Lug und Trug, Manipulation in Medien und Massendaten sowie der scheinbar schöne Schein der scheiß Instagram-Welt – Zum Nordic-Noir-Thriller „Das dunkle Flüstern der Schneeflocken“ von Sif Sigmarsdóttir

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"Das dunkle Flüstern der Schneeflocken" von Sif Sigmarsdóttir. © Loewe

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein 432 Seiten starkes Taschenbuch im schneeweißen Umschlag aus dem Loewe-Verlag mit dem reizenden Titel „Das dunkle Flüstern der Schneeflocken“ liegt vor mir. Die Autorin ist Sif Sigmarsdóttir. Als Isländerin fischt sie nicht beruflich, macht auch nicht in Pferde, Digitalwährungen oder warme Quellen, sondern arbeitet als Autorin und Journalistin. Das mag auch daran liegen, dass sie längst in der Migrantenmetropole London lebt wie Millionen andere Ausländer, die, wenn es sie auf die dünn besiedelte und stark sturmumwehte Insel im Nordatlantik gezogen hätte, das Land in Windeseile umvolkt hätten.

Im Vereinigten Königreich konnte man das mit dem Bevölkerungsaustausch in den letzten Jahren und Jahrzehnten allerdings mühelos machen, so wie die Briten das in Übersee in Dutzenden Jahrzehnten und über Jahrhunderte machten.

So lange, wie die Engländer schon fremde Völker und deren Länder ausbeuten, schreibt Sigmarsdóttir zwar nicht, aber seit ihrem 15. Lebensjahr solle sie laut Verlagsangaben Kinderbücher verfassen. Hinzu kamen „Bücher für Teenager und junge Erwachsene“, die „allesamt Bestseller“ seien. Sie muss also alles andere als blondes Gift verströmen.

Weit gefehlt. Das von Ulrich Thile aus dem Englischen übersetzte Werk „The Sharp Edge of a Snowflake“, dass für deutsche Ohren und Augen den schönen Titel „Das dunkle Flüstern der Schneeflocken“ trägt und in englischsprachigen Landen mit dem Hinweis „Der Schnee fällt dicht und schnell. Schnee in Island ist gefährlich“ verkauf wird, ist ein echter Thriller, wenn auch schon ab 14 Jahren empfohlen.

In Sigmarsdóttirs erstem Roman, den sie auf Englisch geschrieben haben solle, dreht sich der Wind um die junge Hannah Eiríksdottir, die alles andere als froh, frohler und am frohesten ist, denn sie muss von London in den kalten Norden ziehen. Der Waschzettel des Verlages verrät zudem – und wir auch -, dass sich „das Praktikum bei der Tageszeitung …. als spannende Gelegenheit“ entpuppe, „die erfolgreiche Influencerin Imogen Collins kennenzulernen – und schnell ist Hannah sehr beeindruckt von ihr“, die nichts anderes als eine billige und willige Beeinflusserin im Reich der totalen Reklame ist.

„Als kurze Zeit später eine Leiche in einem Lavafeld gefunden wird, sprechen alle Indizien gegen Imogen und sie wird verhaftet. Ist Imogen Collins wirklich eine Mörderin und ihr perfekter Instagram-Feed nur eine gut getarnte Fassade? Hannah beginnt, eigenmächtig zu ermitteln und gerät dabei an den Rand der Legalität …“

Hui Buh auf Island, dazu eine Prise Spaß zur Spannung und nette Abschweifungen in die Welt der Wirren und Irren in den sozialen Medien. Keine Frage, Sif Sigmarsdóttir legt einen flotten Nordic-Noir-Thriller auf der höhe der Zeit vor, in dem es über Wahrheit und Lügen, Manipulation in Medien und Massendaten sowie den scheinbar schöne Schein der scheiß Instagram-Welt geht. Gelungen!

Bibliographische Angaben

Sif Sigmarsdóttir, Das dunkle Flüstern der Schneeflocken, Originaltitel: The Sharp Edge of a Snowflake, Übersetzter aus dem Englischen: Ulrich Thiele, 432 Seiten, ab 14 Jahren, Klappenbroschur mit Folienprägung, Format: 13.5 x 21.0 cm, Verlag: Loewe, 1. Auflage, Bindlach, 8.10.2020, 432 Seiten, ISBN 978-3-7432-0721-9, Preise: 14.95 EUR (Deutschland), 15.40 EUR (Österreich)

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