Wer wird „das Schwarze Schaf“ 2020?

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wohl wahr, dass sich weiße Wolle leichter einfärben lässt als schwarze, weswegen Schafe mit weißem Fell gezüchtet, gehegt und gepflegt werden, nicht schwarze Schafe, weswegen diese aussortiert und geschlachtet werden, um die Qualität der Wolle der ganzen Herde nicht zu mindern.

Die Aussortierten und Außenseiten, das sind die schwarzen Schafe. Und die Widerspenstigen unter den Zweibeinern, die sich nicht zähmen lassen, die muss man loben. So oder so ähnlich wird sich das Hanns Dieter Hüsch gedacht haben als er den Wettbewerb das „Schwarze Schaf vom Niederrhein“ gründete. Dass er sich selbst als ein solches beschrieb, das ist beachtlich und bezeichnend.

Hüsch, der am 6. Mai 1925 in Moers geboren wurde und am 6. Dezember 2005 in Werfen starb, gilt als großer deutscher Kabarettist, der „Generationen von Kabarettistinnen und Kabarettisten … mit seinem scharfen und oft nachdenklichen Humor beeinflusste“, wie es in einer Das-schwarze-Schaf-Pressemitteilung vom 5.11.2019 heißt.

Und der Preis gilt als einer für Hüschs Erben. Ins Leben gerufen wurde er bereits 1999 und veranstaltet wird er seither alle zwei Jahre als ein Projekt der RuhrFutur gGmbH am Niederrehin statt. Seit 2001 wird der Preis zudem von der Stiftung Mercator gefördert.

Mit ihm sollen „Nachwuchskünstlerinnen und -künstler des gesellschaftskritischen Kabaretts“ gefördert werden. In Erwartung einer solchen Förderung dürfen sich nun die Nominierten Alex Döring (München), Beier & Hang (München), Florian Hacke (Kiel), Goldfarb-Zwillinge (Berlin), Jakob Heymann (Bremen), Johannes Floehr (Krefeld), Martin Valenske & Henning Ruwe (Berlin), Micha Marx (Bonn), Peter Fischer (Mannheim), Quichotte (Köln), Sulaiman Masomi (Köln) und Victoria Helene Bergemann (Kiel) freuen.

Sie „ab dem 12. März 2019 auftreten“ und zwar „jeweils sechs Nominierte an acht Abenden (zwei Abende pro Stadt) in den Vorrundenstädten Emmerich, Wesel, Krefeld und Moers“ und gegeneinander mit jeweils 15-minütigen Ausschnitten aus ihrem aktuellen Programm antreten.

Anschließend entscheiden die Zuschauer und nur die Zuschauer, welche sechs Talente ins Finale am 9. Mai 2020 im Theater am Marientor in Duisburg einziehen werden. Am Tag der Entscheidung bestimmen allerdings nur Mirja Boes, Salim Samatou, Martina Linn-Naumann, Dr. h.c. Nikolaus Schneider und Hartmut Krause als Jury den Sieger.




Nicolas Mahler und Stefanie Sargnagel bekommen Sondermann-Preis

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Sondermann-Preise gehen dieses Mal an Nicolas Mahler und Stefanie Sargnagel. Verliehen werden die Preise für komische Kunst vom Sondermann e.V. an zwei Wiener.

Einer ist der 1969 geborenen Mahler, dert als Comiczeichner gilt, bisher zwanzig Bücher herausbrachte und vor allem mit seinen Flaschko-Comics Weltruhm erwarb. Außerdem ist Mahler Mitbegründer des Kabinetts für Wort und Bild im Museumsquartier in Wien.

Laut Sondermann e.V. würde der mit 5.000 Euro dotierte Sondermann-Hauptpreis Mahler „neben seinem schier unendlichen Ideen- und Formenreichtum“ vor allem für „die im Suhrkamp Verlag erschienenen Comics nach Meisterwerken der Weltliteratur wie Thomas Bernhards ‚Alte Meister‘ (2011), Robert Musils ‚Mann ohne Eigenschaften‘ (2013), Marcel Prousts ‚Auf der Suche nach der verlorenen Zeit‘ (2017) und im kommenden Jahr James Joyces ‚Ulysses‘. Diese Comics seien „vielmehr Variationen als Adaptionen, bei denen Mahler neue Geschichten auf der Basis der alten“ erzählen würde.

