Hafen an der Flußmündung‘. Bis heute gibt es einen kleinen Fischereihafen in der stark wachsenden Stadt. Bei gutem Wetter kann man auf der anderen Seite des Wassers Wales sehen. Das „Severn Estuary“ – ein Zusammenfluss des Severn mit dem Avon, dem Wye und anderen Flüssen – und der meerwärts folgende Bristolkanal bilden hier die Grenze zwischen Wales und England. An den Außenumrissen Großbritanniens sind Portishead und das benachbarte Bristol sehr einfach zu lokalisieren, ist doch selbst auf kleinen Landkarten der Bristol Channel der erste große Einschnitt an der Westküste, wenn man von Süden aus sucht. Links unten nach oben mit dem Finger die Küste entlangfahrend, bis man nicht mehr weiter kann, dort liegen Bristol und Portishead.

Tee servieren und Musik aufnehmen – so wird man bekannt

Portishead wäre wohl nie so bekannt geworden, wenn nicht Geoff Barrow, der in einem Aufnahmestudio in Bristol arbeitete – er servierte dort den Tee – nicht immer „der Typ aus Portishead“ genannt wurde. Zum Beispiel bei den Aufnahmen zum ersten Album von „Massive Attack“. So kam Barrow auf die Idee, den Namen der Stadt zu einem Bandnamen zu machen. 1991 traf Barrow Beth Gibbons, die sporadisch in Bars sang. Mit ihr und dem Jazzgitarristen Adrian Utley nahmen sie das erste Stück auf: „Sour Times“ (schlechte Zeiten, saure Zeiten). „Portishead“ war geboren – und ein Stück mit „S“, das inhaltlich an den Stabreim der „Symphony of Sorrowful Songs“ erinnert. Die Symphonie der Klagelieder oder Lieder voller Sorge und Leid. Beth Gibbons ist die Gesangsstimme der Symphonie. Komponiert hat sie der 2010 verstorbene Henryk Górecki. SEIT DEM 29. MÄRZ 2019 gibt es ein „Album“, also eine CD. Dazu eine Deluxe-Edition.

Dabei wird es visuell: Die Deluxe-Version enthält die DVD mit dem Konzertfilm.

Es handelt sich um einen 50-minütigen Konzertmitschnitt, keinen Spiel- oder Dokumentarfilm. Unten nochmal die Einzelheiten. Das (Rundfunk-) Konzert fand vor fünf Jahren statt. Durch die DVD und europaweite Vorführungen beginnend am 26. März in Paris werden das Konzert und die Sinfonie in Erinnerung gerufen. Beth Gibbons legt sich mächtig ins Zeug. Dreimal erscheint sie sogar persönlich zu den Filmvorführungen; in Paris am 26., in London am 28. und in Berlin am 31.3. (ausverkauft!!) An elf weiteren Orten, darunter New York, Sydney und neun europäische Städte, die meist im Vereinigten Königreich einschließlich Nordirlands liegen, wird der Konzertfilm gezeigt.

Zusammenfassung: 29.März 2019: Die Briten kommen raus – oder auch nicht. 29. März 2019: Ein Album kommt bei Domino Records raus, mit dem die Britin Beth Gibbons groß rauskommt.

Was für den einen ein Anfang, ist für den anderen das Ende. Wobei manchmal das Ende nicht gültig ist und somit nicht endgültig.

Henryk Górecki: Symphonie Nr. 3 (Symphony No. 3) – Symphonie der Klagelieder (Symphony of Sorrowful Songs). Opus 36. Aufgeführt vom polnischen nationalen Radio-Symphonie-Orchester unter der Leitung von Krzysztof Penderecki, Gesang Beth Gibbons. Die Platte erscheint am 29. März 2019 (Album Release). Deluxe-Edition mit Konzertmitschnitt-DVD.

Dokumentation des Plakats, das die Abbildung zum Artikel darstellt

Wir lesen unten auf dem Plakat:

„When once the earth becomes a common treasury again …“ zu deutsch:

„Wenn einst die Erde wieder ein gemeinsamer Schatz wird, wie es sein muss … dann wird diese Feindschaft in allen Ländern aufhören“.

Es ist ein Zitat von Gerrard Winstanley, der 1609 in Wigan in Lancashire geboren wurde und im Herbst 1676 in London starb. Auf dem Plakat steht, das Zitat sei aus dem Jahr 1649. Das liegt zu Beginn des 10jährigen Protektorats Oliver Cromwells.

Winstanley gehörte zu den Diggers, eine Art archaische Urban Gardeners mit Robin-Hood-Tendenzen. Sie übertreffen die gleichmachenden „Levellers“ als „True Levellers“, wahre Gleichmacher, indem sie Brachland und Allmende besetzen und Nutzpflanzen anbauen. Die Feldfrüchte verschenken sie.

Das ruft Landbesitzer auf den Plan, die Verluste fürchten. Sie versuchen, die Landbesetzer zu vertreiben (in Buckinghamshire, dem angrenzenden Northamptonshire und Kent in Südostengland). Als sich auf diesem Weg die Herstellung der alten Verhältnisse nicht erreichen ließ, gingen sie in London vor Gericht. 1650 entscheidet Richter Halifax, Ernte und Werkzeuge der Diggers (Gräber im Sinne von Grabenden) müssten zerstört werden, was auch geschieht. Damit ist das kleine „sozialisierende“, altruistisch-sozialistische Experiment gescheitert, im Keim erstickt. Vielleicht war der Fehler, die Ernte zu verschenken. Das langfristig entstehende Unheil davon, keinen Preis zu verlangen, schildert Ayn Rand eindrücklich in „Atlas wirft die Welt ab“(dt. 1958) („Atlas shrugged“, 1957), Neuübersetzung „Wer ist John Galt?“ Alles geht letztlich den Bach hinunter. Es muss etwas kosten, auch wenn es nur wenig ist.

Was ist jetzt eigentlich mit dem 29. März? Bleiben wir zusammen? Sind sie raus? Sind sie drin? Und warum eigentlich am 29.?

Da Theresa May in ihrer Funktion als Premierministerin am 29. März 2017 rechtlich verbindlich den Austritt aus der EU nach Artikel 50 mitgeteilt und erklärt hatte … „wäre der Austrittstermin am Ende der vertraglich vorgesehenen zweijährigen Verhandlungsperiode auf den 29. März 2019 gefallen.“ (Wikipedia).

„Allerdings einigten sich der Europäische Rat und die britische Regierung am 21. März 2019 auf eine Verschiebung des Termins auf frühestens den 12. April 2019.“

„Im Fall einer Einigung auf das derzeit vorliegende Austrittsabkommen, welche nach dreimaliger Ablehnung des Austrittsabkommens durch das Parlament des Vereinigten Königreichs unwahrscheinlich ist, soll das Vereinigte Königreich hingegen erst am 22. Mai 2019 austreten. Darin vorgesehen ist eine Übergangsphase bis voraussichtlich 2021, in der das Vereinigte Königreich zunächst wie bisher alle EU-Regeln einhält und weiter Beiträge zahlt, aber in EU-Gremien keine Mitsprache mehr hätte.

Die anschließenden, langfristigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU sind noch Gegenstand von Verhandlungen“, so die Enzyklopädie weiter.

Das Ende mit Schrecken wird nun auch noch zu einem Schrecken fast ohne Ende.

siehe auch:

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