Musikalische Nachtwanderung im Museum – Caravaggio-Ausstellung München goes Opera

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Selbstermächtigung Statisterie und Musiker des Bayerischen Staatsorchesters (München 2019). © Wilfried Hösl

München, Deutschland (Kulturexpresso). Eigentlich ein guter Gedanke, zwei Genres der Kunst zu verbinden: Gesang und Malerei wurden miteinander verflochten vom Opernstudio der Bayerischen Staatsoper und der Alten Pinakothek München, das sollte öfters gemacht werden. Die Ausstellung, die seit April viele Besucher begeisterte, bot am Dienstagabend eine Plattform für junge Studierende des Opernstudios. Das musikalische Konzept von Tobias Truniger wurde unter dem Titel ‚Selbstermächtigung‘ präsentiert, ein Wort das angeblich nicht im Duden steht und das ist vielleicht gut so, denn vielleicht wäre Selbstüberwindung ein besseres Wort gewesen. Selbstüberwindung, Überwindung des Egos, war es vielleicht auch, das Caravaggio so faszinierte an den Helden/Heiligen, die er immer wieder so bezwingend klar und berührend auf die Leinwand brachte.

Auch die Musikbeiträge von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Francesco Bartolomeo Conti, Franz Schubert, Claudio Monteverdi und Luciano Berio gaben dem Abend eine transzendente Dimension. Die Wanderung durch den Ausstellungsbereich glich einem Pilgerpfad, den man im Dunkel zu begehen hatte. Zuschauer und Künstler bewegten sich körperlich und musikalisch tastend durch die Säle, nicht alle Bilder waren beleuchtet, geführt wurde man von den Mitwirkenden mit Neonleuchten in den Händen. Nicht für jeden Besucher gab es Sicht auf die Künstler, wer etwas Raum wünschte, blieb im Dunkel. Doch auch so konnte diese unmittelbare Kunstform gefallen. Das Finale fand im größten Ausstellungsraum inmitten der Gemälde mit weltlichen Motiven (Spieler, Musiker, Wahrsager, Geldwechsler, Kartenspieler) statt und man konnte sich zu Luciano Berios ‚Folk Songs‘ um die jungen Musiker gruppieren.

Das Künstlerische Niveau war beachtlich, die unmittelbare Nähe zu den Mittwirkenden dürfte so nicht mehr oft zu erleben sein. Es sangen: Anna El-Khashem (Sopran), Niamh O’Sullivan (Mezzosopran), Caspar Singh (Tenor) und Oleg Davydoe (Bass), alle mit beachtlicher Stimme, Charisma und sehr guter Technik. Man könnte verleitet sein zu sagen, dass es aktuell nicht an der Ausbildung liegt, wenn manche große Talente nicht voll erblühen, sondern vielleicht an dem anstrengenden Alltag des Sängerlebens, das keine Zeit für eine künstlerische Entwicklung zulässt.

Begleitet wurde mit Violine (Felix Key Weber), Fagott (Martynas Šedbaras) und Akkordeon (Kai Wangler), auch das eindrucksvoll und aus der Nähe umso tiefgehender. So muss es jedenfalls auch das Publikum empfunden haben, denn der Applaus am Schluss war euphorisch. Die Ausstellung blieb dann nur für die Besucher noch geöffnet.

Weitere Termine: 21.06., 22.06., 25.06., 26.06.2019.

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