Jetzt zum Teil Eintritt frei! 32. Fantasy Film Fest geht neue Wege, Gespräch mit Filmemachern der DFFB

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Eine Schauspielerin auf dem 30. Fantasy-Film-Fest am 27.8.2016
Immer wieder sind auch hochkarätige Gäste auf dem Fantasy-Filmfest, wie diese Schauspielerin. Am 27. August 2016 im Cinestar SonyCenter. © 2016, Foto/BU : Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Fantasy Film Fest ist eine Erfolgsgeschichte. Vor vielen Jahren hielt mich noch der Name von einem Besuch ab, ließ ich mich doch irreführen von einer angenommenen Parallele in der Literatur, wo es neben der Science-Fiction das verwandte Fantasy gibt. Dann ließ ich mich davon erschrecken, dass Freunde das Filmfest besuchten, die Horrorfilme lieben. Schreckensfilme sind der Horror. Schließlich lernte ich, dass das Filmfest sich schwerlich umbenennen könnte und viele sehr gute Filme zeigte, die ins Kino kamen. Allerdings viel später. Den größten Hype und den Zenit der Filmfestivalgeschichte habe ich damit wohl verpasst. Heute schauen sich Nichtcineasten Filmchen auf dem Handy an. Briefmarken als Poster zu drucken, mag seinen Reiz haben. Filme für die große Leinwand auf fitzeligen Minibildschirmen zu, nein, nicht zu schauen, zu schauen wäre eine schaurige Übertreibung, zu erblinzeln ist eindeutig eine Perlen-vor-die Säue-Frage.

Neu auf dem Fantasy Film Fest: Filmgespräch

Doch außer der großen Leinwand gibt es noch viele wichtige Vorzüge, die man nur im Kino erleben und genießen kann. Die Festivalatmosphäre, Schauspieler und Regisseure vor Ort. Filmfans, Cineasten und Autogrammjäger. Menschen, mit denen man sprechen kann. Und nun auch noch etwas, das unbedingt auf ein Filmfestival passt und gehört, für das Fantasy Film Fest aber in der Form eine Novität darstellt.

Auf Seite 8 des diesjährigen Programmheftes – auch dieses großformatige, vielseitige, vierfarbige Heft mit zurzeit 52 Seiten ist ein Pfund, mit dem das Fantasy Film Fest wuchern kann – steht es ausführlich. Unter einer Überschrift, die das englische Verb für ‚gehen‘ – to go – in der 3. Person Singular dekliniert, die wir aber schlecht ins Deutsche übersetzen können, heißt es: „Über die Zeit hat das Fantasy Film Fest immer wieder Kurzfilme und Abschlussfilme Studierender gezeigt.“ Das finden wir toll. Kurzfilme sparen Zeit und Filmstudenten, die ihren Abschluss machen, kann man auch mal unterstützen. Weiter im Text: „Dieses Jahr möchte sich das Festival als Diskussionsforum zum Stand des deutschen Genrefilms anbieten.“ (Wow, das ist doch einer dieser Boni eines Filmfestes, von denen ich die ganze Zeit rede!)

„Was sind die Visionen und Zukunftspläne junger Filmemacher?“ „Unter welchen Bedingungen werden ihre Filme produziert und WIE MACHT SICH DER DEUTSCHE GENREFILM AUF DEM INTERNATIONALEN MARKT?“

Neu auf dem Fantasy Film Fest: Eintritt frei

„Festivalbesucher und Filminteressierte, Freunde und Bekannte – alle sind herzlich eingeladen, sich bei freiem Eintritt ein Bild zu machen anhand einer spannenden Filmauswahl und einem anschließenden Gespräch mit den Machern, moderiert von Anna de Paoli, Produzentin und leitende Dozentin an der DFFB“.

Liste der Gratisfilme

Gezeigt werden vier Filme:
„THE BOY WHO WOULDN‘T KILL“ von Linus de Paoli. Drehbuch: Linus de Paoli, Anna de Paoli. „Der Junge, der nicht töten wollte“ klingt nach einem Film über einen Kriegsdienstverweigerer. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der in einer postapokalyptischen Welt „nach Freiheit sucht.“ Die Ideale des Vaters stehen im Weg.

„BULIMIA PURPURA“ von Alexander Palucki. Mit einem Drehbuch von Alexander Palucki und Julia Schimberg.

„PILZ“ von Lukas Feigelfeld. Drehbuch: Lukas Feigelfeld und Janosch Kosack. Darsteller: Anna Eger, Janosch Becker
Die Welt ins in dicken, unheimlichen Nebel gehüllt. Eine Mutter und ihr junger Sohn suchen in einem Landhaus Schutz vor der Katastrophe.

„SALEM“ von Josefine Scheffler (Drehbuch und Regie). Mara nimmt ihre Mutter bei sich auf, nachdem diese aus der Psychiatrie entlassen wird.

Eine Veranstaltung im Cinestar am Potsdamer Platz im Sony-Center. Ablauf: Filmvorführungen, Gespräch, Empfang.

Fazit

Das Fantasy Film Fest hat gezeigt, dass es auch in schwierigem Fahrwasser wandelbar und beständig ist. Innovation ist bestimmt der richtige Weg zum Überleben. Was Deutschland im Großen versucht, in der Welt zu bestehen, tut das Festival im Kleinen.

Ein Win-win-Situation: Niemand hätte sonst zum jetzigen Zeitpunkt diese Filme gesehen. Und wer weiß – aus vielen Kurzfilmen ist später ein Langfilm entstanden. Talent Scouts suchen unter den jungen Leuten – und da entstehen eben meist nur Kurzfilme. Dafür ist trotz Digitalisierung und demokratischerer Kameratechnik ein langer Film einfach zu teuer.

Gerade diese Digitalisierung, die die Kinos leerer werden lässt und Filmfestivals sterben (wie das spanische und das Pan-Asia), bietet auch Chancen. Im Herbst 2018 sehen wir ein lebendiges Fantasy Film Fest mit vollen Sälen. „Kino – dafür werden Filme gemacht.“ Wie wahr.

Das Festival findet zuerst in der Bundeshauptstadt statt. Nach Berlin läuft es auch in München, Hamburg und Köln, Frankfurt, Nürnberg und Stuttgart. Dort bis zum 30. September.

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