Klaus Endrikat aus Allenstein starb in Aachen

Illustration von Klaus Endrikat im Buch ANJA (DVA)
Man beachte die Stift und Federhalter tragenden Männchen links unten und das gut versteckte Gesicht unten an der Grenze von schwarz zu weiß. Illustration von Klaus Endrikat im Buch "ANJA oder das Märchen von den Sterntalern" (DVA), (Vorsatz), copyright Ill. Klaus Endrikat. (c) 2023 Photo/ BU: Andreas Hagemoser

Berlin/ Aachen, Deutschland (Kulturexpresso). Klaus Endrikat aus Allenstein starb in Aachen. Der gebürtige Ostpreuße floh mit seiner Familie und wurde in Nordrhein-Westfalen (NRW) sesshaft. Er war Graphiker und seit 1979 Professor für Zeichnerische Darstellung und zeichnerische Gestaltung, speziell figürliches Zeichnen, an der Fachhochschule Aachen (FH) im Fachbereich Design (FB Design). Dort arbeitete er bis zu seiner Pensionierung am 28. Februar 2005 und blieb auch weiterhin dort, als freischaffender Künstler.

Illustration von Klaus Endrikat im Buch ANJA (DVA)
Illustration von Klaus Endrikat im Buch „ANJA oder das Märchen von den Sterntalern“ (DVA), copyright Ill. Klaus Endrikat. (c) 2023 Photo/ BU: Andreas Hagemoser

Klaus Endrikat war nach der Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen so sesshaft wie möglich,

so mobil wie nötig. Das ist eine Gemeinsamkeit, die wir subjektiv und statistisch nicht belegt an vielen oder mindestens mehreren selbständigen Ostpreußen erkennen können. Dr. Erich Hagemoser aus Memel in Ostpreußen führte nach kurzer Kriegsgefangenschaft eine Firma, die unter anderem wertvolle Bibeln mit Goldverzierungen für den Vatikan druckte. Er blieb bis zu seinem Tode in Wien, wo er wohnte und arbeitete (Rodaun). Nach seinem Tode und dem seiner Frau starb der Familienname in Österreich übrigens aus, obwohl er aus dem Salzburgischen stammt.

Klaus Endrikat – übrigens ein typisch ostpreußischer Name – blieb nach der Flucht bzw. Vertreibung mit seiner Familie in NRW. Als Professor ist es so gut wie unmöglich, an einem Ort zu bleiben. Dass Endrikat in der Karlsstadt Aachen – ehemals römisch Aquae Granni (wegen seiner Thermalquellen) und Reichsstadt – eine Schule besuchte und in der Landeshauptstadt Düsseldorf eine ehrwürdige Akademie*, mag noch als normal gelten. Dass er danach nach Aachen zurückkehrte, war selbstverständlich freiwillig und eine Professur dort Beweis seines Könnens, aber auch als großes Glück zu bezeichnen.

*die Kunstakademie Düsseldorf, gegründet 1773, Alma Mater von Joseph Beuys, Gerhard Richter und Günther Uecker.

Vielleicht hemmt Heimatverlust bei gleichzeitig unmöglicher Rückkehr den Veränderungswillen

Der Architekt Siegfried Hagemoser konnte ebenfalls nicht nach Memel in Ostpreußen zurückkehren. Er war in Althof bei Memel geboren worden und musste zu seinem Verwandten Friedrich in Oldenburg in Oldenburg flüchten, der ihn bei sich einziehen ließ bis zu seinem Tode. Es war die einzige Adresse, die er auf der Flucht hatte.

Danach wechselte der Architekt und Künstler nur noch zweimal die Stadt, gerade so oft wie nötig.

Vielleicht wiegt der Verlust der Heimat so schwer, dass man danach die neue Heimat nicht schon wieder aufgeben will. Denn einmal die Heimat verloren zu haben und nicht zurückkehren zu können, reicht.

Illustration von Klaus Endrikat auf dem Einband des Buches ANJA (DVA)
Illustration von Klaus Endrikat auf dem Buch „ANJA oder das Märchen von den Sterntalern“ (DVA), (Einband), copyright Ill. Klaus Endrikat. (c) 2023 Photo/ BU: Andreas Hagemoser

Kaus Endrikat – Werkauswahl

„Mädchen ohne Uniform“ von Christa Reinig.

„ANJA oder das Märchen von den Sterntalern – Ein Mitmach-Buch zum Märchentheaterspielen und Lesen“ und „Mani, das lügst du wieder“ von Helmut Walbert.

„Übersinnlich“ und „Goethe hilf!“ von Gabriele Wohmann.

Werke von ihm erschienen 1969, 1971, 1972, 1974, 1975, 1981-1985 in jedem Jahr, 1987 und 1997 in den Verlagen DVA, Eremiten-Presse, Maier-Verlag und Verein der Freunde der Neuen Galerie in Aachen, Düsseldorf, Ravensburg, Stierstadt im Taunus und Stuttgart.

Klaus Endrikat

starb am 30. Oktober 2023 im 85. Lebensjahr. 11 Tage zuvor war er 84 geworden. Sein Geburtstag: 19. Oktober 1939.

Sein Leben begann in A. und es endete in A.

Allenstein heißt heute OLSTYN und ist Hauptort der Woiwodschaft Masuren-Ermland. Es wurde dem polnischen Teil des aufgeteilten Ostpreußens zugewiesen.

Würde man den jetzt gerade geltenden Namen verwenden, wäre die Reise von O. nach A. gegangen. Doch das wäre gemogelt, da sich die Ortsangabe im Pass nicht ändert. Das ist das A und O.

Allenstein. Ein Annagramm des Ortes und Wortes ist: am „Alleinsten“.

Dieser Superlativ ist aber halb ungültig. Doch da, wo er gewiss verboten ist, weil nicht steigerbar – wie „einzig“ oder „optimal“ – stört das sehr viele nicht.

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