Brand des Berliner Schlosses – exklusive Bilder. Humboldt-Forum Schloss

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Das Berliner Schloss (fälschlich "Stadtschloß") brennt. Rechts unten an einem Streifenwagen mit Blaulicht zu sehen: Höhe Spandauer Straße (am unteren Bildrand) sperrte die POLIZEI die Zufahrt zum Boulevard Unter den Linden. © Copyright 2020, Andreas Hagemoser, Foto: S. U. Dreßler

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am frühen Vormittag, 10 Uhr morgens. Der Buchbinder S. Uwe Dreßler hat seinen Wagen im Hof geparkt, hört einen Knall, steht jetzt vor seinem Haus an der Karl-Liebknecht-Straße, die den Alexanderplatz (Alex) flankiert. Er schaut nach rechts – als Himmelsrichtung etwa nach Südwesten (SW) – und sieht sofort eine riesige schwarze Rauchwolke, die die ganze Fassade des Berliner Schlosses überdeckt. Aus dieser Perspektive sieht man die der Spree zugewandte Stirnseite, die nicht besonders historisch zu sein scheint.

Insgesamt ist der Schlossneubau aber schon ein Nachbau der 1950 von der DDR gesprengten Bausubstanz. Einer DDR, die in Ost-Berlin hoheitlich nur sehr bedingt bis gar nicht etwas zu suchen hatte, da die Viermächtestadt letztlich von den Allierten und nur von ihnen oberhoheitlich regiert werden durfte. Von 1945-47 geschah das von der Kommandantura in Zehlendorf aus. Nach dem Auszug der Sowjets war das auf Einstimmigkeit ausgelegte Gremium lahmgelegt, jeder machte, was er wollte. Die Westalliierten regierten West-Berlin, die Sowjets Ost-Berlin. Nie gab es eine völkerrechtliche Legitimation für Regierungshandlungen der 1949 gegründeten DDR auf Berliner Territorium, also auch nicht in den acht östlichen Bezirken, nicht in Berlin-Mitte, wo das im Krieg teilbeschädigte Schloss stand. Die Sprengung des Berliner Schlosses 11 Jahre vor dem Bau der Mauer war also in zweierlei Hinsicht bedenklich, je nach Geschmack sogar ungeheuerlich.

Andere freuten sich über Egons Lampenladen auf der freigesprengten Fläche, ein „Palast“ mit einem zugegeben technisch raffinierten und hervorragenden Veranstaltungssaal. Dabei knüpft die Wortwahl willentlich oder unwillentlich an die monarchische Tradition oder Geschichte an.

Schwarze Wolken über der Stadt und dem Schloss

Uwe Dreßler begab sich nach diesen erschreckenden Bildern – schwarze Wolken über einem wichtigen Gebäude im Zentrum der deutschen Hauptstadt – in seine Wohnung, filmte und photographierte das Geschehen. Die Ergebnisse stellte er uns zur Verfügung. Die sich rasch verändernden erst pechschwarzen Rauchwolken zogen über den Lustgarten, die Museumsinsel, querten die Spree.

Sie rührten von zwei Bitumenkochern her. Der Grundstoff zur Asphaltherstellung, geliefert von dem Unternehmen „Deutsche Asphalt“, wurde im Erdgeschoss benutzt, nicht auf dem Dach, wie der Pressesprecher der Berliner Feuerwehr, Dr. Rolf-Dieter Erbe, mitteilte. Dadurch war eine gute Zugänglichkeit und ein schnelles Löschen gewährleistet. Dr. Erbe korrigierte Meldungen, nach denen auch Baumaterial in Brand geraten sei. Der Knall, den Uwe Dreßler hörte, rührte von der Explosion einer Gasflasche her. Sofort richtig hatte Dreßler vermutet, dass Bitumenkocher verantwortlich für die Flammen und – wo Feuer ist, da ist auch Rauch – den garstigen, dunklen Qualm waren. Wie vergangene Woche in Hohenschönhausen, teilte Dreßler noch während der Filmaufnahmen am Vormittag mit.

