Robert Gallinowski starb überraschend im Alter von 53 Jahren – der Schauspieler und Hörspielsprecher war auch Künstler und Lyriker

Der Vorhang ist gefallen.
Bretter, die die Welt bedeuten, und ein Vorhang ganz in Rot. Quelle: Pixabay, Foto: Libracesp Hey!, BU: Stefan Pribnow

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Robert Gallinowski ist überraschend gestorben und wurde nur 53 Jahre alt. Er starb so überraschend, dass kaum eine Redaktion einen Nachruf in der Schublade hatte. Wir kennen niemanden, der ihm den Tod wünschte. Aber er hat ihn ereilt. Ein Redner würde sagen: „zu früh“. Sicher ist, dass er mitten aus dem Leben gerissen wurde. Das trifft wohl oft zu, aber doch scheint es bei manchen absehbar. Bei anderen eben nicht. Da wirft es Rätsel auf.

Krankheit oder Alter – bitte beachten: das sind zwei verschiedene Dinge! Alter geht nicht mit Krankheit einher – zeichnen manche Menschen früh. Manche sind seit 20 Jahren Rentner oder vegetieren in einem Heim; mit Magensonde liegen sie isoliert in einem Zimmer vor dem Fernseher.

Manche stehlen sich schon früh aus der gesellschaftlichen Mitwirkung, sehen Arbeit nicht als selbstverständliche Pflicht an. Versuchen dauerhaft Hartz IV bzw. Bürgergeld zu beziehen oder früh in die Frührente zu entfliehen. Robert Gallinowski war noch nicht einmal Rentner, nicht im Ruhestand und nicht in Pension. Er war ebenfalls nicht untätig, sondern ein Multitalent. Warum musste er sterben?

Am 3. Oktober hätte Robert Gallinowski seinen 54. Geburtstag gefeiert.

Der 3. Oktober 1990 war der Tag der Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Robert Gallinowski hatte an diesem Tag wohl zwei Gründe zu feiern. Nach 1990 wurde der „Tag der deutschen Einheit“ auf Betreiben Dr. Helmut Kohls zum gesetzlichen Feiertag. Ausdrücklich hatte er beim Thema „Wiedervereinigung“ Tempo gemacht, damit die Deutschen Anfang Oktober, am Ende des Oktoberfests und bestenfalls mitten im Altweibersommer oder im Frühherbst je nach Wetter wahrscheinlich auch noch draußen feiern könnten.

Bis 1989 war dieser Verwaltungstag des Beitritts fünf neuer deutscher Länder – Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland – Robert Gallinowskis persönlicher Feiertag. Sein Geburtstag. 20 Jahre lang, denn:

Wer ‚A‘ sagt, muss auch ‚B‘ sagen (?) – in Aachen geboren, in Berlin gestorben

Am 3. Oktober 1969, kurz nach der angeblich ersten bemannten Mondlandung, wurde Robert Gallinowski in Aachen geboren. Bei der Maueröffnung war er 20, bei der Wiedervereinigung 21; als Gorbatschow, der diese ermöglicht hatte, die Sowjetunion nicht mehr zusammenhalten konnte, 22. Aachen blieb er verbunden. Seine erste Ausstellung von Malerei fand 1988 in der grenznahen Stadt statt. Obwohl er auch Ausstellungen in der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, der Hauptstadt der Weimarer Republik und der Volkswagenhauptstadt zeigte, kehrte er 2010 in seine Geburtsstadt zurück und nahm an der sogenannten Aachener Kunstroute teil.

Tatsächlich war die Malerei auch die erste in seinem Leben gezeigte Kunst. 1988 wie gesagt. Erst 1992 debütierte er am Theater, 1993 im Fernsehen. Mit der Lyrik ging es 2012 an die Öffentlichkeit. Hörspielsprecher werden meist unter Schauspielern gesucht. Mindestens 2014 hatte man ihn gefunden.

Unter

Malerei

schrieb Karena Lütge auf Robert Gallinowskis Homepage, Website oder Heimatseite 2015 unter dem Titel „Nahsicht des Spurensuchers …“, dass der Künstler „sich selbst als chaotischen Konstruktivisten bezeichnet und den Stil seiner aktuellen Bilder als selbstregulierten Konstruktivismus umschrieben“ hat. [Rechtschreibfehler wurden korrigiert, d. Red./ Aha.] „Das verblüfft als Widerspruch in sich“, so Lütge weiter, „aber es trifft tatsächlich zu“. Arbeiten der Jahre 2007-2011 werden unter jährlichen Links ebenso aufgeführt wie ein Link zu den zwei Katalogen, die es gab. („Passagen“, Malerei, Grafik (Katalog), Berlin 2010. Der andere Katalog siehe unten bei LYRIK.)

