Direktberichterstattung von einer Weltnetzpremiere: Eine Berliner Melange aus Narzi und SS mit C:Ovid-19-Klimbim – „Metamorphosen“, Science-Fiction-Theater auf der Berliner Marmorbühne

Eine Ansicht der Volksbühne Berlin (Archivbild). Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Vorhang auf und Film ab zu „Metamorphosen [overcoming mankind]“ angeblich nach Ovid & Komplizen! Claudia Bauer als Regisseurin machte sich angeblich „mit ihrem Ensemble & Kompliz*innen“ (Eigenschreibweise) „auf die Suche nach alten und neuen Erzählungen über das Menschsein“. Schaun mer mal, dann sehn mer scho.

Eine perückte Frau predigt. Sie sei „übrigens Gott“. Wenn das keine Schöpfungsgeschichte ist, was dann? Ein Auftritt von Karl Lagerfeld oder oder irgendeiner Nullnummer auf der Berlin Fashion Week. Berlin bitte very british aussprechen.

Gott schreit Darwai und schon geht’s flott los. Tanztheater, Türen öffnen sich. Toll?! Die Band spielt vom Band, Videoband. Maskenmenschen hoppel über einen Boden, der an den Marmor der Reichskanzlei erinnern. Nächster Halt: Mohrenstraße?

Apokalyptische Russenpolka.

Nun wird aus der Geschichte Apoll und Daphne zitiert. Ich ahne. Ein Happy End wird es nicht geben.

Finger einer besonders blonden, ja, atomisch blonden Tippse tanzen über die Tastatur einer „Torpedo“-Schreibmaschine.

Weiter geht`s mit Ovid und einer Geigenfeige oder ist das ein Lorbeer?

„Triumpf, Triumpf, Triump“ heißt es und das hätte zur Schreibmaschine gepasst als zu Pan, dem Erfinder der Flöte und Namensvetter der Panik. Willkommen in der German Angst an einer antideutschen Bühne, auf der Schubkarren geschoben werden. Wahnsinn „für immer, für immer, für immer, für immer“.

Hosenlatzmusiker geben ihr Bestes, während sich Artemis im Kleid in einer Komplett-Duschkabin, man mag auch Fertigdusche sagen, naß macht.

Was fehlt zum Gott des Waldes und der Jagd? Richtig, ein Geweih. Das wird nun über den angeblichen Hitler-Marmor gehoben. Hurra!

Nebenbei wird ein Klavier auf den roten Dolomitmarmor geschoben, der in Wirklichkeit aus Thüringen. Dieser deutsche Marmor war für die U-Bahnstation Ernst Thälmann gedacht. Lang,lang ist`s her.

„Ich willm ein Schamgefühl überwinden und von Deinen Verbrechen reden“, wird jetzt wiederholt gesagt, während Tereus, Sohn des Ares und König der Thraker eine Runde Verstümmelt spielt. Schauriger Schauder. Die Frau trägt Handschuhe und Söderlappen über der Maske.

Mit kommen Anni und Gerda mit „Mutter, ach Mutter, was hab‘ ich getan“ in den Sinn. Von Verstand will ich nicht schreiben. Richtig, die Suche nach der Seuche „Wo ist mein Sohn Itis“ beginnt. Sturm zeiht auf. Drang, Harndrang macht sich bemerkbar. Brusthaar wird gezeigt. Scheiß` drauf, aber voll. Ach, könnten wir nur alle die Kräfte der Analität für die Revolution gewinnen.

„Ein Vogel wollte Hochzeit machen… Fideralalala.“ Weiter geht`s mit dem Wiedehopf, der in seinen Suppentopf fiel. Nein, Narziss. Wir ahnen, dass diese Berliner Melange aus Narzi und SS ein unsegliches Ende nehmen wird.

Und weil der Mensch kein Mensch ist, sondern „immer nur ein Bild“ in einer Welt, „die aus Bildern gemacht ist“.

Lady Lampe steht x-beinig einer safrangelben Blume gleich auf dem Rotmarmor und wird von einer Puppe mit einer Puppe umtanzt. Wie Divers ist dass denn?!

Darf man eigentlich noch „zwitterhaftes Wesen“ schreiben?

„Männer mögen enge Frauen“, heißt es und ich bin wieder voll da. Ein halbes Dutzend Schauspieler – wie von Anfang an unter einer Perücke und hinter einer Maske – , „tanzen“ über den Marmor, als hätte das Ministerium für alberne Tanzarten die Regie übernommen.

