La Bayadère – ein opulenter Ballettabend um eine indische Tempeltänzerin

0
235
Staatsballett Berlin "La Bayadere" von Alexei Ratmansky. © Fine Art photography by Yan Revazov, Advertising photographer

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Stehende Ovationen nach vorher schon viel Zwischenapplaus gab es im vollen Haus für diese prachtvolle Readaption des sensationellen Ballettklassikers Marius Petipas durch den Choreografen Alexei Ratmanski.

1877 in St. Petersburg uraufgeführt war der Vierteiler um die unglückliche Liebesgeschichte einer indischen Tempeltänzerin mit einem reichen und berühmten Krieger schon damals eine Sensation mit seinen prachtvollen Kostümen und Bühnenbildern.

Ratmanski hat in akribischer Feinarbeit alte Manuskripte Petipa’s erarbeitet und ein Werk dargeboten, welches der Uraufführung sicher in nichts nachsteht:

Bei jedem Szenenwechsel unendlich prachtvolle Bühnenbilder, die u.a. die Tempelanlage von außen darstellen, den Palast des Radscha von Golconda, Dugmanta, das Schlafzimmer des reichen Kriegers, den Palast des Radscha von außen, alles umgeben von prachtvollen Seiden- und Brokatvorhängen und exotischen Pflanzen, Pfauenthron mit Himalaya-Gebirge im Hintergrund – Szenenwechsel um Szenenwechsel ein bewunderndes Staunen ohne Ende!

Auch die Kostüme des Staatsballetts sind von unglaublicher Pracht und Vielfalt: Brokat, indische Sari’s, Pluderhosen, Tütüs in weiß und anderen Farben, Schleierkostüme und viele andere mehr! Elefant (auf Rollen) und erlegter Tiger werden dem Radscha in einer prachtvollen Parade präsentiert.

Die pantomimischen, dramatischen Gesten, die die Hauptakteure zwischendurch als Kommunikationsmittel untereinander wählen, erinnern an Kintopp und Stummfilme – hier zeigt sich gekonnt der Bezug zu 1877, der Uraufführung.

Zurück zum Plot: Die Tempeltänzerin Nikia (Elisa Carillo Cabrera), zum ewigen Tempelleben verpflichtet, verliebt sich in den berühmten Krieger Solar (Alejandro Virelles). Der Großbrahmane (Vahe Martirosyan) bekommt dieses mit und ist „not amused“: die beiden sind ein für einander bestimmtes Liebespaar! Leider ist für den Krieger die Hochzeit mit der Tochter des Großmoguls, Gamsatti (Aurora Dickie) schon in Vorbereitungen. Die Bayadère muss bei der opulenten Verlobungsfeier nach der Darbietung vom Staatsballett, Kinderballett und Mädchenballett in unendlich vielen wunderschönen Kostümen ebenfalls vortanzen! Sie macht aus ihrer Liebe zum ebenfalls bei der Präsentation neben dem Großmogul und seiner Tochter sitzenden Krieger keinerlei Hehl. Auch er kann seine Liebe nicht verbergen! Die Bayadère bekommt als Geschenk einen Obstkorb gereicht, worin sich auch eine Giftschlange befindet. Sie stirbt.

Nun erfolgt in der Inzenierung ein Kontrapunkt zu den opulenten Prachtbildern im Vorfeld: das Reich der Toten wird mit als Dämmerdunkel mit schwarzem Bühnenbild, Nebel und Wolken dargestellt. Ein bezauberndes Pas de Deux mit Nikia und dem Krieger, der im Traum in das Reich der Toten geglitten ist. Das Corps de Ballet tanzt grazil als Meer von weißen Tütü-Kleidern Spitzentanz vom Feinstern – unter ihnen Nikia als Solistin: ein Hochgenuß! Weitere Solistinnen tanzen nacheinander und dann miteinander. Nikia (Elisa Carillo Cabrera) tanzt noch ein Solo – die langen Beine fliegen schwerelos durch die Luft während sie behend den Raum durch“tänzelt“. Im letzten Tableau im Palast des Großmoguls soll die Hochzeit des Kriegers und der Großmogul-Tochter stattfinden – durch den Großbrahmanen. Genau in dem Moment der Vermählung „stürzt der Himmel ein“ – alle Gebäude fallen in sich zusammen – überall liegen Tote. Nur die Geister der beiden Liebenden haben sich nun endlich für immer gefunden, was im Schlussbild zelebriert wird.

Die Staatskappele Berlin spielt unter der Leitung von Victorien Vanoosten bezaubernd die romantische Musik Ludwig Minkus – die die romantisch opulente Wirkung noch verstärkt.

Das Ballett ist ein Klassiker und die faszinierende Inszenierung durch Ratsmanski eine Sensation.

Weitere Aufführungen: Freitag, 06.03.2020, Sonntag, 08.03.2020, Freitag, 13.03.2020, Sonntag, 15.03.2020, Freitag, 20.03.2020.

Anzeige