Tödliches Huhn und krankhaftes Hirn? – Zum Film „Eine moralische Entscheidung“ von Vahid Jalilvand

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Szene aus dem Film "Eine moralische Entscheidung". © Noori Pictures

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der iranische Spielfilm „Ein moralische Entscheidung“ von Regisseur Vahid Jalilvand zeigt zwar fremde Leute in einem fremden Land, die dennoch vor den gleichen Problemen stehen, wir die Deutschen in deutschen Landen. Probleme wollen gelöst werden, Fragen suchen Antworten. Nun, es geht genauer: Bestimmte Menschen, moralische Menschen, suchen nach Antworten.

Szene aus dem Film „Eine moralische Entscheidung“. © Noori Pictures

Einer dieser moralischen Menschen scheint Kaveh Nariman zu sein, der bei einem nächtlichen Verkehrsunfall, den er zwar nicht verursachte, an dem er jedoch beteiligt war, mit seinem Auto eine vierköpfige Familie auf einem Motorrad anfuhr. Es am zum Sturz, der achtjährige Amir wurde augenscheinlich leicht am Kopf verletzt, was Nariman als Arzt beziehungsweise penibler Gerichtsmediziner schnell feststellen konnte.

Szene aus dem Film „Eine moralische Entscheidung“. © Noori Pictures

Pflichtbewußt drängt er Amirs Vater Moosa, seinen verletzten Sohn direkt ins Krankenhaus zu bringen, er gibt ihm sogar Geld als Entschädigung für alle Kosten und den Schrecken des Unfalls an. Der nimmt als armer Mann an, aber als einer mit Ehre selbstredend widerstrebend.

Am nächsten Tag hört er den Namen des Junge in der Gerichtsmedizin. Er liest ihn, er sieht ihn, nicht lebendig, sondern als Leiche.

Szene aus dem Film „Eine moralische Entscheidung“. © Noori Pictures

Nariman denkt, dafür die Schuld zu tragen. Noch macht er daraus ein Geheimdienst, dass er jedoch bald lüftet, weil seine ihm nahestehende Kollegin Dr. Sayeh Behbahani sie ihm sonst aus der Nase ziehen würde, Die diagnostiziert übrigens eine Lebensmittelvergiftung als Todesursache.

Der Vater kaufte als armer Mann verdorbenes Fleisch von einem skrupellosen Lohnarbeiter eine Geflügelfabrik, der die Tiere eigentlich hätte vernichten müssen, schwarz und für wenig Geld gekauft.

Szene aus dem Film „Eine moralische Entscheidung“. © Noori Pictures

Die Trauer bei Amirs Mutter Leila schlägt in religiöse Wut um. Leila erhebt gegenüber ihrem Mann Moosa den Vorwurf, Amir umgebracht zu haben. Sie will sich von ihm trennen.

Moosa nimmt nun Rache. Er taucht in der Fabrik auf, stellt den Schwarzhändler zur Rede und ruft, dass er ihn töten werde. Gesagt, getan. Im Streit stürzt der Betrüger in eine Grube. Moosa kommt ins Gefängnis.

Nun müht sich Nariman mehr denn je, den Fall aufzuklären, wobei er sich als wenn auch unbeabsichtigter Auslöser einer Kette von verhängnisvollem Verhalten und unheilvollen Verhältnissen zu sehen scheint.

Szene aus dem Film „Eine moralische Entscheidung“. © Noori Pictures

Dass es auch im Iran reich und arm gibt, ein wohlhabender Mediziner und eine Arbeiterfamilie im Elend, genauer gesagt: eine Klassengesellschaft, das zeigt dieses todernste und sozialkritische Drama trefflich. Dabei werden Trauer und Wut bis zum religiösen Wahn, die Arbeit von Gerichtsmedizinern und Richtern ebenso gezeigt, wie das sogenannte Zwischenmenschliche und zwar in vielen Facetten.

Filmografische Angaben

  • Deutscher Titel: Eine moralische Entscheidung
  • Staat: Iran
  • Jahr: 2017
  • Regie: Vahid Jalilvand
  • Drehbuch: Vahid Jalilvand, Ali Zarnegar
  • Kamera: Peyman Shadmanfar
  • Musik: Peyman Yazdanian
  • Schnitt: Vahid Jalilvand, Sepehr Vakili
  • Darsteller: Navid Mohammadzadeh (Moosa), Amir Agha’ee (Dr. Kaveh Nariman), Hediyeh Tehrani (Sayeh), Zakiyeh Behbahani (Leila), Sa’eed Dakh (Inspektor), Alireza Ostadi (Staatsanwalt)
  • Produzenten: Ali Jalilvand, Ehsan Alikhani

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