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„Ich will ein deutscher Dichter werden.“ (Erich Fried) – Zum Dokumentarfilm „Friendly Fire“ von Klaus Fried über seinen Vater

Foto aus dem Film "Friendly Fire" von Klaus Fried über Erich Fried. ©

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Mit den Worten „Worte bleiben, Gefühle, Gedanken, Wissen und Angst. Zorn bleibt und Widerstand und keine Ruhe. Und Wünsche bleiben, auch einfache Wünsche für Menschen, sehr nahe und unbekannte, und Hoffnung auf eine Zukunft. Einiges bleibt nach dem eigenen Bleiben. Die ganze Welt soll bleiben, oder bleibt nichts?“ beginnt der Film „Friendly Fire“. Bevor der Film zu sehen ist, ist er zu hören.

Zu sehen ist ein Friedhof und zu hören ist eine, der „Dad, sag. Der Mann heißt Klaus Fried. Er steht mit einem anderen Mann vor dem Grabstein von Erich Fried. Auf dem steht nicht nur desen Name, sondern das Wort Dichter. „Frau Fried, ihr Mann ist leider gestorben“, sind die ersten Worte, die ich auf Deutsch höre. Sie kommen von der Frau, die mit Erich Fried verheiratet war. Daß der Film ein Dokumentarfilm ist, das hört und sieht man in den ersten Minuten.

Dann klappt eine Film-Schindel und Erich Fried taucht auf, auf einem Friedhof. Erich Fried mit Brille und Stock. Er starb am 22. November 1988 in Baden-Baden.

Neben Klaus Fried taucht auch Tom Fried auf und eine Halbschwester, die von Auschwitz spricht. Lustig wird es einmal, als der Führer rückwärts fährt.

Ein Satz fällt auf: „Erich respektierte überhaupt nichts!“ Dann liest man: „Ungerechtigkeit gegenüber Minderheiten. Ungerechtigkeit gegenüber den Arbeitslosen. Ungerechtigkeit der Polizei gegenüber den Arbeitern.“

Daß das Leben einer Großmutter von Erich Fried in Theresienstadt endete, das erfährt der Zuschauer und Zuhörer in diesem Dokumentarfilm und auch, daß der am 6. Mai 1921 in Wien geborene Junge mit einem Kindertransport ins VK. Erich Fried wird während einer Fahrt durch London mit den Worten „Ich bin Österreicher. Und ich erlaube es Hitler nicht, mir das zu nehmen“ zitiert. Darauf folgt: „Und in England sagte ich zu mir: ‚Ich will ein deutscher Dichter werden.“

Dazu paßt das Gedicht „Ça ira?“ von 1983:

„Die Verbrechen von gestern
Haben
die Gedenktage
an die Verbrechen von vorgestern
abgeschafft.

Angesichts
der Verbrechen von heute
machen wir uns zu schaffen
mit den Gedenktagen
an die Verbrechen von gestern.

Die Verbrechen von morgen
werden uns Heutige
abschaffen
ohne Gedenktage
wenn wir sie nicht verhindern.“

Dieses Gedicht wird in Deutsch und Englisch vorgetragen.

Allerlei wird vorgetragen und gezeigt. Allerlei in einer Doku, die Erich Fried zum Thema hat, aber ein undurchdachtes, ein ungeordnetes, ein unruhiges Sammelsurium ist. Krieg in Vietnam, Krieg im Nahen Osten, sogar der Krieg der Roten Armee Fraktion wird in diesen Film gekippt wie Müll auf Müll, der zu einem Berg anwächst. Selbst vor Astrid Proll, Heiner Müller und Michael Kühnen macht der Filmemacher nicht halt. Erich Fried kam mit vielen in Kontakt und viele mit Erich Fried.

Die Weltpremiere der Doku „Friendly Fire“ fand auf dem DOK.fest (Eigenschreibweise) München 2025 statt. Der Dokumentarfilm war der Eröffnungsfilm.

Filmographische Angaben:

  • Titel: Friendly Fire
  • von und mit: Klaus Fried
  • Realisation:Julia Albrecht
  • Bildgestaltung: Ralf Ilgenfriz
  • 2. Kamera: Matthias Kreitschmann
  • Zusätzliche Kamera USA: René Jung
  • Zusätzliche Kamera London, VK: Anna Josefine Schotola
  • Montage und Sounddesign: Julia Albrecht
  • Tonschnitt/ Sounddesign Mischung: Adrian Lo
  • Produzenten: Gunter Hanfgam, Ralph Wieser, Andrea Ufer

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