Eine Überdosis Liquid Ecstasy – Zum Film „Darkroom – Tödliche Tropfen“ von Rosa von Praunheim

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Szene mit Lars aus dem Film "Darkroom - Tödliche Tropfen" von Rosa von Praunheim. © missing FILMs

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Anruf bei Bastian. Der liegt da. Der Anrufbeantworter springt an. „Wir machen uns alle große Sorgen.“ Harter Schnitt. Kriminalgericht Berlin-Moabit, 2010. Prozeßbeteiligte einer Strafsache treten in einen Saal, auch Lars mit Pflaster am Hals.

Und wieder ein harter Schnitt. Rückblende. Dieses Mal Lars als ein dauerhaft Fixierter in der Justizvollzugsanstalt Moabit. „Ich habe zweimal versucht, mir das Leben zu nehmen“, ertönt es aus dem Off. Dann plaudert Lars mit einem Justizvollzugsbeamten, der ihm das Essen brachte, über Gärten und Gemüse. Lars lullt den Wächter ein und rammt sich ein Plastikmesser in den Hals. Wer`s mag.

Auf jeden Fall beginnt so der Film „Darkroom – Tödliche Tropfen“ von Rosa von Praunheim, der „nach einer wahren Begebenheit“ geschrieben, geschauspielert, gedreht und geschnitten worden sei.

Lars, Pfleger und angehender Lehrer, sieht sich als ehrlicher und zielstrebiger junger Mann, der einen anderen Mann liebt und „Penisse frühstückt“. Im Tiergarten, in dem gefickt und geblasen wird, dass sich die Bäume biegen, wird er gefrühstückt. Und er bekommt ein, zwei, drei Tropfen als Vorspeise auf die Zunge. GBL.

Das Blasen von Hasen geht auch in Bus und Bahn weiter. Berlin kann so schön schwul sein! Die Provinz anscheinend auch. Jedenfalls 2003 im Madame, einer Nachtcafé genannten Schwulenkneipe in Saarbrücken, wo Bastian im Schlüpfer die Säge in einer Schwulenband geigt, Manuel die Triangel schlägt und Roland die Laute, und Hodenhasen am Tresen hocken.

Dann folgt er Roland nach Berlin. Sex Jahre sind die beiden großen Jungs schon in der großen Stadt zusammen. Vor Gericht muss Lars zugeben, dass er weder die Prüfung als Altenpfleger bestanden hat, noch die Zulassung zur Freien Universität ehrlich erworben wurde.

Ernsthaftigkeit und Erwachsenensein muss nicht einkehren bei dem großen Jungen, denn Lars, der auch auf Langfinger macht, aber nicht habgierig ist, hat wohl nicht nur ein zerbrochenes Herz, sondern auch Geld geerbt. Doch Ausschläge seines Gemüts kann das Geld nicht glätten.

„Darkroom“ war am 20.1.2020 Eröffnungsfilm auf dem Festival Max-Ophüls-Preis und bekam am 30.1.2020 in Frankfurt am Main noch eine „Premiere“. Die einfach erzählte Geschichte mit manchen Rückblenden, die Ereignisse im Leben und Werk eines schwulen Serienmörders im ehrlichen Filmküchenstil zeigt, ist weniger ein Kriminalfall, auch wenn im Gerichtssaal Anklage, Verteidigung und Aufklärung betrieben werden, als vielmehr ein Beziehungsdrama, durch das der Tod tropft.

Filmographische Angaben

  • Originaltitel: Darkroom
  • Staat: BRD
  • Jahr: 2019
  • Regie, Buch, Produktion: Rosa von Praunheim
  • Kamera: Lorenz Hamann
  • Ton: Malte Audick
  • Schnitt: Mike Shephard
  • Musik: Heiner Bomhard, Andreas Wolter, Lars Niekisch
  • Hauptdarsteller: Bozidar Kocevski (Lars), Heiner Bomhard (Roland), Katy Karrenbauer (Staatsanwältin), Bardo Bödefeld (Bastian), Lucas Rennebach (Manuel), Christiane Ziehl (Großmutter), Christian Dieterle (Richter)
  • Dauer: 89 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 16

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1 KOMMENTAR

  1. „Die einfach erzählte Geschichte mit manchen Rückblenden, die Ereignisse im Leben und Werk eines schwulen Serienmörders im ehrlichen Filmküchenstil zeigt, ist weniger ein Kriminalfall, auch wenn im Gerichtssaal Anklage, Verteidigung und Aufklärung betrieben werden, als vielmehr ein Beziehungsdrama, durch das der Tod tropft.“ … und ein Schuss Tuntigkeit!