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Moppy statt Bootsmann – Großmutter mit Murksel und ein Fischer ohne seine Frau in der Literaturverfilmung „Das Sommerbuch“

Eine Szene aus der Literaturverfilmung: "Das Sommerbuch". © Free Range Films / Stille Productions

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eis., Meer, Küste, Kälte, Wellenschlag. Eine Hütte aus Holz. Ein Haus im Schnee am Meer. Mit diesen Bildern beginnt ein Filmdrama von Charlie McDowell, daß den Titel „The Summer Book“ (deutsch: „Das Sommerbuch“) trägt.

Ein Schnitt und schon ist Sommer. Eine erste Assoziation: „Ferien auf der Kräheninsel“. Doch weder laufen Bootsmann, ein Bernhardiner, mit Tjorven, Stina und Pelle über die Kräheninseln noch wurde auf den Inseln Norröra und Söderöra, die zum Königreich Schweden gehören, gedreht. Dem Drehbuch von Robert Jones lag das Kinderbuch von Astrid Lindgren nicht zu Grunde, dafür der Roman „Sommarboken“ (deutsch „Das Sommerbuch“) von Tove Jansson.

Sophia, neun Jahre jung, verbringt mit ihrer Großmutter und ihrem Vater, einem Fischer, einen Sommer auf einer kleinen Schäreninsel der Republik Finnland.. Die Mutter ist nicht dabei. Sie ist tot. Gelacht wird wenig, gerudert wird viel. Geredet wird auch wenig. Anders formuliert: Der Fischer spricht so viel wie die Fische.

Und Sophia? Eine zweite Assoziation: Sie wirkt wie die Murksel genannte Angela Merkel, nur Jahre jünger.

Sophie badet, schläft mit Großmutter im Bett, schlägt die Zeit tot und sieht Geister nicht nur im Zauberwald und ein rabenschwarzes Kätzchen, Moppy genannt. Zu den Szenen im Zauberwald und weiteren paßt die von der Pianistin und Sängerin Hania Rani komponierte Musik, genauer: Klaviermusik wie der Stock zum Spaziergang, die dritten Zähne und das Grammophon zur Großmutter. Gut, daß es kein Telephon gibt, aber die eine oder andere Weisheit über Selbstmitleid.

Ein Hingucker sind die Blumenkränze auf Großmutter und Murksel, aber auch die Regentropfen.

Nebenbei bemerkt: Nicht jeder Witz zündet, auch nicht jede Rakete. Auf Granit und Gneis einen Baum zu pflanzen grenzt ans Hirnlose, hat aber Humor wie die Nacktwanderung – nicht Nachtwanderung – von Großmutter. Gott und ein Gewitter kommen obendrein im Film vor, der mehr einer Aneinanderreihung von schönen Landschaftsbildern und keiner Erzählung gleichkommt. Vieles verblaßt, auch die Erinnerung an diesen durchaus sehenswerten Film.

Filmographische Angaben:

  • Originaltitel: The Summer Book
  • Deutscher Titel: Das Sommerbuch
  • Originalsprache: Englisch
  • Produktionsstaaten: VSA, VK, Republik Finnland
  • Erscheinungsjahr: 2024
  • Regie: Charlie McDowell
  • Drehbuch: Robert Jones
  • Kamera: Sturla Brandth Grøvlen
  • Schnitt: Jussi Rautaniemi
  • Musik: Hania Rani
  • Darsteller: Glenn Close als Großmutter, Anders Danielsen Lie als Vater, Emily Matthews als Sophia, Ingvar Sigurðsson als Eriksson, Pekka Strang als Mr. Malander, Sophia Heikkilä als Mrs. Malander
  • Produzenten: Aleksi Bardy, Glenn Close, Kevin Loader, Kath Mattock, Charlie McDowell, Duncan Montgomery, Alex Orlovsky, Helen Vinogradov
  • Ausführende Produktion: Lily Collins, Jack Selby, Rick Covert, Victoria Castelli, Arthur Farache, Niki Leskinen, Petri Kemppinen, Ari Tolppanen, Magnus Thomassen, Harald Fagerheim Bugge
  • Koproduktion: Dyveke Bjørkly Graver, Andrea Berensten Ottmar
  • Länge: 95 Minuten
  • Anmerkung: Die Weltpremiere fand beim BFI London Film Festival und die Deutschlandpremiere auf dem Filmfest München 2025 statt.
  • Kino in der BRD: ab 25.6.2026 im Kino

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