Misere in der Migranten-Metropole Marseille – Zur Tragödie „Gloria Mundi“ von Robert Guédiguian

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"Gloria Mundi" - Rückkehr nach Marseille, Szene mit Gérard Meylan. © Ex Nihilo

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Baby zwischen den Beinen, frisch geduscht, gebadet und gewickelt. Mit diesen Bildern beginnt der Film „Gloria Mundi“ von Robert Guédiguian.

In der Migrantenmetropole Marseille versammelt sich eine kleine Familie nach der Geburt der noch kleineren Gloria. Dann kommen schon gleich das Thema Drogen und einen Augenblick später sieht man die Mutter der jungen Mutter als Putze. Wenn sie von der Maloche kommt, muß ihr neuer Lebensgefährt los zur Lohnarbeit. Sie arbeitet nachts, damit sie mehr verdient. Der leibliche Vater sitzt derweil in Rennes im Knast. Wir aber wenige Szenen später entlassen und taucht in Marseille auf, um durch den Hafen zu schwimmen.

Politik und Poesie im gesellschaftskritischen, sozialkritischen Film „Gloria Mundi“, Lohnarbeiter und Lumpen(proletariat), Putzen, Busfahrer, Ausländer, Touristen. Der Mann aus dem Gefängnis erzählt dem neuen Mann seiner einstigen Frau, daß er früher für gestohlen habe, um ihr Geschenke machen zu können. Mit 20 Jahren habe er nicht das Leben gewollte, erzählt er auf einer Busfahrt durch Marseille, daß der Busfahrer hat. „Morgens auseinandergehen und die Sonntage miteinander verbringen. Aber jetzt beneide ich Dich“, fügt er bei der Fahrt an. Auf der Straße patrouillieren eine Hand voll schwerbewaffnete Soldaten und in den Häusern fickt jeder jeden.

„Gloria Mundi“ – Rückkehr nach Marseille, Szene mit Gérard Meylan Anais Demoustier, Grégoire Leprince-Ringuet, Jean-Pierre Darroussin, Lola Naymark und Robinson Stévenin. © Ex Nihilo

Marseille scheint ein Topf voll Scheiße zu sein, der nur die Putze beikommt, die nichts anderes sehen zu wollen scheint als die Böden, die sie wischt.

Ausbeutung, Entfremdung, Überfremdung, Umvolkung.

Und am Ende gehen in einer Welt der Ware und des Spektakels alle vor die Hunde, die wie solche behandelt werden. Nur einer wandert ohne über Los ziehen zu dürfen, direkt ins Gefängnis zurück, dorthin also, wo Überwachen und Strafen auch so genannt werden darf. Während draußen, in der aktuellen kapitalistischen Gesellschaft, die Kleinbürger alle familiären, freundschaftliche und solidarische Beziehungen zerschlagen und keine andere Verbindung mehr übrig gelassen außer die – man kann es nicht oft genug schreiben – zur Ware und des Spektakel.

Kleinbürgerliche Existenzen zerbrechen wie billiges Glas von Schaufenstern, wenn ein Stein geflogen kommt. Den guten Menschen von Sezuan, er kann am Ende nur noch helfen, indem er in den Knast kommt.

Keine Frage, Robert Guédiguian zeigt ein wenig von der Welt, wie sie wirklich ist. Ein Stück kaputte Familien im Abfall von Marseille. Alle Hauptfiguren des Films, scheinbar Helden des Alltags, scheitern oder offenbaren ihr scheitern, die einen früher, die anderen später. Was für eine Tragödie.

Guédiguian meint, daß wir „sowohl Komödien als auch Tragödien“ bräuchten, „um unseren Lebensstil weiterhin zu hinterfragen…
Und wir müssen uns in diesen unruhigen Zeiten mehr denn je selbst in Frage stellen, damit wir uns nicht der Illusion hingeben, dass die Gesellschaften, in denen wir leben, nicht verändert werden können.“

Filmografische Angaben

  • Originaltitel: Gloria Mundi
  • Deutscher Titel: Gloria Mundi – Rückkehr nach Marseille
  • Staat: Frankreich
  • Jahr: 2019
  • Sprache: Französisch
  • Regie: Robert Guédiguian
  • Buch: Robert Guédiguian, Serge Valletti
  • Kamera: Pierre Milon
  • Darsteller: Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin, Gérard Meylan, Anaïs Demoustier, Grégoire Leprince-Ringuet Jean-Pierre Darroussin, Lola Naymark und Robinson Stévenin

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