Zum Musikfest Berlin 2018: Donald Runnicles dirigiert Bernd Alois Zimmermann und Richard Wagner

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Donald Runnicles
Donald Runnicles dirigiert. © Bettina Stöß

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In einem Sonderkonzert im Rahmen des Musikfests der Berliner Festspiele zog Donald Runnicles, der Dirigent des Orchesters der Deutschen Oper Berlin, in der Philharmonie Berlin wieder alle Register seines Könnens. Von Bernd Alois Zimmermann (1919-1970), einem Komponisten der damaligen, avantgardistischen „Neuen Musik“, dirigierte er „Photoptosis“, Prélude für großes Orchester und „Stille und Umkehr“.

Die neue Musik auch als Zeitgenössische Musik, französische Musique nouveau tituliert, fasst ein Genre zusammen, welches äußerst vielfältig ist und sich Strömungen vor und nach dem 2. Weltkrieg gliedert.

Zimmermanns Werk bringt alles zum Vibieren – die große Orgel in der Philharmonie – sie klang, als ob gleich ein Mississippi-Dampfer ablegt – sie „feuerte“ ohrenbetäubend ihre Klaviatur „aus allen Rohren“. Anmutungen von atonaler Musik oder Zwölfton-Musik kamen auf, ein Sägeblatt wurde zum Singen gebracht, die großen Pauken mit den bloßen Händen wie bei Trommelpercussions „gestreichelt“, Glockenspiel, Harfe, ein Heer von Geigen, Violinen, – eben das gesamte große Orchester vermittelte dank der kundigen Führung durch Runnicles ein einmaliges Hörerlebnis. Auch der visuelle Genuss war groß – von den Seitenrängen konnte direkt dem Orchester en detail zugeschaut werden – von welchem der vielzähligen Instrumente die – vereinzelt kakophonisch – anmutenden Klänge kamen. Das große Chaos dann geführt von Runnicles zu besinnlicher Stille. Einmalig bravourös!

Nach der Pause wurde dann Richard Wagners Siegfried, 3. Aufzug zum Besten gegeben! Ein besonderer Hochgenuss, diese unglaublich romantische Musik des Komponisten mit so einem umstrittenen menschlichen Ruf. Jedes Wort seiner Wortschöpfungen der Minnegesänge sind wie in Stein gemeißelt – so geschraubt wirkt das Mittel- und Althochdeutsch anmutende Liebeswehen. Gut, dass der Text auf Textbändern zu lesen ist – es wäre einem etwas entgangen, wenn man sich nur auf die bezaubernde Musik und die Sänger*innen konzentriert hätte – kein Hollywood-Blockbuster-Liebesfilm kann es mit diesen Kompositionen aufnehmen – aber ähnlich schwülstig, herzerweichend bewegend.

Die Besetzung der Sänger*innen-Rollen war hochkarätig. Siegfried: Simon O’Neill, Der Wanderer: Michael Volle, Erda: Judit Kutasi, Brünnhilde: Allison Oakes – eine/r sang besser und ergreifender als der/die andere, begleitet vom phänomenalen Orchester der Deutschen Oper Berlin unter der Regie ihres Zaubermeisters Donald Runnicles.

Großer Schlussapplaus goutierte das herausragende Konzerterlebnis.

Nebenbei bemerkt wurde dieses Konzert beim Musikfest Berlin vom RBB für den Hörfunk aufgezeichnet. Als Sendetermin auf RBB-Kulturradio ist derzeit der 29. September 2018 vorgesehen.

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