Das Leben mit mehr Tiefe betrachten. Die lebensfrohe Kunstausstellung „Miradas del Alma – Blicke aus der Seele“ in der mexikanischen Botschaft

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© 2016, Foto: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Lebenslust und Lebensfreude ist einmal mehr das Thema. Was Carla Juri als Malerin Paula Becker im Film ausdrückt, spüren wir auch in der Ausstellung vieler Künstler in der mexikanischen Botschaft. Warum nur fühlen wir bei denjenigen, die wir als ‚benachteiligt‘ bezeichnen, umso größeren Spaß am Leben? Während reiche Erben ihr Leben mit Alkohol oder Nichtstun ruinieren, genießen viele, die nicht in der „Pole position“ ins Erdendasein starteten, ihr Leben mit der Familie und bleiben durchaus nicht untätig.

Verstehen braucht man das nicht. Ein Teil der Schönheit des Aufenthalts auf diesem Planeten besteht aus den Rätseln und ihrem Auflösen.

Anderes hat man nicht gewusst, sich aber auch nie gefragt. Wo zum Beispiel befindet sich eine der ältesten Institutionen für Menschen mit Down-Syndrom auf diesem Planeten?
In welchem Land ist die größte Kunstschule, die auf diese Menschen eingeht? Wer an die USA, Australien oder die Schweiz denkt, ist genauso auf dem falschen Dampfer wie mit Frankreich oder Dänemark.

Das unbekannte Land

In der Tat ist es Mexiko, das unbekannte Land. Jeder kennt es, da es schon vor der industriellen Revolution ein eigener Staat war und Gründungsmitglied der UN. Doch unser Bild des Landes wird meist von Klischees bedeckt wie von einem Grauschleier oder schlimmer. Viele Menschen haben bis zu ihrem Lebensende nie das wahre Mexiko entdeckt, was bedauerlich ist. Dabei ist es so einfach. Ein Anfang wäre ein Besuch auf der Halbinsel Yucatan; die Lektüre von Büchern oder der Besuch einer Ausstellung wie dieser.

Mexiko ist eine Welt für sich und hält bestimmt für jeden, der mit wachen Augen unterwegs ist, Überraschungen bereit.
Die zu kleine Karte aus der Tagesschau, die Tendenz der Medien, eher über Gewalt zu berichten, denn über alles andere, führen zu einer entstellten Wahrnehmung.

Die Unwissenheit in deutschen Landen ist groß. Mexiko hat vier Zeitzonen! Zugang zu zwei Ozeanen. Kalifornien und Texas waren einst mexikanisch. Das Land ist (immer noch) groß. Die größte Stadt der Welt befindet sich hier: Mexiko-Stadt.

Und eben auch eine Stiftung, in auf der Welt ihresgleichen sucht und nicht findet, die John-Langdon-Down-Stiftung.

Kohle, Öl und Brand

In verschiedenen künstlerischen Disziplinen wird hier gefördert und unterrichtet: Brandmalerei, Kohlezeichnung, Lithographie, Ölbild und Radierung.

44 Ausstellungsorte bisher

Das Programm visueller Kunst dieser Stiftung (spanisch: Fundacion) ist einzigartig und weltweit ohne Parallele. Die in Mexiko geschaffenen Werke sind nicht nur in Nordamerika, sondern auch in Südamerika, Europa und Asien gezeigt worden, in 44 Städten in wichtigen Galerien und Museen.

Landesweite Ausstellungsorte umfassen: Vielfach Mexiko-Stadt (México D.F.); Culiacán, die Hauptstadt des kleinen, westlichen Küstenstaates am Stillen Ozean Sinaloa; die Stadt des ewigen Frühlings Cuernavaca im Binnenstaat Morelos; die Eisenstein-Stadt Guanajuato, bekannt aus dem Berlinalefilm, und Tuxtla Gutierrez im schwer regierbaren Chiapas.
Weitere ‚exhibitions‘ in Nordamerika gab es in Boulder, Calgary (Alberta), Houston und Nashville.

Im weiteren internationalen Radius waren die Bilder unterwegs in Arhus, Berlin, Bern, Djakarta, Genf, Kopenhagen, Lüttich, Madrid, München, Paris, Posen, Rom, Straßburg, Tokio, Warschau; im kunstbegeisterten China in Shenzhen, auf der Insel Hainan, in Kanton und in Peking; in Südamerika Santiago de Chile, Sao Paulo und Río de Janeiro.

