Eine Ratte weniger – Zum Drama „Der menschliche Faktor“ von Ronny Trocker

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Ratte in Rückenlage. Quelle: Pixabay, Foto: Shutterbug75, BU: Stefan Pribnow

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine Runde „menschlicher Faktor“ im Film „Der menschliche Faktor“ von Ronny Trocker, der Ende Januar 2021 beim Sundance Film Festival seine Premiere feierte ab 30. Juni 2022 in Kinos der zerkleinerten Kleindeutschen Lösung, die nicht erst seit Jahren umvolkt wird, sondern seit Jahrzehnten, gezeigt werden solle.

Gezeigt wird eingangs, wie eine kleinbürgerliche Vorzeigefamilie mit Ratte für ein Wochenende ihr Ferienhaus an der belgischen Küste bezieht. Tür auf, Jalousien hoch, Fenster auf. Licht rein lassen und frische Luft. Taschen und Türen reinbringen. Papa geht noch einmal Pasta kaufen in einem Supermarkt in einer Hochhaussiedlung am Meer.

Als er telefonierend zurückkehrt ist die Lage eine andere. Einbrecher waren wohl im Haus. Die Kinder sind verstört, die Frau blutet ein wenig an der Nase. „Zorro“, die Ratte des acht Jahre jungen Sohnes Max, ist weg. Die Polizei kommt. Sprachen die Männer Französisch oder Flämisch? Mann und Frau, also Vater und Mutter, leiten eine Werbeagentur in der BRD, von der es heiße, sie würde auch Werbung für eine große Partei machen. Die Einbrecher bekommt der Zuschauer nicht zu sehen, aber das eine oder andere der Werbenutten und Trendhuren sowie deren Sicht auf die Ereignisse im Ferienhaus, also die Erinnerungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Nach einer halben Stunde wird die Situation im Ferienhaus aus der Sicht von Max präsentiert. Der sieht die Einbrecher auch nicht, sucht aber Zorro mit einem Spielzeughubschrauber mit Kamera, findet das Tier und begräbt es in den Dünen. Nach Max ist Nina dran und die Spannungen nehmen zu, denn beide müssen Max suchen, der bekanntlich auf der Beerdigung von Zorro ist.

Und dann ist auch Emma da und dran und so weiter und so fort. War es am Ende nur der Wind? Gut, daß aus Sicht der Ratte aufgeklärt wird, daß es drei Einbrecher in dieser Nacherzählung gab. Stellt sich nur noch die Frage, wer Zorro ermordete.

Doch auch das wird gezeigt. Darauf kommt es Ronny Trocker anscheinend an, eine Situation aus Sicht aller handelnden Personen zu zeigen, selbst wenn die scheinbar nichts tun. Dabei steht und fällt die Kamera mit der Körpergröße. Kann man machen, kann man gucken, aber dann ist’s auch gut damit.

Filmographische Angaben

  • Titel: Der menschliche Faktor
  • Staat: Deutschland, Italien, Dänemark
  • Jahr: 2021
  • Sprachen: Französisch, Flämisch, Deutsch
  • Regie: Ronny Trocker
  • Drehbuch: Ronny Trocker
  • Kamera: Klemens Hufnagl
  • Schnitt: Julia Drack
  • Musik: Anders Dixen
  • Darsteller: Mark Waschke (Jan), Sabine Timoteo (Nina), Wanja Kube (Max), Jule Hermann (Emma), Spencer Bogaert (Lucas), Daniel Séjourné (Flo), Marthe Schneider (Amélie), Hassan Akkouch (Hendrik), Karen Margrethe Gotfredsen (Laura), Isaak Dentler (Karsten)
  • Produktion: Paul Zischler
  • Länge: 103 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 12

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