Geschaffen im „Arsch und Friedrich“ – Zur Nürnberger Punkband Akne Kid Joe

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Akne Kid Joe. Die große Palmöllüge. © Tante Guerilla

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die junge Nürnberger Punkband Akne Kid Joe gibt es erst seit April 2017, als Matti seine Freund*innen Sarah, Peter und Sven in der Kneipe „arsch&friedrich“ rekrutierte. Seit 2019 trommelt Rocky.

Nun erschien vor kurzem bereits ihre zweite LP.

Die Songs „Sarah (Frau, auch in ner Band)“ und „What AfD thinks we do“ sorgen kurz nach den Video Release bereits viral für Furore.

Besonders „Sarah (Frau, auch in ner Band)“ trifft den Nerv der Zeit wie die Faust aufs Auge. Im Song geht es um Frauen im Musik-Business.

In „What AFD…“ nehmen AKJ die gruselige Rechtsaußen-Mär von der bezahlten Antifa sehr elegant auf die Schippe und fabulieren über ihre „Antifa-Tarifverträge“.

Allgemein besticht die Band durch intelligente Texte und die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können.

Die meisten Titel singt Matti. Er klingt wie ein im Großen und Ganzen heiserer, netter Psycho.

Nun erschien ihr zweites, ausgesprochen großartiges Album „Die große Palmöllüge“. Bereits im Intro der LP geben sie das Motto vor: Sie sind wütend. Wütend über alles.

Frank Willmann sprach für mit Sarah und Matti

Seid ihr eine Band für Intellektuelle?

Ja, wir verteilen vor jedem Konzert IQ-Tests und alle, die durchfallen, müssen draußen warten, bis der Gig vorbei ist.

Ok, ernsthaft: Nein natürlich nicht! Unsere Texte sind jetzt nicht sonderlich schwer verständlich. Wenn das jemand nicht versteht mangelt es evtl. nicht an Intelligenz, sondern eher an Moral.

Wie wichtig ist Politik auf eurer heißen Scheibe? Worum geht`s?

Wir grasen inhaltlich ein einigermaßen breites Spektrum ab. Es geht z.B. um rechte Verschwörungstheorien, um mangelnde Diversität auf Bühnen, dem idiotischen Festhalten an diskriminierendem Sprachgebrauch „weil das halt schon immer so war“, die Frage inwiefern gewisse Berufsgruppen ihren Alltag mit einem sozialen Werte- & Normenbild vereinbaren können und ein bißchen Kapitalismuskritik haben wir auch untergebracht.

Sarah, wie kam es zum Song „Sarah (Frau, auch in ner Band)“?

Seitdem ich bei AKJ spiele werde ich immer wieder darauf angesprochen, wie das denn so ist, als Frau in einer Band zu sein. Ich hatte mir dazu anfangs überhaupt keine Gedanken gemacht, irgendwann habe ich mich das dann aber auch gefragt, ja wie ist das eigentlich? Und warum hat es überhaupt so lange gedauert, dass ich selbst in einer Band spiele, obwohl ich mich schon seit ewig für die Punkszene interessiere und auf Konzerte gehe? Inzwischen denke ich, dass es zu einem großen Teil daran lag, dass ich kaum weibliche Vorbilder hatte. Und dass das nach wie vor so ist, merke ich daran, dass mich nach Konzerten oft Frauen ansprechen, die mir ähnliches berichten.

Was bedeutet es für dich, Feministin zu sein?

Für mich bedeutet das, dass alle Menschen gleichberechtigt und frei ihr Leben so gestalten können, wie sie es für richtig erachten. Es ist sozusagen der Gegenentwurf zum reaktionären Treiben von rechts.

Wo wurzelt der Song über euren Antifa-Tarifvertrag?

Die Verschwörungstheorie, dass linke Demonstrierende für ihren Protest finanziell entlohnt werden, wird ja seit längerem von AfD und Co. geschürt. Also Stichwort „Demogeld“ – wenn irgendwo eine rechte Demo stattfindet, würden die Leute, die dagegen demonstrieren mit einem Stundenlohn bezahlt. Wir nahmen dieses Märchen zum Anlass, um eine Persiflage daraus zu machen, die klar aufzeigt, wie schwachsinnig es ist.

Wie beantwortet ihr die Gretafrage?

Wer jetzt noch den Klimawandel leugnet, ist an Ignoranz nicht zu überbieten. Dass es ein 17-jähriges Mädchen braucht, um der Welt diesbezüglich die Augen zu öffnen und dass diese dann auch noch von Klimaleugner*innen aufs asozialste beleidigt wird, ist wirklich beschämend.

Ihr werdet von diversen Kritikern als Auferstehung des Punk gefeiert, isses schon soweit?

Nach der Gretafrage also die Gretchenfrage ob Punk tot ist? Wenn wir als die Heilsbringer*innen gesehen werden, freut uns das natürlich – ist aber schon auch krass übertrieben. Es gibt schon echt viele gute Bands, die zeigen, dass nicht alles scheiße ist, was sich Punk auf die Fahne schreibt.

Wo verortet ihr eure musikalische Zukunft? Vorband von Campinos Rentnerband?

Ob das musikalisch so passt mit den Toten Hosen? Deren Tendenz geht zunehmend Richtung Schlager. Wir lassen einfach alles auf uns zukommen.

Spielvereinigung oder FCN?

Auf keinen Fall FCN!

Live Terminehttps://aknekidjoe.com/concerts 

Vorbestell-Links:

LPhttps://tanteguerilla.com/Akne-Kid-Joe-Die-grosse-Palmoelluege-LP-MP3 (15,90)

CDhttps://tanteguerilla.com/Akne-Kid-Joe-Die-grosse-Palmoelluege-CD (13,90€)

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