Gern würden wir dem Leser diese bewegten und bewegenden Bilder eines Augenzeugen vor Ort zeigen. Leider sind sie im Eifer des Gefechts nicht von Tagesschau-Qualität. Andererseits möchten wir Lesern die Qual ersparen, den Qualm über dem Schloss als Film zu sehen. Feuer in einem Zig-Millionen-Bau sieht kaum jemand gern. Auch wenn hier statt Steuergeldern 100 Millionen Euro an Spenden drinstecken. Oder gerade deswegen? Der Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien hatte versprochen 80 Millionen Euro einzuwerben. Er hat sein Versprechen gehalten; und übererfüllt. Man sage mal etwas gegen die Kaufmannschaft der Hansestadt an der Elbe. – Statt des Films präsentieren wir hier vier Photos, die für sich sprechen. Sie sind in der Reihenfolge des Geschehens überprüfbar chronologisch angeordnet. Schnell hatte die Berliner Polizei die Zufahrt von der Karl-Liebknecht-Straße in deren Verlängerung Unter den Linden gesperrt.

Einzelheiten: Historie, Brandfolgen, Kuppel

Um 9.56 Uhr war die Feuerwehr informiert worden. Um 10 Uhr entstanden die Bilder.

Der deutsche Bundestag, das Parlament der Bundesrepublik Deutschland und Teil des Legislative, hatte mit eindeutiger Mehrheit den Wiederaufbau des Schlosses beschlossen. Umfragen bildeten einer geringe Zustimmung für das Projekt ab. Zweimal, zwei Jahre nach Abschaffung der D-Mark und sieben Jahre später während der Finanzkrise, gab es ein nicht nur kurzes Moratorium.

Das Barockschloss hat einen Schlüterhof, benannt nach seinem Architekten Andreas S. Dort sind Schatten an der Fassade.

Von außen sind Rauch- oder Qualmflecken nur an einem Portal zu erkennen, durch das die fetthaltige Luftverschmutzung auf den Schlossplatz drang. Es ist das Portal I.

Die Kuppel war nicht vom Brand betroffen und sollte im Mai 2020 fertigwerden.

An dem auf den Photos erkennbaren, zur Spree und damit zu Alexanderplatz und Fernsehturm, Marienkirche und Rathaus zeigenden Teil der Fassade ist der Schlossnachbau am wenigsten als Schloss erkennbar. Es handelt sich nur um einen Flügel.

Meinung

Im letzten Satz besonders treffend äußerte Rainer Haubrich, der das Schloss „das wichtigste Kulturprojekt Deutschlands“ nennt, in welt.de seine Meinung; wir zitieren hier das Ende seines Artikels vom 9.4.2020, dem Tag nach dem Unglück:

„Zuletzt hörte man allenfalls den Einwand, die Fassaden sähen so surreal makellos aus. Aber jedes historische Bauwerk war einmal neu. Das Berliner Schloss hat heute jene Anmutung, die es besaß, als Andreas Schlüter es zu Beginn des 18. Jahrhunderts vollendete.

Nur makellos ist es jetzt nicht mehr, es hat seine erste Patina. Und deshalb sollte man überlegen, in einer Ecke des Schlüterhofes und des Portals I ein wenig von dem schwarzen Schatten zu erhalten, der sich am 8. April über das Schloss legte – zur Erinnerung an den Brand kurz vor dem Osterfest im Corona-Jahr 2020.“

Mehr über den Brand und seine Assoziationen in einem Beitrag von Andreas Hagemoser im Kulturexpresso: https://kulturexpresso.de/stadtschloss-brennt-arbeiter-verletzt-humboldt-forum-riesenrauchwolke/

Richtigstellung

Wir müssen darauf hinweisen, dass das Schloss – oder sein Ersatzbau – ‚Berliner Schloss‘ heißt.

Schloss ist die einzig richtige Bezeichnung.

Im übrigen sind wir der Meinung, das der falsche Begriff „Stadtschloss“ zerstört werden muss.

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