Auf zur Ausstellung „Maskerade mit E.T.A. Hoffmann“ im Bamberger E.-T.-A.-Hoffmann-Haus

0
448
Das Faltblatt zur aktuellen Ausstellung "Maskerade mit E.T.A. Hoffmann", die am 12. Mai 2017 in Bamberg eröffnet wurde. © 2017, Gebietsmuseum fuer Geschichte und Kunst in Kaliningrad

Bamberg, Hessen, Deutschland (Kulturexpresso). „Meine Lehr- und Marterjahre sind nun in Bamberg abgebüßt, jetzt kommen die Wander- und Meisterjahre“, erklärte E.T.A. Hoffmann frei nach Johann Wolfgang von Goethe und im Blick auf dessen Wilhelm Meister im Laufe seines Lebens. Hoffmann wohnte laut Informationen der Bamberger E.-T.-A.-Hoffmann-Gesellschaft e. V. (ETAHG) von 1809 bis 1813 in den beiden obersten Geschossen des Hauses am Zinkenwörth Nr. 50 gegenüber dem nach E.T.A. Hoffmann benannten Theater.

Das schmale und museale E.T.A. Hoffmann-Haus am Schillerplatz 26 in Bamberg. © 2017, Münzenberg Medien, Foto/BU: Stefan Pribnow
Das schmale und museale E.T.A. Hoffmann-Haus am Schillerplatz 26 in Bamberg. © 2017, Münzenberg Medien, Foto/BU: Stefan Pribnow

Doch das gesamte Leben und Werk Hoffmanns wird im E.-T.-A.-Hoffmann-Museum abgebildet, das 1930 am Schillerplatz 26 eröffnete „und bis heute auf das ganze schmalbrüstige Haus einschließlich Rückgebäude und Garten“ erstreckt. „Das alte Zinkenwörth“ sei, so lese ich in einem Faltblatt der ETAHG, „Friedrich von Schiller gewidmet“ worden. Das Wort leider steht zwischen den Zeilen. Wie dem auch sei, der am 24. Januar 1776 in Königsberg als Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann geborene Schriftsteller der Romantik, der als aufrechter Jurist am Kammergericht in Berlin wirkte, zudem Komponist und Kapellmeister, Karikaturist, Musikkritiker, Maler und Zeichner war, lebte dort noch nicht einmal eine Hand voll Jahre.

Diese aber werden besonders gewürdigt, wenn auch 1994 der „enge Bamberg-Bezug“ aufgegeben wurde. Den dritten Vornamen lies Hoffmann 1804 in Anlehnung an Wolfgang Amadeus Mozart, den er verehrte, in Amadeus umwandeln. Dass Mozart einen anderen Taufnamen hatte und sich selbst Wolfgang Amadé Mozart nannte, das steht auf einem anderen Blatt.

Michael Knobel, ein Bamberger Künstler, der uns als Fremdenführer in der oberfränkischen Stadt begleitet und noch heißt, wie er benannt wurde, weist vor allem auf das moderne museumsdidaktische Konzept des Bühnenbildners Wolfgang Clausnitzer hin, der für die aktuelle Einrichtung die Feder führte. Das habe „hoffmanesken Flair“, versichert Knobel. Damit dürfte auch der  Zaubergarten des Archivarius Lindhorst gemeint sein, aber vor allem das Spiegelkabinett, wo „unter einem Ausleger mit dem Kater Murr … ein Fensterschlitz Einblick in einen fiktiven Arbeitsplatz“ gebe. Genau genommen sind es zwei Fensterschlitze.

Bring mir den Kopf von E.T.A. Hoffmann oder erblicke ihn im E.T.A. Hoffmann-Haus in Bamberg. © 2017, Münzenberg Medien, Foto/BU: Stefan Pribnow
Bring mir den Kopf von E.T.A. Hoffmann oder erblicke ihn im E.T.A.-Hoffmann-Haus in Bamberg. © 2017, Münzenberg Medien, Foto/BU: Stefan Pribnow

Der Raum dahinter, für den Gäste bereits die Haustür hinter sich lassen müssen, „stimmt“ laut Prospekt „ein in den Genius loci und die verschiedenen Schaffensbereiche“ des vielseitigen Hoffmanns. Alte Portäts des Kulturschaffenden ohne scheinbares Ende geraten in den Blick und moderne Musik ans Ohr.

