Tapir entlaufen. Rosaana Velasco stellt in Mitte aus, Fernando Soto musiziert dazu: „The Belly of the Whale“

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Flyer zur Ausstellung im neuen Tapir
Einladung zur Gruppenausstellung "The Belly Of The Whale" mit Rosaana Velasco im neuen Tapir Neue Hochstr. 8, Berlin-Mitte. © 2018, BU/ Foto: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am Freitag, den 16. März hat man die Wahl zwischen der spanischsprachigen Stück „Robar el Día“ im ehemaligen Stummfilmkino Delphi um 20 Uhr oder der Ausstellungseröffnung „THE BELLY OF THE WHALE“ in der Tapir-Galerie Neue Hochstraße 8 in Wedding. Wenn man nicht bei Taste Portugal in der Kreuzberger Marheinickehalle den Feinschmecker in sich entdecken will.

Wahl zwischen Tintenfisch, Rebhuhn und Wal

Eine schwere Wahl, aber nicht so schwer wie ein Wal. Wer bis zum Abend gebraucht hat, um portugiesische Gourmethäppchen zu schmecken, kann auch am Samstag noch zum Marheinickeplatz fahren. Damit bleibt das Theaterstück „Stiehl‘ den Tag“ („Steal the Day“, Originaltitel „Robar el Día“), des mexikanischen Regisseurs Alfredo Félix-Diaz. Es wird am Freitag mit englischen Untertiteln gezeigt, am Samstag mit deutschen Untertiteln. Problem gelöst! Heute zur Vernissage, um um 19.30 Uhr Fernando Sotos Livemusik nicht zu verpassen und die vielen illustren Gäste Rosaana Velascos. Samstag wird dann ein leckerer Tag mit einem spannenden, philosophischen Theaterabend. Ein Rebhuhn spielt mit. (Es wurden bei dieser Theaterproduktion keine Rebhühner gefoltert, getötet oder sonstwie geschädigt. Das können die Zollbehörden in Dallas, Texas bestätigen.)

„The Belly of the Whale“ = „Der Bauch des Wals“

Der Titel der Kunstausstellung ist der Name der „Takt A.I.R. Berlin spring group exhibition 2018“. Es handelt sich also um eine Gruppenausstellung im Berliner Frühling – noch haben wir Winter – oder eine Frühlingsgruppe. Oder eine springende? Vielleicht junge Hüpfer? Jedenfalls „curated by David Kantounas“, das ist mal sicher. Herr Kantounas kuratierte Fareed Abdalbaki und Rosaana Velasco. Während er „Sexuality AND Knowledge“ zeigt (ein Verweis auf Michel Foucaults „Wille zum Wissen“ aus „Sexualität und Wahrheit“), bringt die Deutsch-Mexikanerin Ordnung in den Raum. Ihre Rauminstallation „Ordnung der Farbe“ ist ein mixed-media-project und könnte auch einen Recyclingaspekt haben.
Robert Habeck* erklärte am Montag in „Hart aber fair“ (ARD), dass Plastik hart und durabel sei, aber der Bruch im System dadurch entstehe, dass etwas an sich so Dauerhaftes wie Kunststoff zu Einweg-Produkten verarbeitet werde.
Metall und Kunststoff kann man so rot färben wie ein Gesicht, das sich schämt, weil der Mensch, der dazugehört, so viel Müll produziert.

„The Belly of the Whale“ – Plastik im Bauch des Wals

Rosaana Velasco ist Künstlerin. Sie schuf eine Plastik aus Plastik (und anderen Materialen).

Ihre Plastik im Weddinger „Bauch des Wals“ wiegt leichter als das Plastik (oder die Plaste) in den Bäuchen der schwimmenden Wale. Ihr Werk ist auch leichter verdaulich; sogar erbaulich.

