
Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Organisatoren und Gäste – nur geladene – hatten Glück. An einem Sonntag im Juni fand die geplante Veranstaltung „Taste the district“ statt. Wörtlich: Probiere den Bezirk. Was natürlich Blödsinn ist. Warum zu häufig zu englischen Begriffen gegriffen wird, ist die eine Frage. Mangelndes Bewusstsein, fehlendes Heimatgefühl und das Verkennen des Wertes der Muttersprache für das eigene (!) Verständnis und damit den eigenen Verstand sind wahrscheinliche Gründe. Wenn viele schon für häufig benutzte Angliszismen keine deutsche Entsprechung mehr finden, dann ist das nicht maßvoll, sondern das Maß voll. Die anmeldeten Eingeladenen wurden freundlichen empfangen. Die Einladung musste elektronisch, also digital vorgezeigt werden. Durch diesen Flaschenhals mussten alle gehen, die teilnehmen wollte. Einige nennen das „praktisch“ oder alternativlos. Ausschluss durch Digitalisierung kann man das auch nennen. Es bedeutete, dass jeder ein elektronisches Gerät dabeihaben musste, Tablet, Handy, Rechner – etwas Digitales jedenfalls. Sonst kein Eintritt, Einladung hin oder her.
Ein anderer Grund könnte sein, dass die Veranstaltung von der City-tax bezahlt wurde. Unter den Touristen sind viele Ausländer. Auch wenn die bis Corona ständig steigenden Besucherzahlen in Groß-Berlin Vergangenheit sind, vielleicht nie wieder erreicht werden und die Stadt jetzt mit weniger zufrieden sein muss – der Anteil derer, die kein deutsch verstehen, ist wohl ähnlich groß geblieben. So wurde am Tisch auch darum gebeten, englisch zu sprechen.
Viele Mitarbeiter wirkten ehrenamtlich mit. Der Bezirksbürgermeister (des Doppelbezirks), der ja sowieso bezahlt wird, begrüßte alle und sagte ein paar Worte, bevor er um Entschuldigung bat, denn zeitgleich fand ein Streitgespräch beim RBB (Rundfunk für Berlin und Brandenburg), dem ehemaligen SFB (Sender Freies Berlin) statt. Vermutlich im Haus des Rundfunks in der Masurenallee gegenüber des Messegeländes mit dem dieses Jahr einhundertjährigen Funkturm. Dem von immer weniger so genannten „Langen Lulatsch“.
Naja, ein Esser weniger, mehr fürs Volk 😉
Essen ohne Bürgermeister
Man nahm dem Bezirksbürgermeister, nicht dem Regierenden also, ab, dass er lieber mit dem Volk am Tisch gesessen und gegessen hätte, statt ins Studio zu fahren. Zum einen handelte es sich um einen schönen, warmen Abend, an dem man sich gerne draußen aufhalten möchte. Davon gibt es ja in Berlin sowieso zu wenige. Und dann erst ins Auto (oder die Bahn) und dann ins fensterlose Studio. Und überhaupt. Wer geht schon gern zu einem Streitgespräch? Selbst wenn es nur so heißt und alle möglichen Leute vielleicht dem Schöneberg-(Tempelhof)er mit Argumenten auf das Gespräch vorbereiteten.
Die Lebensmittel kamen von Sponsoren aus Schöneberg, die so auf sich aufmerksam machen wollten. Örtliche Anbieter. Darunter viele kleine Unternehmen.
Glück mit dem Wetter – ein schöner Sommerabend nach dem Regen
Das Wetter spielte mit, und nach einem heftigen Gewitter und einem starken Regen, der zunächst nicht so angenehm war, kam die Sonne rechtzeitig heraus und die schwüle Wärme wurde durch eine angenehme Sommerfrische ersetzt. Die Idee der Veranstaltung war folgende: den Bezirk aus kulinarischer Sicht zu präsentieren, mit etwa 100 Menschen an einem Tisch, Einwohnern der Stadt und ihren Gästen, die buchstäblich „Brot brechen“ und miteinander teilen.
Die Idee war fast ein voller Erfolg. Die glücklichen Inhaber eines Tickets für die kostenlose Veranstaltung wurden mit einem Glas Schaumwein von Maison de Champagne begrüßt. Bäckereiprodukte der KEIT- und Johann-Bäckerei-Fabriken hingen von der Decke einer provisorischen Zeltdaches, mussten selbst geschnitten, in Scheiben geschnitten, mit Butter, Hummus von Hummus Studio und Tomaten-Käse-Mischung aus dem Café Le Bretagne bestrichen werden, als Vorspeise mit geräucherter Wurst und Käse von Bert & Boni verzehrt.
Kombucha aus Schöneberg
Die angebotenen Kombucha-Getränke mit dem Aroma von Himbeere, Ingwer oder Gurke sowie Minze von ROY Kombucha mussten ebenfalls für zwei oder drei eingeschenkt und mit den Nachbarn geteilt werden. Schade, dass das Bärbucha-Café nicht unter den Sponsoren war. Das Kombucha-Café mit Kombuchaverkauf mit mehr Sorten als jede andere Berliner Quelle (20) und eigener Fermenterei für Gemüse und Pickles ist ein Pfund, mit dem Schöneberg wuchern kann. Nur in der Eisenacher Straße 73 zwischen Belziger und Wartburgstraße gibt es diese Vielfalt und hohe lebensorientierte Standards. Einzigartig in Berlin und wahrscheinlich weit darüber hinaus.

