Berlinale Special: „Watergate – Or: How We Learned to Stop an Out of Control President“

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Richard M. Nixon war von 1969 bis 1974 der 73. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika - und Oberbefehlshaber. © The Richard Nixon Presidential Library and Museum (National Archives and Records Administration)

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Dokumentarfilm „Watergate – or: how we learned to stop an out of control President“ zeichnet akribisch die Affäre nach, die Richard Nixon als Präsidenten und Oberbefehlshaber der Vereinigten Staaten von Amerika (VSA) aus dem Amt beförderte.

Watergate, der Einbruch in die Zentrale der demokratischen Partei, um dort eine Abhöranlage zu instalieren. Ein Aktion, die vom damaligen Präsidenten Nixon initiert wurde, die fehlschlug und als Sinnbild für die kriminellen Machenschaften und den Machtmissbrauch einer Regierung steht. Doch bei allem Negativen für das der Begriff Watergate mit der Politik und dem Staat verbunden wird, darf auch nicht vergessen werden, dass der Watergate-Skandal zugleich eine Sternstunde für die Demokratie und die freie Presse bildet und die Personen die damit einhergehen.

Angefangen noch vor Watergate mit Daniel Ellsberg (dem ersten Whistleblower, wenn man so will), der die Pentagon Papers veröffentlichte und die Weltöffentlichkeit darüber informierte, dass die VS-Regierung in Bezug auf die Situation im Vietnamkrieg definitiv die Unwahrheit sagte, weitergehend mit Bob Woodward und Carl Bernstein, jenen beiden Reportern der Washington Post, die seitdem als Personifikation des investigativen Journalismus gelten, welche die kriminellen Machenschaften der Regierung aufdeckten sowie eine Ermittlung seitens des Senats und der Justiz in Gang brachten. Und eben jene Politiker und Chefermittler, die sich am Ende gegen die Nixon-Administration auflehnten, selbst als diese sie unter Druck setzte. Schlussendlich steht Watergate auch für einer demokratisch gesinnten Öffentlichkeit, die sich bemüht, die Aufklärung so hoch zu halten, wie möglich.

Als die Watergate Hearings, die Anhörungen des Senats zu Watergate im Fernsehen live übertragen wurde, waren diese Übertragungen ein Quotenrenner. Die Anhörungen wurden 24 Stunden live ausgestrahlt und Menschen richteten ihren Tagesablauf danach, was in Zeiten, in denen Castingshows die Einschaltquote beherrschen, schwer vorstellbar ist.

Dass schließlich unter diesen Einflüssen das gesamte kriminelle Kartenhaus der Nixon-Regierung zusammenbrach und Beteilgte in ihrem eigenen Sumpf aus Lügen und unlauteren Machenschaften versanken, das ist gut so.

Watergate endet mit dem Rücktritt von Richard Nixon am 8. August 1974. Das und noch ein wenig mehr erzählt der Dokumentarfilm „Watergate“ in ausführlicher Form. Eigentlich nichts Neues könnte man meinen. Watergate war ja schon mehrfach Inhalt von Spielfilmen. So „All the President’s Men“ der die Aufdeckung von Woodwart/Bernstein beinhaltet, Oliver Stones Filmportrait von „Nixon“ mit Anthony Hopkins und zuletzt in „The Post“ von Steven Spielberg, der die Veröffentlichung der Pentagon Papers zum Inhalt hat und dort endet wo „All the President’s Men“ beginnt.

Trotz all dieser Filme lohnt es sich, auch noch „Watergate – Or: How We Learned to Stop an Out of Control President“ zu sehen, denn der Dokumentarfilm bietet einen genaueren und tieferen Einblick in das Watergate-Thema, den Spielfilme in dieser Form nicht leisten können.

Charles Ferguson hat als Drehbuchautor und Regisseur seinem Beitrag, der auf der 69. Berlinale in der Sektion Berlinale Special läuft, neues Archivmaterial, Interviews und nachgespielten Szenen, die auf original Tonbandaufzeichnungen aus dem Weißen Haus beruhen, beigefügt. Zudem wird dieses Materail wir in die chronologischen Abläuf jener Zeit einbezogen.

Aufgrund der Thematik würde sich die Parallele zu Donald Trump anbieten, auf die der oscargekrönten Filmemacher Ferguson klugerweise verzichtet. Seine Doku soll für sich und Watergate stehen, somit auch als zeitloser Film.

Zugleich ist zu erwähnen, dass der Zuschauer beim Sehen von „Watergate“ dem ganzen Inhalt konzentriert folgen sollte. Eine gewissen Vorbild beziehungsweise Vorbereitung schadet nicht. Die Ereignisse, ihre politischen Inhalte und deren Zusammenhänge sind sehr komplex, aber auch für in diesem Thema wenig Eingeweihte und Erkenntnisreiche lohnt sich das Gucken.

Am Ende ist und bleibt der Watergate-Skandal ein Drama historischen Ausmaßes, deren tragische Figur Richard Nixon ist und das Shakespeare wohl kaum besser hätte schreiben können. Es bleibt zu hoffen, dass „Watergate – or: how we learned to stop an out of control President“ den Weg zu einem breiten Publikum deutscher Zunge findet, denn es gilt wachsam zu bleiben.

Filmografische Angaben

  • Originaltitel: Watergate – Or: How We Learned to Stop an Out of Control President
  • Deutscher Titel: Watergate
  • Staat: Vereinigte Staaten von Amerika
  • Jahr: 2018
  • Genre: Dokumentarfilm
  • Regie: Charles Ferguson
  • Drehbuch: Charles Ferguson
  • Kamera: Shana Hagan, Yuanchen Liu, Dennis Madden, Daphne Matziaraki, Morgan Schmidt-Feng
  • Schnitt: Amy Foote, Joe Garrity, Cindy Lee, Hemal Trivedi
  • Musik: Ben Holiday
  • Produktion: Krista Parris
  • Länge: 260 Minuten
  • Altersfreigabe: keine Angaben
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