
Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein schwarzer Tag für Deutschland, ein schwarzer Tag für Berlin. „Ein schwarzer Tag für Berlin-Charlottenburg“, dieser Satz hätte die Tragweite des Ganzen nicht wiedergegeben. Denn was da ans Nacht- und Tageslicht gekommen ist, ist nicht nur ein wiederholter Fehler. Er lässt tief blicken. Natürlich sind die Cum-Ex-Skandale und die Cum-cum-Ex-Skandale weitaus schlimmer, nicht nur, weil der Schaden für den Steuerzahler in viele zig Millionen und Abermillionen geht. Sondern auch, weil weder die Aufarbeitung abgeschlossen noch die Schuldigen bestraft noch die kriminelle „Selbstbedienung“ endgültig abgestellt sind! Doch ist auch ein Buchstabe zuviel, wenn er an einem amtlichen Straßenschild hängt, mehr als ein Armutszeugnis. Es ist kein Sparen am falschen Ende, obwohl ein Korrekturleser Schlimmeres hätte verhindern können! Wenn der Bildungsstand schon so tief gesunken ist. Es ist ein Unding: schon wieder ein Fehler auf einem Straßenbenennungsschild. Statt richtig „Leibnizstraße“ – nach Gottfried Wilhelm Leibniz – steht da „Leibnitzstraße„.
Nicht zu fassen! Kostet die Neuaufhängung der richtigen Schilder auch wieder unsere Steuergelder?
Es hätte auch gereicht, wenn die Leute, die das Schild beschriften – oder einer davon – sich einfach mal die alten Schilder angeguckt hätten. Die sind nämlich alle richtig geschrieben. Leibnizstraße. Sogar mit „ß“. So wie es sein soll. Muss. So, wie es sich gehört. Und wie es die Regeln der deutschen Rechtschreibung verlangen. Nach langem Vokal ‚ß‘. Der große Stoß. Gruß. Aber das Gros. Und gross ist ein ekelhafter Anglizismus. Wenn er richtig geschrieben ist. Ist das so schwer?
Als man sich noch an den Duden hielt, war vieles besser
Zugegeben, die Rechtschreibreform von 1996 brachte Verwirrung ins Spiel, zudem später einige blödsinnige Regeln zurückgenommen wurden. Zum Beispiel die Zusammenschreibung betreffend. Aber dass deswegen jetzt allen alles egal ist – das kann es nicht sein. Sprachverfall ist Kulturverfall. Wenn das die Folge der Reform ist, dann war sie ein größeres Unglück an angenommen. Vielen hat sie die Sprache genommen. Andere ist die Spucke weggeblieben.
Ungenauer Wortgebrauch führt zu Verwässerung
Auch mit dem Wort „Genozid“ gibt es Probleme. Weniger mit der Rechtschreibung – vielleicht. Das Wort wird inflationär gebraucht, häufiger als „Völkermord“; das Synonym. Das liegt wohl daran, dass die Wörter „Volk“ und „Völker“ inzwischen von gewissen Kreisen künstlich vermieden werden. Im Wort „Bevölkerung“ taucht der Stamm gelegentlich auf, aber auch seltener. Doch mit dem Inhalt nimmt man es nicht so genau. In Zusammenhang mit Corona taucht „Völkermord“ selten auf, wenn es um Gaza oder den Iran geht, jüngst fast immer. Israel oder Trump eins auszuwischen, dazu sind viele jederzeit bereit. Auch wenn die falschen Wörter benutzt werden. Gern wird übertrieben. Das verwässert aber die Genauigkeit.
Leibnizstraße, nach: Gottfried Wilhelm Leibniz
Gottfried W. Leibniz und Sophie Charlotte, die Tochter des Kurfürsten von Lüneburg Braunschweig, waren im Kontakt. Für sie spielten Theater und Kultur überhaupt eine große Rolle. Große Geister versammelte sie immer wieder um sich. Da Sophie Charlotte, die zweite Frau des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg, 1705 nur 36jährig starb, überlebte Leibniz sowohl Charlotte als auch ihren Mann, seit 1701 König (+1713). Sophie Charlotte war von ihrem Mann zur Königin in Preußen gekrönt worden. Das Herzogtum an der Ostsee mit Tilsit (wie der Frieden; und der Tilsiter) und Memel – Hauptstadt Brandenburg-Preußens zu Zeiten Napoleons – nennen wir heute Ostpreußen.
Leibniz lebte von 1646 an (geboren in Leipzig, reimt sich, leicht zu merken) und war unter anderem Philosoph. Er war der, der ernsthaft vorschlug, die chinesischen Schriftzeichen auch im heiligen römischen Reich deutscher Nation, also hier, einzuführen.
Gottfried Leibniz starb am 14. November 1716 in Hannover, Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg. Dort gibt es inzwischen eine Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft. Seit knapp 20 Jahren trägt sogar die Uni Hannover seinen Namen.
Auch an anderen Orten sind Straßen nach ihm benannt. So die Leibnizstraße am Geburtsort Leipzig und die Leibnizstraße in Magdeburg. In Berlin gibt es mindestens zwei, die andere in Adlershof (Süd-Ost-Berlin) heißt Gottfried-Leibniz-Straße.
Ein Straßenbenennungsschild wird manchmal „Straßenschild“ genannt. Darunter hängt das kleinere Straßenbenennungsnummernschild. Deutsch ist toll – und ganz genau. Der Wortschatz ist ein wahrer Schatz, den wir pflegen sollten.
Leibnitz
ist ein kleiner Ort in Österreich, in der Steiermark, mit weniger als 14.000 Einwohnern. Immerhin die 5tgrößte des Bundeslandes … Da Groß-Berlin mit über 880 Quadratkilometern sehr groß ist, größer als Malta beispielsweise, könnte man natürlich irgendwann eine Straße nach dem Ort benennen.
Aber Verwirrung stiften gildet nicht.
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