Enis Maci bei den Autorentheatertagen 2019 im DT

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Vorhang auf, Bühne frei. Und immer schon fair.
Vorhang auf, Bühne frei. Und immer schon fair. Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Enis Maci, 1993 in Gelsenkirchen geboren, scheint auf dem besten Wege, Kultstatus an deutschsprachigen Theatern zu erlangen. Maci hat mehrere erfolgreich uraufgeführte und nachgespielte Stücke geschrieben, ist Hausautorin am Nationaltheater Mannheim, erhielt einige Preise, und im Suhrkamp-Verlag ist ein, ebenfalls preisgekrönter, Essayband von ihr erschienen.

Besonders beeindruckt zeigen sich Kritiker*innen von Enis Macis Arbeitsweise. Die Autorin sammelt Textstellen im Internet, ergänzt sie und fügt sie zu authentisch wirkenden Texten zusammen, denen präzise und umfangreiche Quellenverzeichnisse folgen. In Macis Essayband erstreckt sich die Liste der Nachweise über mehr als 15 Seiten und präsentiert eine bunte Mischung von Youtube über private Emails bis zu anspruchsvoller Literatur.

Auch die Stücke von Enis Maci sind derart collagiert, und in „Mitwisser“ spielt die digitale Kommunikation eine anscheinend wesentliche, wenn auch nicht klar erkennbare Rolle.

Regisseur Pedro Martins Beja, der die Uraufführung am Schauspielhaus Wien inszeniert hat, schien es vor allem darum zu gehen, dem Publikum die immense Bedeutung des Stücks einzuhämmern.

Die Texte, vom Ensemble überakzentuiert zerschrien, sind kaum verständlich und werden zudem von dröhnendem Beat zerstampft. Immerhin wird deutlich, dass es um drei Verbrechen geht, die an drei weit voneinander entfernten Orten geschehen sind und die nichts miteinander zu tun haben: In einer Kleinstadt in den USA erschlägt ein junger Psychopath seine Eltern und gibt anschließend eine Party für seine Whats-App-Gruppe. In einem Dorf in der Türkei erschießt eine junge Frau den Mann, der sie vergewaltigt und terrorisiert hat, enthauptet ihn und wirft seinen Kopf auf den Marktplatz, und in Dinslaken entdeckt ein arbeitsloser Kleinkrimineller den Salafismus und zieht in den Dschihad.

Bei jedem dieser Kriminalfälle gibt es Mitwisser, die, anstatt das Verbrechen zu verhindern, den Täter zu seiner Untat angestachelt haben. Das ist nicht ungewöhnlich, und das Phänomen der Mitwisser und Mitschuldigen in der realen wie in der virtuellen Welt ist häufig Thema in den Medien und in der Literatur. Neue Erkenntnisse dazu finden sich in Enis Macis Stück nicht. Hier sind viele Details aneinander gereiht, die keine Geschichte ergeben und zu keiner Aussage führen.

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