Stefanie Sargnagel mit dem Öterreichischen Kabarettpreis 2017. Foto: Manfred Werner (Tsui) – Eigenes Werk, Quelle: Wikimedia, CC BY-SA 4.0

Stefanie Sargnagel bekommt nicht ganz so viel, aber immerhin den diesjährige Sondermann-Förderpreis in Höhe von 2.000 Euro. Sargnagel wurde ebenfalls in Wien geboren, allerdings 1986 und zwar als Stefanie Sprengnagel. Die Künstlerin und Schriftstellerin wurde bekannt mit ihrem Buch „Binge Living – Callcenter-Monologe“ (2013). Damit habe sie sich laut Sondermann e.V. als eine der „originellsten Autorinnen in den Sozialen Medien“ etabliert. „Als Mitglied der feministischen ‚Burschenschaft Hysteria'“ würde „sie akademische Männerbünde“ veralbern. Und nicht nur in München mag man sich auf ihr Oktoberfest-Stück „Am Wiesnrand“ freuen, das für „2020 angesetzt“ sei.

Die Gala zur Preisverleihung ist für den 11.11.2019 in der Brotfabrik in Frankfurt am Main geplant.




Realität und Virtualität, Identität und Ideal oder Don Quijote demnächst im DT

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Demnächst wird Don Quijote (Don Quixote oder auch Don Quichotte) am Deutschen Theater (DT) in Berlin auf die Bühne gebracht und zwar in einer Erstaufführung der Fassung von Jakob Nolte nach dem Jahrhundertroman von Miguel de Cervantes in der Übersetzung von Susanne Lange und unter der Regie von Jan Bosse.

Die Aufführung, dessen Premiere am Samstag, den 12. Oktober 2019, um 19.30 Uhr im DT sein soll wird von den Bregenzer Festspielen koproduziert und würde Wolfram Koch und Ulrich Matthes in Kostümen von Kathrin Plath und auf der von Stéphane Laimé gestalteten Bühne zeigen.

Zu sehen sein werde laut DT-Pressemitteilung vom 2.10.2019, wie sich „nach der Lektüre unzähliger Ritterromane … ein verarmter Junker selbst zu Don Quijote von La Mancha“ ernennen und „sich die ehrenvolle Aufgabe, seine Mitmenschen gegen das Böse zu verteidigen und ein neues goldenes Zeitalter aufleben zu lassen“ übertrage. „Er findet im nur scheinbar naiven Sancho Panza einen treuen Knappen und begibt sich mit ihm auf die Reise, um ein einfaches Bauernmädchen alias Dulcinea von Toboso zu beeindrucken. Ihre Heldentaten enden meist in brutalen Niederlagen, weshalb Don Quijote alsbald den Beinamen Der Ritter von der traurigen Gestalt erhält. Und auch mit Sancho Panzas Traum, der sich als zukünftiger Herrscher eines Eilands sieht, will es nicht so recht was werden. Doch ihre Vorstellungskraft bleibt unbesiegt: Sie scheitern, stehen wieder auf und kämpfen weiter gegen Windmühlen.“

Das verflixte Verhältnis von einer Idee, die einem kommen kann, und der Materie, die nie verschwinden kann, kommt auf die Bühne und mithin die Frage, was in unserer Umwelt Wirklichkeit oder Wunsch und Wille bis zum Wahn, Vorstellung und Traum ist.

Hoffentlich drehen sich Koch und Matthes in ihren Kostüme und in Nolte Don-Quijote-Fassung um den Konflikt zwischen Realität und Virtualität, Identität und Ideal und nicht nur Windmühlen.




Funkenflug vom Höhenfeuer in Chur oder Kulturrevolution im Theaterdiscounter in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 28. September 2019 soll im TD genannten Theaterdiscounter die Kulturrevolution in Berlin ausgerufen werden.