Die Stiftung

1972 gegründet ist sie weltweit die erste Organisation dieser Art.
Sie widmet sich den Personen mit Down-Syndrom und ist bemüht, ihnen und ihren Familien sowohl durch Erziehung und Weiterbildung als auch durch ärztliche und psychologische Betreuung vom Säuglings- bis zum Erwachsenenalter eine bessere Lebensqualität zu bieten.

Down lifts up!

In eigenen Worten: Die Ausbildung eröffnet die Türen zu einer erfüllten Welt großer Verwirklichungen, dadurch werden sämtliche Fähigkeiten des Menschen gefördert – die künstlerischen sind da keine Ausnahme.
„Menschen mit Down-Syndrom lassen uns das Leben mit mehr Tiefe betrachten. Wenn wir mit ihnen zusammenleben, können wir ihre Art, die Welt zu begreifen, erleben.“

Ein Lichtblick

„Wir erleben sie als ein strahlendes Licht, als einen Lichtblick, welcher uns hilft, die Werte unseres Lebens neu zu überdenken und zu gewichten.“

Die Motive und Bilder

Vom Ausstellungsplakat bekannt sind rotgelbe Wesen mit vier Beinchen und Schwanz, die eine blaugrüne Wand emporzukriechen scheinen. Es sollen Kaulquappen sein. Mit diesem Wissen erkennt man leicht das durch Fische geformte Wasser in seinen je nach Lichteinstrahlung natürlichen Farben.

Unter den Linolschnitten ein Stier mit seinem Antagonisten, dem Stierkämpfer. Der Schnitt von Rodrigo Zamorano aus dem Jahr 2007 zeigt eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen dem Kämpfer und dem Tier. Sehenswert.
Zu finden unter den anderen Linolschnitten in der Nähe des Fensters an der Südwand. 50 auf 34 cm.

Erik Alcantara fertigte 2011 mit Brandmalerei auf Holz eine Figur. 34 auf 30 cm.

Venado Galkero wählte als Motiv Pferde, den Blick eines Leoparden und eine präkolumbische Hahnenfigur. „Caballos“. „Mirada de leopardo“. „Gallo Cuauhtemoc. Figura prehispanica“.

Auch Erika Navarro haben es die kräftigen Vierbeiner und Vegetarier angetan. Ein Motiv, das aufgrund der langen Küstenlinien Mexikos nicht selten zu finden ist: „Pferd am Strand“ (Horse on the Beach).

Die Schönheit und den Traum vom Fliegen macht Lorenz Velez sichtbar: „Monarchschmetterling“. 2009.

Darunter: „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte“ von Erika Navarro. Öl auf Leinwand, 2013. Das Vorbild, „Un dimanche après-midi à l’Ile de la Grande Jatte“ von Georges Seurat (1884-1886), hängt im Museum der gleichnamigen Schule „School of the Art Institute of Chicago“ (SAIC).

Jeder kann sicherlich in dieser Ausstellung etwas für sich entdecken, das ihn weiterbringt, etwas neues, einen ungewohnten Blickwinkel.

Ausstellungsdaten und -zeiten

Ausstellung „Miradas del Alma“ der Mexikanischen Schule für Künstler mit Down-Syndrom (Escuela de Arte Down = EMAD) der Stiftung „Fundación John Langdon Down“ in der Botschaft von Mexiko im Rahmen des Dualen Jahres Mexiko-Deutschland.
Ort: Mexikanische Botschaft, Berlin
Adresse/Anschrift: Klingelhöferstraße 3, 10785 Berlin (Berlin-Tiergarten
, Diplomatenviertel, ehemals Berlin 30)
Die Klingelhöfer-Straße ist die Verlängerung der südlichen Ausfallstraße von der Siegessäule, der Hofjägerallee im Großen Tiergarten.

ÖPNV: Fernbahnhof Zoologischer Garten
BVG: Bus 100, 106, 187 und 200 bis Nordische Botschaften/ Adenauerstiftung oder Bus M29 bis Lützowplatz

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 17 Uhr bis Samstag, den 14. Januar 2017

Veranstalter: Botschaft der Vereinigten Staaten von Mexiko in der Bundesrepublik Deutschland (Embamex), seit dem 1. Dezember 2016

Weitere Informationen zur Stiftung: www.fjldown.org
Weitere Informationen zur Kunstschule: http://www.fjldown.org/emad

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