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Unermessliche Tiefe – ein beglückendes Zusammenspiel von Mixed-Media-Bildern und einem Essay zum Wasser

Weitrausschwimmen. © Kunstanstifter

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dieses schmale Büchlein mit dem Titel „Weitrausschwimmen“ ist ein Bilderbuch für Erwachsene. Der griffige, fast quadratische Pappeinband liegt gut in den Händen. Auf dem Cover gleitet ein winziges weißes Boot über eine Seelandschaft mit Holzmaserung, auf der gekräuselter Salat wächst. So verrückt das klingt: Die Illustratorin Ånsken Eckert bemalt Holzstrukturen mit Aquarellfarben und Pastellkreiden, bevor sie die eingescannten Ergebnisse digital zu Collagen zusammensetzt. Das wirkt ungewohnt, herrlich belebt.

Die Bilder geleiten uns in das Buch, lange, bevor der Text einsetzt – eine rauschende Sinfonie über Wasser: Eine Doppelseite holzgemasertes Schwimmbecken mit Lichtflecken, Leine, Schwimmer und Kacheln. Eine Hochformatseite: Mann unter der Dusche. Die nächste: Mensch mit Hund am Meer. Das ist eines meiner Lieblingsbilder – die darunterliegende Holzstruktur schafft Wellensäume, wie sie schöner nicht vorkommen können in der Natur. Die Farben sind pastellig gedämpft und dunkel. Scharf gezeichnet die Umrisse von Mensch und Hund, schwammige Flecken die Schatten. Nur das Weiß der Wellenkanten leuchtet und gibt dem Bild seine magische Struktur.

Wasserhahn, Geysir, ein zugefrorener See. Da ist man schon verzaubert, eins mit den Bildern und dem Imaginierten. Gletscher über grüner See, ein triefender Schwimmer – und dann der Text. Ein Ich möchte in einem See schwimmen. Weitrausschwimmen.

„Manchmal ist der See unter mir warm und weich, und manchmal wird es an meinen Füßen kühler, beinahe kalt, dann wird mir mit einem Mal diese ganze unermessliche Tiefe unter mir bewusst und mir wird schwindelig.“

Eine Frau im See, sie denkt an Nornen und die Weltenesche, mischt Gedanken zum Wasser mit der Anstrengung, jetzt und hier weiter zu schwimmen als jemals zuvor.

„Ich tauche unter, schwimme unter Wasser weiter nach vorne. In kräftigen Stößen versuche ich, mehr Strecke zu schaffen als über dem Wasser, versuche Kraft aus der Tiefe des Sees zu tanken, von irgendwoher aus der Tiefe, Hauptsache Kraft, dann tauche ich wieder auf und hole Luft.“

Es wird schwierig, wenn nicht gar gefährlich. Auch die Gedanken des erzählenden Ichs reisen weit, zurück zur polarerkundenden Großmutter, voraus zu dem, was das Kind auf der Schaukel sagen würde. Von den Wünschen der Raunächte bis zur Weissagung der Seherin der Edda. Knapp und poetisch formuliert, weit und weiblich gedacht. Der Text von Lucia Jay von Seldeneck passt sich quecksilberflüssig in die Bildfolgen ein, deren zweiter Teil noch einmal Welten umfliegt.

Fantastisch, bezaubernd, süchtig machend!

Bibliographische Angaben:

Weitrausschwimmen, Ånsken Eckert (Illustration), Lucia Jay von Seldeneck (Text), Sprache: Deutsch, Verlag: Kunstanstifter, 48 Seiten, Februar 2026

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