So und nicht anders steht es in einer DT-Pressemitteilung vom 23.9.2019, in der es dazu weiter heißt, dass „eine Zukunft ohne den Zwang zur Lohnarbeit und befreit von der Verdummung durch die Datengiganten“ ausgerufen werde.

Künstler aller Sparten sollen „prozesserprobt die Führung in eine unbekannte neue Welt der Muße und Verantwortung“ übernehmen. Folgt das Publikum? Oder folgt es nur dem Ruf in die Vorstellung, bei der sich das Schauspiel um die Frage „Wie wird sich die Arbeit in Zukunft verändern und neu gestalten“ zu drehen scheint.

Die „eine Art-Fiction von Georg Scharegg & Ensemble“ soll zu sehen und hören sein am 28. und 29.9.2019 sowie am 1. und 2. Oktober 2019, jeweils ab 20 Uhr.

Ihre Weltpremiere feierte diese „Kulturrevolution“ übrigens in der Schweiz und zwar am 9.1.2019 im Rahmen des biennalen Festivals „Höhenfeuer“ am Theater Chur.

Dieser Funken des Höhenfeuers sprang offenbar auf Berlin nicht um. Immerhin kommt das Stück auf eine Berliner Bühne.




Günter Kunert ist nicht mehr Gast im Labyrinth des Lebens

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Im Alter von 90 Jahren verstarb der Autor Günter Kunert am Samstagabend in seiner Wahlheimat im holsteinischen Kaisborstel. Kunert wurde am 6. März 1929 in Berlin geboren.

Er lebte sowohl in der Deutschen Demokratischen Republik als auch in der Bundesrepublik Deutschland und das vor der Vereinigung dieser deutschen Staaten. In seinen Werken beschäftigte er sich sowohl mit der DDR und der BRD als auch mit dem Deutschen Reich. Kunert gilt als einer der größten Schriftsteller der Gegenwart.

1948 trat er der SED bei, 1977 wurde er aus der SED rausgeworfen, weil er zu den Erstunterzeichnern der Petition gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR gehörte. Zwei Jahre später folgte Kunert Biermann in die BRD.

In „Frankfurter Allgemeine“ (22.9.2019) hält Tilman Spreckelsen unter „Zum Tode von Günter Kunert: In vollkommener Klarheit“ fest: „Günter Kunert, geboren 1929, hatte genug Umschwünge, politische zumal, aber auch grundlegend gesellschaftliche erlebt, um nicht ständig mit neuen zu rechnen. Er überstand die NS-Zeit, immer in Gefahr wegen seiner jüdischen Mutter, als Angestellter in einer Tuchwarenhandlung, publizierte sein erstes Gedicht 1947 und erfuhr in der DDR Förderung durch anerkannte Autoren wie Brecht und Becher, geriet aber zugleich unter den Verdacht des Abweichlertums und machte Erfahrungen mit der Zensur. Reich begabt und vielseitig interessiert, veröffentlichte Kunert Lyrik, Prosa, Essays, Kinderbücher, Reiseberichte und literaturtheoretische Schriften.“

Kunerts letzter Gedichtband „Zu Gast im Labyrinth“, 112 Seiten, herausgegeben von Wolfram Benda, wird am Montag, 23.9.2019, im Hanser Verlag (ISBN: 978-3-446-26463-2, Preis: 19 EUR (D), 19,60 EUR (A)) erscheinen.




„Die drei Leben der Hannah Arendt“ gezeichnet und gelesen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Aha, Hannah Arendt hatte drei Leben. Zumindest in einem davon galt sie den einen als zu jüdisch, den anderen als nicht jüdisch genug.

Aus den drei Leben der Arendt beziehungsweise aus dem Buch “ Die drei Leben der Hannah Arendt“ von Ken Krimstein soll am 25. November 2019 im Auditorium der W.-Michael-Blumenthal-Akademie dessen Übersetzer Hanns Zischler lesen. Und weil ein Comic ein Comic ist, auch wenn er Graphic Novel genannt wird, dürfen die bunten Bilder nicht fehlen.

