Orwell 1945 in Deutschland – Annotation zum Buch „Reise durch Ruinen“ von George Orwell

"Reise durch Ruinen" von George Orwell. © C. H. Beck textura

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). George Orwell war im 2. Weltkrieg als britischer Kriegsberichterstatter unterwegs. Nun veröffentlichte C.H. Beck seine Reportagen allesamt in einem kleinen Bändchen. Ullrichs feines Vorwort führt uns sanft in die Reportgaben und gibt allen Uneingeweihten ein wenig Rüstzeug mit. Das tut gut, weil nicht jeder weiß, dass die Alliierten um 1945 den Plan durchdachten, Nazideutschland zu einem Agrarland umzubauen. Sie hielten die Deutschen nach Auschwitz nicht mir belehrbar. Leider kam es anders, schnell waren alte Nazis in Westdeutschland wieder in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens angekommen.

Das konnte Orwell beim besten Willen nicht vorhersehen, zumal er sich für seine überwiegend englische Leserschaft halbwegs allgemein halten muss. Bestimmt unterlagen seine Artikel auch einer strengen Militärzensur, insofern sind sie nur bedingt aussagekräftig.

Er schildert in den Texten das zerstörte Deutschland und informiert über aktuelle politische Denkarten. Großen Raum nimmt das Schicksal der Zwangsarbeiter ein, die in Deutschland während des Krieges geknechtet wurden und nun schnellstmöglich nach Hause wollten, was nicht immer einfach war, zumal sich alle möglichen Kollaborateure daruntermischten.

Ein Buch für Orwellfans ist es allemal, der Erkenntnisgewinn für Freunde der deutschen Geschichte dürfte geringer ausfallen.

Bibliographische Angaben

George Orwell, Reise durch Ruinen, Reportagen aus Deutschland und Österreich 1945 (textura), Vorwort: Volker Ullrich, Übersetzer: Lutz-W. Wolff, 111 Seiten, fester Einband, Verlag: C.H. Beck, München 2021, ISBN: 978-3-406-77699-1, Preise: 16 EUR (Deutschland), auch als E-Buch erhältlich für 8,99 EUR

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