Das Fritz-Rémond-Theater Frankfurt feiert den „Siebzigsten“ mit einer fulminanten Kriminalkomödie

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© 2016 Foto Helmut Seuffert

Frankfurt am Main, Deuschland (Kulturexpresso). Das Jahr 1946 war in vieler Hinsicht ein Jahr des Neuanfangs: Bundesländer wie Hessen begehen den siebzigsten Jahrestag ihrer Gründung mit opulenten Festakten, die Fernsehsender greifen anlassgemäß in ihre Archive und präsentieren Erinnerungen. Vergleichsweise bescheiden präsentiert sich aus dem gleichen Anlass eine Frankfurter kulturelle Institution, die es verdient hätte, weitaus stärker im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit zu stehen: Das Fritz-Rémond-Theater im Frankfurter Zoo-Gesellschaftshaus.

© 2016 Foto Helmut Seuffert
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Der Schauspieler und Regisseur Fritz Rémond (1902–1976) gründete damals in Kooperation mit dem Zoodirektor Bernhard Grzimek im Zoogesellschaftshaus das „Kleine Theater im Zoo“. Vor dem Hintergrund der Nazi-Diktatur und deren kultureller Barbarei unternahm es das Theater, die Werke ehemals verfolgter wie auch zeitgenössischer Autorinnen und Autoren auf die Bühne zu bringen. Werke von Zuckmayer, Schnitzler, Anouilh oder Shaw kamen ebenso auf die Bühne wie Ibsen oder Strindberg. Die Bedingungen waren anfangs für Besucher wie Schauspieler eine Herausforderung: Kälte, undichtes Dach, unbequeme Stühle. Aber dies konnte den Erfolg nicht aufhalten.

Das Rémond´sche Theater wurde ein Fels nicht nur in der Frankfurter Theaterlandschaft. Berühmte Namen zierten die Plakate und Theaterzettel, von Grete Weiser über Theo Lingen, Curd Jürgens, Martin Held, und Inge Meysel. Andere, wie H.J. Kuhlenkampf begannen ihre Karriere sogar an dieser Stelle.

Nach Rémonds Tod 1976 übernahmen zuerst Vater dann Sohn Baumgarten die Führung des Theaters für fast 20 Jahre, ehe sie große finanzielle Probleme zur Aufgabe zwangen. Die Rettung kam in Person von Claus Helmer, der seit langem die Frankfurter „Kommödie“ als Privattheater führte. Er richtete den Spielplan des Rémondtheaters in Ergäzung zur Kommödie auch auf das Segment klassischer, hochqualitativer Kommödien aus, von Feydeau bis Noël Coward, aber auch Ernsteres wie Priestleys „Ein Inspektor kommt“ steht auf dem Spielplan.

© 2016 Foto Helmut Seuffert
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Zum Jubiläum gibt es daher auch mit „Chaos auf Schloss Haversham – The Play That Goes Wrong”, einer Komödie von Henry Lewis, Jonathan Sayer & Henry Shields einen Theaterabend mit Witz, Tempo und ungestörtem Vergnügen. Ein Londoner West End Hit, 2015 ausgezeichnet mit dem Olivier Award als „Best New Comedy“ sowie 2016 mit dem Prix Molière als „Beste Komödie“. Die Geschichte einer ambitionierte Laientheatergruppe um den noch ambitionierteren Theaterleiter Chris, dessen Inszenierung eines typisch britischen Krimis dank kleinerer Pannen und größerem Chaos vollkommen aus dem Ruder läuft, ist seit mittlerweile zwei Jahren der Publikumsmagnet in London, Paris und anderen europäischen Metropolen.

Wie immer leben solche Aufführungen vom schnellen Wechsel und vom exakten Timing – keine Tür darf zu früh oder zu spät aufgehen, es sei denn, dies ist gewollt. Hier geht alles so daneben, wie es nur irgend geht und noch etwas darüber hinaus. Nach einem etwas spröden Eröffnungsmonolog (zu oft der gleiche Witz), dessen Ironie sich aber durch die nachfolgende Inszenierung erschließt, entfaltet sich ein Stück wie ein Comic aus den besten Zeiten des „MAD-Magazins“, ergänzt durch gekonnte Valentinaden, einem Hauch von Mister Bean und Monty Phyton. Ein Vergnügen, dem sich das Premierenpublikum gerne hingab.

Die Regie führt der Prinzipal Claus Helmer selbst, zur Mannschaft gehören Ines Arndt, Arzu Ermen, Jens Knospe, Stefan Schneider, Gabriel Spagna, Wolff von Lindenau, Dirk Waanders und Steffen Wilhelm. Bühne: Steven Koop, Kostüme: Ulla Röhrs.

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Weitere Vorstellungen durchgehend bis zum 22. Januar 2017 (von Dienstag bis Samstag, ab 20 Uhr, sonntags ab 18 Uhr, montags spielfrei, Vorstellungen auch an den Weihnachtsfeiertagen).

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