Krimstein werde direkt zeichnen. Die Stiftung Jüdisches Museum Berlin nennt das in einer Pressemitteilung vom 19. September 2019 „Live Comic Drawing“ und teilt mit, dass „Hannah Arendts Lebensweg in einer Graphic Novel nachzuzeichnen … eine herausfordernde Ausgabe“ sei. Eine Aufgabe ist das allemal, auch für Krimstein, der als Cartoons im „New Yorker“, „Punck“, dem „Wall Street Journal“ und anderen Publikationen ein großes Publikum erreicht.

Krimstein Cartoons würden „rasant und liebevoll ihren Lebensweg“ zeigen, der die 1906 als Johanna Arendt in Linden (heute Teil von Hannover) geborene Philosophin, Politikwissenschaftlerin und Publizistin 1933 aus dem Deutschen Reich über die Tschechoslowakische Republik, Italien, die Schweizer Eidgenossenschaft und Frankreich in die Vereinigten Staaten von Amerika führte.

Als Ihr Hauptwerk gilt das Buch „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“.

Veranstaltung

Bibliographische Angaben

Ken Krimstein, Die drei Leben der Hannah Arendt, Übersetzer: Hanns Zischler, 240 Seiten, Klappenbroschur, Verlag: dtv, München, 15. November 2019, ISBN 978-3-423-28208-6, Preis: 16,90 EUR (D)




150 Jahre Hamburger Kunsthalle – Am 30. August 2019 werden in der Hamburger Kunsthalle drei Ausstellungen eröffnet

Hamburg, Deutschland (Kulturexpresso). Die Hamburger Kunsthalle wird 150. Zum Jubiläum werden alle am 31. August und am 1. September 2019 zu einem „großen Festwochenende“ eingeladen, vor allem Hamburger und solche, die es werden wollen und sollen, samt Gästen der Stadt.

Freier Eintritt also für alle angeblich dank „einer großzügigen Förderung der Freunde der Kunsthalle e.V.“, die das Geld dafür nicht brüten, sondern bekommen.

In einer Pressemitteilung der Hamburger Kunsthalle vom 23.8.2019 heißt es: „Dem Jubiläumsmotto »für UNS ALLE« folgend, wird inmitten der Sammlungspräsentation und der Ausstellungen, im Werner-Otto-Saal, in der Museumsgastronomie DAS LIEBERMANN und im THE CUBE sowie auf dem Außengelände des Museums 150 Jahre Kunsthalle gefeiert: Führungen, Projektionen, Gespräche, Lesungen, Klangsphären, Tanzaktionen, Filmvorführungen, Food-Trucks, ein Kinder- und Familienprogramm sowie eine Party bis spät in die Nacht werden geboten.“

Gleich drei Ausstellungen („100 Jahre Hamburgische Sezession. Begegnungen in der Sammlung“, „Rembrandt. Meisterwerke aus der Sammlung“ und „UNFINISHED STORIES. Geschichten aus der Sammlung“ werden am 30. August 2019 eröffnet.

Wie auf dem Fischmarkt in Altona legen die Verantwortlichen noch etwas obendrauf und werden „die Online-Stellung des vollständigen Sammlungsrundgangs durch acht Jahrhunderte Kunst freigeschaltet“. Über die Website genannte Heimatseite im Weltnetz würden „sämtliche ca. 1000 im Museum präsentierten Werke mit einem Foto und den wichtigsten Basisdaten abrufbar sein“.

Da kann man auch bleiben, wo der Pfeffer wächst. Und da, wo er wächst, ist das Weltnetz wohl auch besser und billiger zu erreichen.




Draußen vor der Kampfzone – Zum Buch „Karl Biese – Naturmotive zwischen Nordsee und Schwarzwald“ , herausgegeben von Mark R. Hesslinger

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In Zeiten, in denen die Kampfzone ausgeweitet scheint bis ins Unendliche, sehnt sich der selbst von der Kultur entfremdete eindimensionale Mensch der Industriegesellschaft, deren Tun längst von Bänkstern bestimmt wird, nach Natur, wenn auch nur klammheimlich und oft unwissentlich.

