Mehr als die Senatrix Roms oder „Als das Papsttum von Frauen dominiert wurde“ – Rezension zum Buch „Die Papstmacherin“ von Klaus Altmayer

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Klaus Altmayer, Die Papstmacherin.
Klaus Altmayer, Die Papstmacherin. © marixverlag in der Verlagshaus Römerweg GmbH

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dr. phil. Klaus Altmayer, der in München und Augsburg Alte Geschichte, Mittelalterliche Geschichte, Klassische Archäologie sowie Spätantike und Byzantinische Kunstgeschichte studierte und heute als freier Historiker und Autor tätig ist, legt nach „Die Herrschaft des Carus, Carinus und Numerianus als Vorläufer der Tetrarchie“ und „Elagabal – Roms Priesterkaiser und seine Zeit“ das Buch „Die Papstmacherin“ vor, in dem es auf 276 Seiten um „Starke Frauen des frühen Mittelalters“ geht.

Für dieses im Oktober 2017 erschienene Buch propagiert der Marix Verlag im Verlagshaus Römerweg per Waschzettel wie folgt: „Die Zeit der Renaissancepäpste, in der die Borgias über den Vatikan herrschten, gilt gemeinhin als der Höhepunkt kirchlichen Sittenverfalls. Doch glaubt man den Quellen, dann wird sie von den Zuständen im Rom des frühen Mittelalters weit in den Schatten gestellt, als die Päpste von angeblichen Kurtisanen ernannt oder abgesetzt wurden. Man bezeichnet diese Ära deshalb als saeculum obscurum oder »römisches Hurenregiment«. Daneben hat sich auch der Terminus »Pornokratie« eingebürgert. Eine dieser Frauen, die damals über den Stuhl Petri geboten, war die Fürstin Marozia. Bemerkenswerte Frauen spielten im frühen Mittelalter – einer scheinbar von Männern geprägten Epoche – oftmals eine herausragende Rolle. Im vorliegenden Buch wird erstmals spannend und ausführlich über das Leben der »Papstmacherin« im Kontext weiterer Herrscherinnen jener Zeit berichtet. Gerade in unserer Gegenwart, in der heftig über die Ordination und Gleichstellung von Frauen in der katholischen Kirche diskutiert wird, ist es erstaunlich, dass es einmal eine Zeit gab, in der das Papsttum von Frauen dominiert wurde.“

Um es vorweg zu nehmen: Altmayer kommt auf acht Frauen und gliedert mit ihren Namen den Inhalt: Ageltrude, Teodora, Marozia, Amalasuntha, Irene, Judith, Theophanu und Johanna.

In der Spurensuche genannten Einleitung beginnt Altmayer mit flotter Feder schreibend bei der Fürstin Marozia, die „kurz vor ihrer Krönung zur Kaiserin über die westliche Christenheit … entmachtet“ worden sei und deren „Spuren“ sich „im Dunkeln eines römischen Verlieses, wo sie wahrscheinlich im Jahr 936 starb“, verlieren würde. Altmayers Spurensuche gleicht einem Stadtspaziergang durch das heutige und zugleich Marozias Rom, über das er notiert, dass es „einen eigentümlichen und doch auch faszinierenden Anblick geboten haben“ müsse. „Es war eine zweifellso pittoreske und zuweilen bizarre Mischung von vergangenem Glanz, von großartigen mit Pflanzen überwucherten Ruinen und bescheidenen Hütten, Wohnhäusern, Kirchen, Klöstern, Adelssitzen sowie von landwirtschaftlichen Nutzflächen und Ödland. Auf dem Forum Romanum, dem glanzvollen Mittelpunkt des ehemaligen römischen Weltreichs, weidete das Vieh.“ (S. 25)

„Forscht man nach den Ursachen und den historischen Entwicklungsprozessen, die es im frühen Mittelalter einer Frau ermöglichten, das Papsttum zu dominieren, wie und warum der Bischof von Rom den Primat über die westliche Christienheit erlangen konnte, nur um dann kurze Zeit später auf dem Zenit seines Triumphs über das karolingische Kaisertum so tief zu fallen und zur Marionette einer ehrgeizigen Adeligen zu werden, so entdeckt man – bemerkenswert und werwunderlich genug in dieser von Gewalttätigkeit, Brutalität, Mord und Krieg gezeichneten Epoche – eine Reihe weiterer bedeutender Herrscherinnen und fRauen, die aus dem vermeintlichen Dunkeln jener Zeit hervortreten“, fährt der Autor fort. (S. 25f.)

Dabei erwähnt Altmayer die anderen Frauen, zu der „zweifellos auch so manche Gutsherrin, Bäuerin, Bürgersfrau, Magd oder Leibeigene“ zählte, nur einmal, denn „ihre Einzelschicksale“ seien „kaum greifbar“. (S. 28) Er bleibt bei den Frauen, deren „Lebensgeschichte“ sich mit der „Marozias und dem päpstlichen Rom ihrer Zeit verknüpfen lassen“. (S. 28). Und das ist auch übersichtlicher so. Auch wenn das Werk mehr oder weniger ein Buch über Marozia bleibt, weist es über die bereits geschriebenen Bücher mit Marozia im Mittelpunkt hinaus, von denen manche in den Literaturhinweise (S. 267ff.) genannt werden. Wer mit diesem Buch in die Welt von Reichtum und Religion einsteigen will, der kann weit kommen.

Bibliographische Angaben

Klaus Altmayer, Die Papstmacherin, Starke Frauen des frühen Mittelalters, 276 Seiten, farbige Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Format: 14 x 21 cm, Marix Verlag im Verlagshaus Römerweg, 1. Auflage Oktober 2017, ISBN: 978-3-7374-1067-0, Preis: 24 EUR

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