„Taste the district“: „Teilt Eure Eindrücke“
Als nächstes war es laut Programm notwendig, den Geschmack von rohem Gemüse zu „erforschen“, das mit ein paar Tropfen verschiedener leichter Aromen gewürzt wurde. Und natürlich: „Teilt eure Eindrücke mit anderen!“ Ein interessantes Experiment, aber die Düfte waren offenbar so schwach, dass wir von anderen keine aussagekräftigen Meinungen hörten.
Als zentral gelegenes Stadtviertel der Hauptstadt zwischen City-West und Potsdamer Platz, in dem viele junge Menschen leben, ist Schöneberg reich an Streetfood-Angeboten.

Nahrungs- und Lebensmittel aus Schöneberg – örtlich und regional
Traditionelle Currywürstchen, vegetarisch und weniger vegetarisch, drei Pizzasorten, scharfe Croutons, Arrancho-Bällchen – all das wurde am festlichen Tisch so angeboten, wie es in der Natur ist, mit bloßen Händen, also ohne Messer, Gabeln oder Teller. Angesichts der Tatsache, dass es keine Möglichkeit gab, sich vor dem Essen auf dem Platz die Hände zu waschen, war die Idee mittelmäßig. Eine Flasche Desinfektionsmittel würde hier helfen, aber Handwaschen, und sei es nur mit Wasser, wäre noch besser gewesen. Und angesichts der Covid-Erfahrungen aus den Verbotsjahren und aus hygienischen Gründen wirkte ihr Fehlen insgesamt seltsam. Dies war weder angekündigt noch praktisch. Viele sind mit der Deutschlandfahrkarte, äh „-Ticket“, unterwegs zudem bei den hohen Benzinpreisen seit dem zerstörerischen Anschlag auf die Nordstream und den Ereignissen auf der Straße. Von Hormus. Da hilft es auch nichts, wenn man sich zuhaus die Hände gewaschen hätte.

Die Teller gab’s zum Schluss
In der nächsten Runde hatten die Organisatoren jedoch Mitleid mit dem Publikum und stellten Teller hin, legten eine schöne Tartette von Bonvivan darauf und würzten das französische Werk mit einer Flasche trockenenen Weines. Es muss auch etwas für Feinschmecker geben! Da wir bei der Arbeit nicht trinken, überließen wir das Nass an diesem Tag den anderen, die das goutierten. Doch dann setzte sich wieder Volksessen durch – indische Küche mit Gemüse und Huhn, chinesischen Nudeln, Basmatireis. Und schließlich wurde jedem Gast ein Überraschungsdessert angeboten – Süßigkeiten von Schöneberg Enterprises.
Goodie-bag für viele
Nun, man kann sagen, dass der Tag für diejenigen, die es zu „Taste the district“ schafften, nicht umsonst war. Das Publikum belohnte die Organisatoren und das Personal mit langanhaltendem, donnerndem Applaus und nahm auf Anregung der Organisatoren das restliche, übriggebliebene Brot mit nach Hause.
„Taste the district“ isst auf, nein, ist auf mehrere Veranstaltungen ausgelegt. Das ist auch gut so und rechtfertigt den allgemeinen Titel. Das Mahl auf dem Winterfeldtplatz war ein Pilotprojekt.

Viele Tasten
„Taste Schöneberg“ hätte man das erlebnisbezogene Tafeln mit Kennenlernen sonst ja nennen können, wäre es eine einmalige Sache gewesen. Aber ‚Schöneberg’ hat einen Umlaut, das ‚ö‘, und in der englischen Sprache gibt es solche genausowenig wie ein ‚ß‘ oder den Unterschied zwischen You – Du und You – Sie. Dann lieber gleich alles auf englisch, Ortsnamen eingeschlossen. Man sieht, auf Anglizismen haben wir uns eingeschossen. Nicht umsonst. Aber gratis.
„Taste Asia“ fand am 250. Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten von Amerika statt, dem Independence DAY (Unabhängigkeitstag) am 4. Juli. Während in West-Berlin Kampfflugzeuge zur Feier des Tages die Macht des stärksten Staates der Welt demonstrierten, kostete man weiter östlich Asiatisches. Im August ‘26 soll dann „Taste (of) Africa stattfinden. Tasten gibt es also genug auf der Klaviatur der Geschmäcker. Auch wenn der Bürgermeister sich am selben Abend beruflich streiten musste – über Geschmack lässt sich nicht streiten.
„Taste the district“ – etwas neues mit Potential
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Veranstaltung „Taste the district“ hat großes Potential. Die Idee ist gut und es gibt Möglichkeiten für ihre weitere Umsetzung in anderen Teilen der deutschen Hauptstadt. Viel Glück beim neuen Vorhaben!






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