Robert Byron scheucht die heiligen Mönche über den Berg Athos

"Der Berg Athos, Reise nach Griechenland" von Robert Byron. © Die andere Bibliothek

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Im Jahre 1925 begab sich Robert Byron mit einigen Freunden in die Mönchsrepublik des Berg Athos, um die Gewohnheiten der Mönche und ihre byzantinischen und sonstigen Schätze zu fotografieren und zu beschreiben.

Auf Mauleseln und Schusters Rappen hoppen die ordentlich exzentrischen Engländer von einem Kloster zum anderen, immer auf der Jagd nach neuen, streng gehüteten Schätzen byzantinischer Kunst. Gequält werden sie permanent von übermenschlicher Hitze, nervigen Betbrüdern, leichtfertigen Restauratoren und schlechten Köchen.

Meist gibt es nichts zu Essen außer faulen Oktopus mit kalter Knoblauchsoße. Und immer wieder Basilikum – von Byron gehasst wie vom Teufel das Weihwasser. Doch Dirty Rob ist spitzzüngig genug, um aus jedem Festmahl das Beste zu machen: „Also tranken wir, während die anderen Gäste himmlisch gesättigt aufstießen. Untermalt wurden diese Geräusche vom Gurgeln des Weins und dem Rascheln der Gewänder, das so klang, wie Ratten, die durch Stroh huschten.“

Das Buch ist geistreich und witzig, aber auch die Freunde der Kunst kommen voll auf ihre Kosten. Ihr würdiger Nachfahr ist für Byron El Greco, auf ihn wird dementsprechend bei allen Gelegenheiten hingewiesen.

Gelacht und gestänkert wird viel. Über die Dummheit der Zeitgenossen, über das unausweichliche Basilikum, den harzigen Wein, die merkwürdigen Sitten auf dem Berg. So ist dort alles Weibliche streng verboten, selbst die Nutztiere sind allesamt maskulin. Zudem gehen die Mönche früh zu Bett und stehen zeitig auf, laut Byron zu einer Zeit, wo anständige Menschen noch Partys feiern sollten. Auf dem Berg Athos war die Zeit scheinbar stehen geblieben, doch Byron und Co. zeigen den Mönchen wo Barthel den Most holt.

Im vorletzten Kapitel erleben unsere Helden die Präsentation einiger Splitter des Kreuzes, an dem Jesu starb. Sie schieben sich vorbei an Mönchen der untersten Klasse, die intensiv nach Knoblauch und schmutziger Wäsche duften. Als dann das Kyrie eleison ertönt, ist es um Byron geschehen (kurzzeitig). Dann wird nochmal Oktopus mit und ohne Knoblauch serviert, bevor die Schar Engländer, schon nicht mehr ganz bei Sinnen, sich gegenseitig ihre herausstehenden Rippen zeigt (schlechtes Essen! Basilikum, Knoblauch…) und die Gegend wechselt (auf Kreta einfällt, das steht aber in einem anderen Buch).

Für Robert Byron sind die byzantinische Kunst und die orthodoxen Riten ein Spiegel, den er der Mode seiner Zeit entgegenhält. Sein gnadenlos aburteilender Blick ist das Salz seiner Beschreibungskunst.

Ein zeitloses Werk sprühenden Byron-Geistes, das in seiner dichterischen Brillanz noch heute beglückt. Auch oder weil es Tage gab, an denen sich Byron und seine Zeitgenossen nur von Soda und Brandy ernährten und selten weniger als 22 Bettwanzen-Leichen am nächsten Tag die verschwitzten Bettlaken zierten.

Bibliographische Angaben

Robert Byron, Der Berg Athos, Reise nach Griechenland, 408 Seiten, Übersetzer aus dem Englischen: Niklas Hoffmann-Walbeck, mit einem Nachwort von Wieland Freund, Die Andere Bibliothek, Band 422, Verlag: Die Andere Bibliothek, Berlin, Februar 2020, ISBN: 3847704225, Preis: 44 EUR (Deutschland)

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