Natur pur wird allerdings selbst in Naturschutzgebieten oder wie auch immer diese Zonen heißen oder genannt werden sollen mögen – vorgegaukelt und das längst so perfide, dass auch in der Provinz der auf den Hund kommt Metropolenbewohner den Braten riecht, der ihm vorgesetzt wird. Was bleibt? Die Erinnerung, die Bilder bieten. Bilder aus Zeiten, in denen der Monetarismus noch nicht überall mittenmang war.

Einer, der diese mit dem Pinsel festhielt, war Karl Biese, der laut Wikipedia in 1863 in Hamburg geboren wurde und 1926 in Tübingen starb und als Landschaftsmaler und Lithograf gilt, obwohl seine Zeit als Anstreicher, er arbeitete zunächst als Theatermaler, nicht unter den Teppich gekehrt wird. Im Buch „Karl Biese – Naturmotive zwischen Nordsee und Schwarzwald“, das von Mark R. Hesslinger herausgegeben und kürzlich im Südverlag erschien, ist er noch ein wenig mehr: Grafiker und Dekorationsmaler, Meisterschüler Gustav Schönlebers und Kollege von Künstlern wie Jenny und Otto Fikentscher, Franz Hein und Gustav Kampmann.

Dafür, dass das Wissen über Biese gemehrt, festgehalten und weitergegeben wird, sorgen auch Sibylle Appuhn-Radtke, Michael Bachmann, Ursula Bachmann und Peter Bussler, die Wortbeiträge zum Buch beisteuerten, und Hesslinger höchstselbst, der im Geleitwort zur „ersten ausführlichen Monographie über Karl Biese“ schreibt, dass dieser „seine Naturmotive auf zahlreichen Reisen rund um Karlsruhe, im Moselgebiet, im Rheinland und in der norddeutschen Tiefebene sowie an der Nordseeküste, vor allem aber im Schwarzwald“ gefunden habe. Wohl wahr auch, dass sich „trotz einheimischer Motivik … in seinem Werk der stilbildende Einfluss des Japonismus“ manifestierte. “ Biese war in diesem Punkt ein typischer ertreter des Jugendstils, der in seiner Landschaftsmalerei umsetzte, was zeitgleich in Paris und Wien als künstlerisches Ziel galt.

Wer sich mit Leben und Werk von Karl Biese befassen möchte, der muss auch dieses Sach- und eben nicht Bilderbuch studieren, denn Bieses Werke muss derjenige, der sein Wissen mehren und sich Weisheit lehren möchte, in echt und also im Original betrachten, dort, wo sie Wirkung erzielen und dem Entfremdeten von der Natur erzählen.

Bibliographische Angaben

Mark R. Hesslinger (Herausgeber), Karl Biese – Naturmotive zwischen Nordsee und Schwarzwald, 156 Seiten, Format: 22 x 24,5 cm, ca. 100 farbige Abbildungen, Hardcover, Verlag: Südverlag, Konstanz 2019, ISBN: 978-3-87800-128-7, Preis: 24,90 EUR (D)




Profanes in der Provinz oder „Ausweitung der Kampfzone“ am Deutschen Theater, inszeniert von Ivan Panteleev, gespielt und gesprochen von Samuel Finzi

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In Berlin wird die Kampfzone ausgeweitet, bei Jedermann und -frau auch auf der Bühne. Dafür musste der als Michel Thomas Mitte des vergangenen Jahrhunderts auf einer Insel geborene Michel Houellebecq seinen Roman „Extension du domaine de la lutte“ (deutsch: Ausweitung der Kampfzone) schreiben. Das französische Original wurde 1994 herausgegeben, die deutsche Übersetzung von von Leopold Federmair kam fünf Jahre später, als der gleichnamige Film zum Houellebecq-Buch gedreht wurde. Jetzt inszeniert Ivan Panteleev das Stück am Deutschen Theater in Berlin

Darin ein junger für eine Software-Firma in Paris lohnarbeitender Informatiker als Held in einer flott erzählten Handlung, in der dieser Ich-Erzähler die Leute um hin herum auseinandernimmt wie Tiere. Der nüchterne Techniker, der seine Entfremdung dokumentiert, reist mit seinem verklemmten Kollegen, dem er Heilig Abend in einer Diskothek ein Messer in die Hand drückt, dienstlich in die Provinz. Dort schüren beruflich ehrgeizige Brillenträgerinnen den Zorn des erotisch Frustrierten und abstinent Lebenden.