„Leider hat es eine drastische Kürzung der Mittel gegeben“, teilt Prof. Dr. Bernhard Schemmel, Geschäftsführer der ETAHG, mit Schreiben vom 24. Mai 2017, mit, „sodass wir die letztjährige Serie der ‚Fantasie- und Nachtstücke aus E.T.A. Hoffmanns musikalisch-poetischem Laboratorium‘ bisher nur eingeschränkt fortführen konnten“.

Immerhin läuft die am 12. Mai 2017 eröffnete Ausstellung „Maskerade mit E.T.A. Hoffmann. Der Mehrfachkünstler wird aus Sicht russischer Schüler gezeigt. Die noch bis 1. November 2017 laufende Ausstellung im E.T.A. Hoffmann-Haus in Bamberg verantworten vor allem das Ministerium für Kultur und Tourismus des Kaliningrader Gebiets und das Kaliningrader Gebietsmuseum für Geschichte und Kunst. In Weiß auf Blau heißt es in dem Faltblatt zur aktuellen Ausstellung, dass „die Seele mit Vorbildungskraft … auf das Bild vom erfinderischen Hoffmann mit Begeisterung“ reagiere. Davon abgesehen, dass uns die Seele noch nicht in den Sinn gekommen ist und scheinbar wie die Spirits der parapsychologischen Versuchsanordnung verschwindet, bevor sie da ist, ist der Kopf- und Wortsalat kryptisch. Immerhin haben angeblich „viele junge Künstler aus Kaliningrad und anderen Städten des Gebiets“ – und angeblich auch aus dem Ausland – „an den Ausstellungen des kunsthistorischen Museums teilgenommen, die E.T.A. Hoffmann gewidmet war. „Wahrscheinlich …, weil Kinder die Fähigkeit zu momentanen Veränderungen in der Wahrnehmung der Umgebung besitzen, was immer ein Kennzeichen des ‚Romantikers aus Königsberg‘ war. Oh, Wunder.

Bernhrd Schemmel und Valentina Pokladova Bamber am 11. Mai 2017 in Bamberg. © 2017, Gebietsmuseum fuer Geschichte und Kunst in Kaliningrad, Foto: Polina Matviets
Bernhard Schemmel und Valentina Pokladova Bamber am 11. Mai 2017 in Bamberg. © 2017, Gebietsmuseum fuer Geschichte und Kunst in Kaliningrad, Foto: Polina Matviets

Anders gesagt: Das Faltblatt, bei dem offenbar kein Lektor zu Hand war, kann man in die Altpapier-Tonne kloppen, auch wenn darin steht, das man Hoffmann in Russland für „einen der größten deutschen Dichter, Maler der unsichtbaren inneren Welt, Hintergesichtigen der geheimnisvollen Kräfte der Natur und Geist, Erzieher der Jugend, das höchste Ideal des Schriftstellers für Kinder“ (freu sich, wer`s kennt, d.I.d.t.) nennt.

In die Berliner Zeit Hoffmanns kann der Besucher im zweiten Obergeschoss gleich nach der Opernloge mit Undine eintauchen. In Berlin endete das Leben von E.T.A. Hoffmann am 25. Juni 1822.

In Bamberg gehen das Leben und Werk mit Hoffmann weiter. „Ein Gedankenmikroskop nach dem Meister Floh“, erklärt Bernhard Schemmel, lässt den Besucher die geheimen Gedanken der Menschen erkennen. Welche geheimen Gedanken konnte die Kuratorin der Maskerade-Ausstellung, Valentina Pokladova, die zur Vernissage in Bamberg war, erkennen?

* * *

E.-T.-A.-Hoffmann-Haus, Schillerplatz 26, 96047 Bamberg

Öffnungszeiten: vom 1. Mai bis zum 1. November 2017 täglich außer montags von 13 bis 17 Uhr.

Als PDFDrucken

Anzeige

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

4 + 5 =