Von Aachen nach Berlin – ein Schauspiel für den Schauspieler

Robert Gallinowski besuchte die Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ 1990-93. Das erste Mal trat er ja, wie erwähnt, 1992 eben in jener Stadt auf, im Deutschen Theater. In derselben Stadt starb er dann auch am 28. März 23; überraschend im Alter von 53 Jahren. Bald nach Berlin folgt im Alphabet Bonn. Dort erhielt der junge Schauspieler 1993-96 ein Festengagement. Am Theater Bonn, wie es unspektakulär heißt. Bonn war damals noch Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, ist heute Bundesstadt und Sitz der Deutschen Post AG.

Damit hat Robert Gallinowski in drei deutschen Hauptstädten gewirkt. Mit Hamburg, Hauptstadt es gleichnamiges Stadtstaates, kam eine vierte hinzu, als er dort ans Schauspielhaus ging. Mit München, der nach dem Ausfall Breslaus als drittgrößter deutscher Stadt diesen Rang übernimmt, eine fünfte „Hauptstadt“ (die des Freistaats BAYERN und die „heimliche“). Genauer: das Bayerische Staatsschauspiel. Das beginnt auch mit B, aber in Berlin, wo die Autokennzeichen so beschriftet sind, schloß sich der Kreis. Die Bretter, die die Welt bedeuten, hießen dort Berliner Ensemble und Volksbühne. Als Ort noch erwähnenswert ist Bad Hersfeld, wegen Gallinowskis Mitwirkung an den dortigen Festspielen.

Robert Gallinowski im Fernsehen/ TV

Ab ’93 ging es los mit dem Fernsehen – und Film. Sein Debüt war im „Polizeiruf 110“ – Folge „Tod im Kraftwerk“. Immerhin wohl nicht sein tatsächlicher Todesort. Die Krimis, der Fernsehdeutschen liebstes Kind, ließ ihn nicht los. Beim „Tatort“ blieb der Zähler bei 13 stehen. in der Dicke war er achtmal Hauptkommissar Ole Hansen (ab 2009), dieselbe Rolle spielte er in „Die Kanzlei“ ab 2015. Es waren also vor allem die Serien, so auch „Balko“, „Bella Block“ und „Wilsberg“.

Hörspielsprecher Robert Gallinowski

„Außen und innen“ von Rhiannon Tise, Regie Angeli Backhausen (2014). „Rolle rückwärts“ von Beate Andres (auch Regie), 2015. Franz Werfels „Die vierzig Tage des Musa Dagh“, Der Hörverlag, 2015, ISB-Nr. 3-8445-1829-0. „Die Causa Jeanne d’Arc“ von Kai Grehn (auch Regie), 2023. „Die Nacht der Raben“ von Ann Cleves (Regie: Mark Ginzler). „Tod im Namen Gottes“, von Irene Geuer und Paul Elmar Jöris.

Der Lyriker Robert Gallinowski

war bis 2016 mit der Schauspielerin Dagmar Manzel (*1. September 1958) verheiratet, die dieses Jahr Witwe geworden wäre.

Zum Dichten brachte ihn aber Kerstin Hensel (*29. Mai 1961), die selbst dichtet, Novellen – meist Liebesnovellen – und Romane verfasst. Die in Karl-Marx-Stadt Geborene ist Sternzeichen Zwillinge, was dem Theater immer guttut, und hatte bereits in der DDR Gedichte veröffentlicht, so 1986 das Poesiealbum 222. Ihr Gedichtband „Schlaraffenzucht“ erschien 1990 schon im Westen, bei Luchterhand in Frankfurt am Main (ISB-Nr. 3630867480). Bis 2022 erschienen über zwei Dutzend Bände, darunter 2014 „Sprach Heil Schule“ im Ascherslebener Verlag Unartig.

Durch Hensels und Uljana Wolfs Ermutigung brachte Robert Gallinowski 2012 den Band „Zwischen Herz und Schlag“ heraus, der von vornherein in einer limitierten Auflage von nur 200 Stück erschien.

Robert Gallinowski schrieb selbst auf der Website in der entsprechenden Rubrik: „Das Schreiben von Lyrik läuft schon seit Jahrzehnten neben meinen übrigen künstlerischen Betätigungen und nimmt mittlerweile in seiner Bedeutung, den gleichen Platz ein wie die Malerei, die Musik und die Schauspielerei.“ [Hervorhebungen durch den Autor dieses Artikels.]

„Zwischen Herz und Schlag“, Lyrische Gedichte, Verlag Die Libristen, Berlin 2012.

„Korrektur-Passagen“. Malerei. Gedichte“. (Katalog), Berlin 2012.

Lesungen

gab es auch. Die letzte am 10. Februar 2023 in Projektraum von Peter Lindenberg am Kurfürstendamm 210 in Charlottenburg (das ist Nähe Uhlandstraße auf der Südseite neben dem Cinema Paris und Institut Francais).

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