Wie hießt es in einer DT-Pressemitteilung vom 15.8.2019 so schön zu „Ausweitung der Kampfzone“ mit Samuel Finzi: „Präzise und bestechend rational beschreibt er die Stationen seiner Vereinsamung, „das fortschreitende Verlöschen aller menschlichen Beziehungen“, seinen Ekel, seinen Selbsthass – auch die Geilheit und Verzweiflung, mit der sein sexuell frustrierter Reisebegleiter und Arbeitskollege Tisserand (Samuel FInzi) auf die Welt und den weiblichen Körper blickt. Am Weihnachtsabend eskaliert die Situation. Nach dem Besuch einer Diskothek folgen die beiden einem jungen Liebespaar in die Dünen…“Der Wirtschaftsliberalismus ist die erweiterte Kampfzone, das heißt, er gilt für alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen. Ebenso bedeutet der sexuelle Liberalismus die Ausweitung der Kampfzone, ihre Ausdehnung auf alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen“, schreibt Houellebecq in seinem Romandebüt.“

Finzi spielt übrigens den IT-Spezialisten Tisserand und ist auch die Stimme des Autors Michel Houellebecq in Ivan Panteleevs Inszenierung von ‚Ausweitung der Kampfzone‘ am Deutschen Theater. Neben Finzi stehen noch Lisa Hrdina, Marcel Kohler, Jeremy Mockridge und Kathleen Morgeneyer auf der Bühne, die von Michael Graessner gestaltet wird.

Nun kommt das Houellebecqs Buch auf die Bühne des DT in Berlin. Die Premiere soll am Sonntag, den 8. September 2019, um 20 Uhr, sein, weitere Vorstellungen sind für den 9., 13. und 26. September 2019 geplant.




Clowns im Container – „Herzstück“ von Heiner Müller vorm Maxim-Gorki-Theater und nicht dahinter

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Berlin hat jetzt einen Container mehr und der steht auf dem Platz vor dem Maxim-Gorki-Theater. Diese dritte Spielstätte des Berliner Theaters, die als Ersatz- und Parallelspielstätte dienen soll Entlastung bieten, wenn im Studio und auf der Bühne über die nächsten drei Spielzeiten in mehreren Teilabschnitten notwendige Umbauten stattfinden, dürfte beinahe 200 Zuschauer Platz bieten.

Richtig, ein typischer Großraumbehälter nach Norm ist der Gorki-Container nicht, aber was ist in der Hauptstadt der Berliner Republik schon richtig? Dieser Container wirkt dennoch kleingeistig und billig und das passt bestens zu gescheiterten Großstadt Berlin wie Clowns in den Container, aber müssen es Schauspieler sein?

Zum Auftakt scheint den Verantwortlichen ein kleines Stück zu passen, allerdings eines von einem Großen. Am Abend des 17. August will Sebastian Nübling als Gorki-Hausregisseur die neue Spielzeit mit „Herzstück“ von Heiner Müller eröffnen.

Der Anfang der Achtzigerjahre von Müller geschriebene Dialog sei laut Gorki-Pressemitteilung vom 14.8.2019 „nur 14 Zeilen lang“. Der Anfang sei daher kurz wiedergegeben: „Eins: Darf ich Ihnen mein Herz zu Füßen legen. / Zwei: Wenn Sie mir meinen Fußboden nicht schmutzig machen. / Eins: Mein Herz ist rein. / Zwei: Das werden wir ja sehn.« Es folgt eine Operation am offenen Herzen mit überraschendem Ende: »Arbeiten und nicht verzweifeln. So, das hätten wir. Aber das ist ja ein Ziegelstein. Ihr Herz ist ein Ziegelstein.“

Nach „Zement“, „Der Auftrag“ und „Hamletmaschine“ nun „Herzstück“. Ob sich die angeblich „vierte Arbeit an Müller im Gorki seit 2013/2014“ gelohnt hat?

Das wird man sehen und hören können und zwar vorm Maxim-Gorki-Theater und nicht dahinter.