Ist Metall mehr als Musik? – Zum Buch „Metalmorphosen. Die unwahrscheinlichen Wandlungen des Heavy Metal“ von Jörg Scheller

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In der Hand das Buch "Metalmorphosen. Die unwahrscheinlichen Wandlungen des Heavy Metal" von Jörg Scheller. © 2020, Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Besonders bunt, mit vier Händen und dem Titel „Metalmorphosen. Die unwahrscheinlichen Wandlungen des Heavy Metal“ liegt das 286 Seiten umfassende Buch von Jörg Scheller aus dem Franz-Steiner-Verlag vor mir. Metal oder auch Heavy Metal bezeichnet sowohl eine Szene der (Sub-)Kultur, als auch eine Musikrichtung, die nicht nur von den „Metallern“ gehört wurde. Vor allem Weicheier aus dem Klein- und Großbürgertum fühlten sich von der vordergründigen Härte, in der sich mitunter auch Melancholie und nicht nur viel schrille Fantasie verbarg, magisch angezogen.

Die Metal genannte Musik schwappten Anfang der 70 Jahre des 20. Jahrhunderts aus dem Hard Rock und dann aus den Unterschichten des gepriesenen wie auch belogenen und betrogenen Proletariats im Vereinigten Königreich (VK) von Großbritannien mit dem immer noch besetzten britischen Ulster auf der Irland genannten Insel nach hüben auf den europäischen Kontinent und nach drüben in die VSA.

E- und Bass-Gitarre, Schlagzeug und Keyboard gehörten zur Ausstattung der „Aussteiger“ (und wenn nur für ein paar Stunden) und immer auch ein Mikrofon für das, was gemeinhin als Gesang gilt. Verstanden habe ich davon schon früher wenig, doch darauf kam es (mir) nie an. Vor allem nicht in den verschiedenen Stilen, die auch in Richtung Hirnlos und Hassvoll sowie Politnik bis hin ins Prophetische gingen. Wichtig war immer auch die Lautstärke, um den leisen Lärm einer Welt der Ware und des Spektakels, die Klänge von Konsum, Konkurrenz und Krieg, die einem von den „Lehrern“ nicht nur an den (Grund- bis Hoch-)Schulen in die Ohren und Augen und also in den Kopf „geprügelt“ wurden, sondern auch an den Schulen im weiteren Sinne (die mit Presse und Politik noch lange nicht umrissen sind).

Meine Zeit war geprägt vom Britmetal, auch wenn es Amis, Deutsche und auch Nachfolger von Wikingern und solche, die sich dafür hielten, gab, die in die Saiten schlugen, auf die Felle trommelten und in die Tasten hauten.

Jörg Schiller, ein Professor für Kunstgeschichte an der Zürcher Hochschule der Künste, der schreiben und musizieren kann – wohl auch Metal mächtig gewaltig –, hat sich viel mehr Gedanken über die Geschichte und Gegenwart gemacht und diese zu Papier gebracht, als ich hier und heute. Er scheint der Anschauung zu sein, dass auch Manager und also Handlanger vor allem der Geldkapitalisten, Pfaffen und Feministinnen dem Metall „etwas abgewinnen können“. Kann sein, kann einem aber auch egal sein, was großgewordene Ponyhof-Kinder treiben, wenn sie keinen Betrieb machen. Alles kann halt zur Ware und also ausgestellt und ausgestopft werden, nicht nur eine Gans.

Dass Schiller mit seinem Scheiß auch Geld verdient, er wird vermutlich davon schwätzen, dass er sein Hobby zum Beruf gemacht habe, verrät auch das Inhaltsverzeichnis. Erstens und zweitens und vor allem in Zahlen wie beispielsweise 2.7 und so weiter steht dort und dahinter so Geschwurbeltes wie „Hautfarbe und Hip-Hop“, „Punk, Pluralismus und“ statt Blabla „bleierne Moderne im klassischen Metal“. Wenn man dann noch die „musiktheoretische Analyse“ wie „Behemoth – O Father O Satan O Sun!“ liest, dann möchte man sich das Kacken auf den Klohuwabohu nicht verkneifen. Jeden noch so inhaltslosen Hirnfick kann man in einen Topf wichsen, umrühren, aufkochen, auflöffeln und auskotzen. Mehr ist Philosophieren nicht. Man kann daraus auch Musik machen. Metal zum Beispiel. Oder ein Buch.

Dennoch – keine Frage – kann man in dem Buch auch schmökern und es dann ins Regal stellen, die bunte Titelseite nach vorne.

Bibliographische Angaben

Jörg Scheller, Metalmorphosen, Die unwahrscheinlichen Wandlungen des Heavy Metal, 286 Seiten, 17 s/w-Fotos, 6 farbige Fotos, zahlreiche Notenbeispiele, Kartoniert, Verlag: Franz-Steiner-Verlag, Stuttgart, 2020, ISBN 978-3-515-12638-0, Preis: 24 EUR (Deutschland), auch als E-Buch erhältlich (ISBN 978-3-515-12639-7).

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