„Kille Kille“, sagte André Herzberg und neigte sanft seine Hand – Annotation zum Buch „Keine Stars. Mein Leben mit PANKOW“

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"Keine Stars. Mein Leben mit PANKOW" von André Herzberg. © Aufbau

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Immer wenn sich der Aufbau Verlag publizistisch seiner DDR-Herkunft erinnert, tritt etwas Farbe ins Offene und der Verlag bekommt kurzzeitig Profil. Ich habe in den letzten Jahren zu viele rosa Blümchenbücher bei Aufbau gelesen, dass ich mich vor lauter Candy und Zeitgeistgeschnatter kaum noch rühren konnte.

Nun erzählt uns DDR-Rocker André Herzberg via Aufbau aus dem Leben seiner Band Pankow, der er bis kurz nach DDR-Bühnenschluss angehörte und seit einigen Jahren hin und wieder angehört.

Pankow fiel nie durch besondere Widerständigkeit auf, schaffte es aber seit 1983, jungen Menschen in der DäDäeR das Leben angenehmer zu gestalten. Bissel Kritik war ja erlaubt, daran hielt sich die Band um Herzberg, trotzdem nahm die Stasi zwei ihrer Mitglieder unter Vertrag, Ehle und Schubi, dank Alexander Osang seit langem bekannt.

André Herzberg hat eine ehrliche Schreibe, wenn’s im Buch ums Eingemachte geht, ist er stark. Das betrifft die Spitzeltätigkeit der zwei Bandmitglieder, oder seine Arbeitslosigkeit nach der Wende, das Zurückziehen in den privaten Raum, als kein Ossie mehr der verschlüsselte Jammer=Botschaften der Ostrocker mehr hören wollte.

André Herzberg durchwanderte manch Jammertal und ist heute weit entfernt vom Ruhm, den Pankow in den letzten Jahren, auch dank Ausflügen ins Theatergenre, (oder Musical) absahnte.

Die traurigen Augen und der ehrliche Draufblick (auf alles) Herzbergs sind ungetrübt, deshalb liest man ihn gern und wünscht ihm ewiges Leben.

Bibliographische Angaben

André Herzberg, Keine Stars, Mein Leben mit PANKOW, Verlag: Aufbau, Berlin 2021, 256 Seiten, ISBN: 978-3-351-03843-4, Preis: 24 EUR (Deutschland), 24,70 EUR (Österreich)

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