
Berlin-Schöneberg, Deutschland (Kulturexpresso). Was wäre, wenn? Eine interessante Frage, die Kindern gern gestellt wird. Erwachsene sollen nicht soviel nachdenken, sondern die Eskapaden der Regierungen, die sie wohl gewählt haben (oder auch nicht) mitmachen und gut finden. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Denn Unruhe führt zu Sachbeschädigungen und Regime Change, also dem Wechsel auf den Herrscherplätzen. So geschehen beim Sturm auf die Bastille, der Novemberrevolution, die im Oktober stattfand, und zum Beispiel beim Reichstagsbrand. Merkwürdigerweise sind Kriege bei Herrschern beliebt, obwohl die immer unglaublich viel (Steuer-) Geld kosten und Sachbeschädigungen enormen Ausmaßes verursachen. Von Hunderttausenden menschlichen „Opfern“ – wem wird da eigentlich geopfert, und warum? – ganz zu schweigen. Die 75. Berliner Festspiele stellen diese Frage mehrfach – provokant, politisch und institutionalisiert. Welche Fragen werden gestellt? Wem zum Nutzen? Oder, lateinisch: Cui Bono? Eine Frage, die sich die Bürger und Bürgerinnen gar nicht oft genug stellen können!- Lili Elbe ist Dänin.
Im Rahmen und Auftrag der 75. Berliner Festspiele hat Akira TAKAYAMA für „What if Berlin?“ (Zu deutsch: Was, wenn Berlin …) Archive durchsucht, das der Berliner Festspiele und die anderer Berliner Kulturinstututionen. Er suchte nach nicht verwirklichten Ideen. Auch von Architekten und Architektinnen, von Künstlern und Künstlerinnen. Auf der Website, die einem angezeigt wird, wenn man den Quick-Response-Code (QR, für schnelle Antwort) aufruft, der auf dem Beitragsbild unten rechts zu sehen ist, steht „Projektideen“. Projektideen klingt wohl schicker. Aber jede Idee kann jeder zu einem Projekt erklären.
Nicht verwirklichte Ideen
gibt es möglicherweise mehr als verwirklichte. Gerade in Berlin.
Akira Takayama „stellt die Frage“, so ist auf der Website weiter zu lesen, „welche Vision wir künftig verwirklichten wollen.“ Raffiniert formuliert, da man nicht weiß, was ‚wir‘ bedeutet, aber man vermuten könnte, dass der Souverän, das Volk, (auch) gemeint ist. Dazu kommt die Sache mit der ‚Vision‘. Manche,.die Visionen haben, werden in die Nervenklinik gesteckt, wenn sie sich nicht wehren können oder allein sind. Andere werden verehrt und vergöttert. Oft wohl zu Unrecht. Die vermutlich hier gemeinte Vision ist bloß ein Euphemismus für das, wie „wir“ – welches Wir? – uns die Zukunft vorstellen. Wenn ‚wir‘ uns die Zukunft überhaupt vorstellen. Manchmal kommt es wohl vor, dass jemand täglich so mit dem Erwerb seines Lebensunterhalts beschäftigt ist, dass er sich über die Zukunft wenig bis gar keine Gedanken macht.
Andere werden von der Bilderflut so erschlagen, dass sie außerhalb der Bilder, die von Plakatwänden über Illustrierte bis hin zum Fernsehen auf sie eindringen, kaum in der Lage sind, Gedanken – eigene Gedanken – zu formulieren, zu bilden.
Auch die Bildung versucht mit ihren Bildern, jeweils in eine Richtung zu schieben oder tut das unabsichtlich. „Automatisch“. Wenn die, die über die Bildung entscheiden dürfen, ausreichend verwurzelt sind. Im Hauptstrom. Oder wo auch immer sie ihr Wasser herbeziehen.
Worum geht’s?
„Die Zukunftsvision für das Projekt Lili-Elbe-Archiv, die im Rahmen von What if Berlin an dem 28. August 2026 präsentiert wird, antwortet auf die Frage“, (die wer gestellt hat?) „Was, wenn Berlin ein verlorenes Archiv wieder aufbauen würde?“ Wenn man jetzt genau ist, könnte man noch verlangen, ‚Berlin‘ zu definieren. Landesmittel sind damit ohnehin gemeint, als Steuern die Berliner gezahlt haben und ein paar Unternehmen.
Das liebe Geld. Wollen wir Steuermittel für das Lili-Elbe-Archiv ausgeben?
Denn, und da wird’s jetzt mehrfach interessant: Es gab das Lili-Elbe-Archiv schon einmal. Von 2013 bis 2022. Es gab ein Archiv, eine Präsenzbibliothek, Workshops und „Bildungsprojekte“. Und einen Online-Auftritt. Nach zehn Jahren der Selbstorganisation und „fehlender Finanzierung schloss das Archiv still seine Türen, eine […] Erklärung“ gab es nicht.
Was gab es? Archivbestände und Sammlungen. Diese wurden „nach Kanada überführt. Bis heute fehlt in Deutschland ein Raum für jene Geschichten, für die das Lili-Elbe-Archiv gegründet wurde.“
Geschichten. Das mag ja sein. Es geht aber nicht um Geschichten um die dänische Künstlerin. Das Lili-Elbe-Archiv ist nur nach ihr benannt worden. Wohl auch, weil sie Dänin war.; und Malerin. Vor allem aber, weil sie Mann war. Einer der ersten Operationen am Magnus-Hirschfeld-Institut machte aus seinem Körper ihren Körper. Es geht also bei dem Archiv um Trans- u.ä. Geschichten.
Bei What-if Berlin geht es generell darum, was wäre, wenn man dies oder jenes täte, senatsseitig in der deutschen Hauptstadt.
Die 75. Berliner Festspiele unterstützen das.





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