Wie groß das Plastikmüllproblem im Meer geworden ist, wissen wir seit dem „Meeres“-Schwerpunkt des Umweltschutzfilmfests „GreenMe“. 2018 ist es übrigens auf den Sommer verschoben worden. Projekte und Filme wie „Plastik-free Island Kefalonia“ machten die unglaubliche Müllmenge und die Schwere des Problems bewusst.

Fast-Ex-Umweltminister Habeck – ein Grüner Nichtgrüner, oder wie war das? – erzählte im Fernsehen von den in Schleswig-Holstein gestrandeten Walen. Die 10 Jahre alten Tiere wurden nach ihrem bedauernswerten Tod seziert. Man fand 2 Plastiktüten, einen Eisenbahnwaggon und 20.000 Radkappen. Die Zahlen sind nicht exakt.

Rosaana Velasco geht in „The Belly of the Whale“ den Schritt zurück zum Dauerhaften

Die mexikanische Künstlerin Rosaana Velasco schuf aus Kunststoff Kunst-Stoff.

Aus Einweg Ewig.

Die farbigen Verschlüsse – man könnte auch profan „Deckel“ sagen – aus denen die Künstlerin Velasco ihr Kunstwerk herstellte, sind wahrscheinlich bereits gebraucht gewesen. Doch auch wenn sie eine Zeitlang ein Gebrauchsgut darstellten, waren sie letzlich Einwegartikel. Das, was Habeck an der Wurzel zurecht beklagt.

Auch wenn das kein Patentrezept (für die Sicherung des Überlebens der Wale und Schildkröten in den Weltmeeren) ist, verewigt Rosaana Velasco nun den haltbaren Einweg-Artikel. Kunst wird über Generationen aufbewahrt. Nicht nur von Familien und Vereinen, sondern auch von Völkern.

Zudem handelt es sich bei Ihren Ausstellungen, die es auch in anderen Grundfarben gibt, nicht nur um vorübergehende wie im A.C.U.D. Veteranenstraße, sondern auch um Dauerausstellungen wie in einem Hotel in der Metzer Straße in Prenzlauer Berg (Myer’s Hotel, Metzer 26).

Wer Freitag verhindert ist, hat also wenigstens noch später Gelegenheit, Rosaana Velascos sehenswerte Kunst zu besichtigen.

Gruppenausstellung „The Belly of the Whale“/ „Der Bauch des Wals“

Vernissage 19-22 Uhr am Freitag, den 16. März 2018

Mit Fernando Soto und Band

Dauer der Ausstellung: Bis zur Finissage am 28.3.2018 (gleiche Uhrzeit)

Öffnungszeiten: Dienstag 19-22 Uhr, sonntags 16-19 Uhr und nach Vereinbarung

„Tapir gallery“, Neue Hochstraße 8, Berlin-Wedding = Berlin-Mitte

tapir-berlin.de

Ah … Richtig, der Tapir ist umgezogen.

*Robert Habeck ist kein 68er und schon gar nicht alt. Seit dem 27. Januar 2018 ist er Bundesvorsitzender der Grünen. Von 2012-’17 war Habeck stellvertretender Ministerpräsident Schleswig-Holsteins und Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume. Seit Juni 2017 war und ist R. Habeck (RH) im Ministeramt auch für Natur und Digitalisierung zuständig. Da die Partei Bündnis 90/ Die Grünen Amt und Mandat trennt, sollte er nach der Wahl zum Vorsitzenden seine Arbeit als Landesminister beenden. Das wird er auch tun, aber etwas später. Er bleibt dem nördlichsten Bundesland – von Meeren umsäumt und gestreichelt – also für eine Übergangszeit erhalten. Dazu gehören immerhin Amrum, Fehmarn, Göttin, Nordfriesland, der Ölort Heide, Mölln, Lauenburg, Ratzeburg, St. Peter-Ording, Nordstrand, viele Halligen und Sylt.

Haifisch im Tapir. Finissage von Rosaana Velascos erster Einzelausstellung „Enigma“

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