Gut, dass die nun alle eingetütet werden und die letzte das Licht ausmacht.

Nein, nur grün.

„Die Bäume“ seien „die Ursuppe der Erde“, sagt ein, ja, ein Mann im Unterhemd. „Es gibt einen Zusammenhang von Adipositas und Kapitalismus“, weißt er zu sagen und wirft sich „ins Wachsen“.

Kommt jetzt das Kettensägenmassaker? Er, die selbsternannte „gierigste Pottsau“, hantiert mit einer Stihl, dann schreit er „großkapitalistische Fettsau“.

Nun tanzen Mösen und Titten. Will Mann mehr?! Ja, mal wieder Philippine Bausch tanzen sehen. Ein frommer Wunsch. Die 1940 in Solingen geborene Tänzerin verstarb 2009 in Wuppertal.

Doch jetzt kommt Helena, die aus einem Ei entsprungen sei, dass ihre Mutter, die von einem heiligen Schwan vergewaltigt wurde, legte. Und dann muss sich „die schuldige Hure Helena“ auch noch in einer Art Germany`s Next Topmodel gegen Athene und Hera durchsetzen.

Ein fotziger Schwan mit Körbchengröße 102 ZZ brennt und erzählt uns was von Eisen, Gold, Öl und Gas.

„Man lebt vom Raub“ und „die Nächstenliebe“ würde „am Boden“ liegen. Lustig geht das Zigeunerleben im Stellungskrieg und Grabenkampf zu Grunde.

„Pharma, die Göttin des Gerüchts“, wird nun besprochen.

Ein langhorniger Jungfrauen und Jünglichfresser läuft nur durch das Wohnzimmer Erde wie ein Stier, dass auf der Suche auf einem „geilen Bückstück“ scheint.

Mit 8 Milliarden Menschen auf diesem Planeten sei ein goldiges Leben für alle nicht mehr möglich – für uns schon mal gar nicht -, deswegen müsse die Menschheit reduziert werd. Die neue, alte Weltordnung, wie sie bei Ovid blabla, müsse her.

„Die haben sich eine Seuche gebastelt“, in „geheimen Laboratorien“, um die Menschen zu reduzieren. Ach, wie aktuell. Mit Kinderblut muss es weitergehen bis zu C:Ovid-19!

„Die Welt spalte“ sich in „Aufgewachte und Mitläufer“, heißt es. Und Hänsel und Gretel. „Die Erde ist nicht rund, die Erde ist eine Scheibe, die Erde ist ein Ei“, lautet der Chorgesang.

Da hat der Kopf mal Pause in den Ruinen von Anthropozän und Kapitalozän. Viren frei für den Tentakeltanz. Selten sowas gesehen.

Dazu das Geschwätz einer Bohnenstange, die keine Perücke und keine Maske trägt, von einem Übergang von Herrschaft zur Teilhabe, von Unterwerfung zum schöpferischen Tätigsein und anderem Gutmenschengeraune.

Nun schreit Phaeton nach dem Sonnenwagen. Auf der Bühne gehen die Gäule auf Drehstühlen los. Gewagt, gewagt. Rauch steigt auf. Geschrei!

Und dann wird auch noch ein Antlitz vergraben an „einer Jupiter geweihten Eiche“, es muss sich um eine deutsche handeln.

Fehlt nur noch ein Titan. Statt einen Torwarttitan wie Kahn wird Atlas ins Gespräch gebracht. Galaktisch wird`s nun, das.

„Ein Meer ohne Ufer“, heißt es, und das Stück ist nicht gemeint. „Niemand kann der Seuche noch beikommen.“

„Der Mensch oder what ever, fuck“, „willkommen Kabarett!“ Auf der Bühne wird gesungen, musiziert und getanzt in „Kostümen der Schmetterlinge der Unwahrscheinlichkeit“.

Fünf Minuten vor Schluss wird „Willkommen beim Vergessen von Texten…“ gerufen und dann: „Gebt uns Probleme und wir retten Euch die Welt.“

Die Bühne wird blau beleuchtet „zum großen utopischen Schlussbild“. Und sie dreht sich doch mit den Göttern.

Und der größte Gott im Hintergrund ist …, aber sehen Sie selbst.

Was in dem theatralischen Mischmasch auf Marmor fehlt, das ist nur die Sternchen-Sprechpause. Ansonsten war mal wieder jeder Mumpitz mittenmang.

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