Wieder freie Fahrt nach Sylt. Einschränkungen an der Bahnstrecke beendet

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SYLTER FRISCHE wünschen sich manche das ganze Jahr über - und wer möchte nicht an den Urlaub erinnert werden? © Foto/BU: Andreas Hagemoser, 2019

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Freie Fahrt nach Sylt! Das nördlichste Urlaubparadies Deutschlands ist wieder erreichbar. Lange fuhr man mit der Bahn über Tønder und dann zu einem Küstenort mit Schleuse. Dort stieg man in ein Bäderschiff beziehungsweise eine Fähre nach Munkmarsch um. Das liegt etwas oberhalb des langen mittleren Landrückens Sylts, der über Keitum und Archsum weit nach Osten ragt. Die Zeit: Wir sprechen vom Deutschen Reich. In der Kaiserzeit. Als es noch kein Frauenwahlrecht gab. Es der Wirtschaft gutging. Deutschland hatte sogar Kolonien. Wir sagen das ganz wertfrei. Trotzdem reisten zu Zeiten, als viele nicht wussten, was eine Kokusnuss ist, eine Passionsfrucht oder eine Ananas, viele Deutsche nicht zu den Marianen, Neumecklenburg oder in Bismarckarchipel. Im Stillen Ozean, dem Pazifik. Sie reisten auch nicht nach Qingdao in China, das heute durch das Tsingtaobier bekannt ist. Oder nach Deutsch-Südwest.

Das ist Geschichte – der Weg nach Sylt

Sondern nach Sylt. Durch den unseligen Ersten Weltkrieg – Kriege sollten verboten werden, und zwar umgehend! – gelangte Deutschland erst ins Hintertreffen und dann ganz nach unten, von den Millionen Toten ganz zu schweigen. Die Reisen der Deutschen blieben damals oft innerhalb des Reiches, und das nicht wegen der Kohlendioxidnebenwirkungen.

52 kleine und große Eskapaden von SANKT PETER-ORDING BIS SYLT, Buch von Elke Weiler. Der Titel sollte nicht missverstanden werden! Wenn hier SYLT großgedruckt ist, führt bei den ersten 20 Abstechern nur einer auf die Insel. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Nach Sylt wollte man auch nach 1918. Doch war der Weg über Tønder zwar nicht versperrt, führte aber bald übers Ausland, da der Ort im Norden Schleswigs liegt, der nach einer Volksabstimmung 2020 zu Dänemark geschlagen wurde.

Am 6. Juli jährte sich zum 99. Mal die Unterzeichnung des Übertragungsvertrages in Paris 1920. Schleswig wurde geteilt und ist es bis heute. Nur der Süden blieb beim Deutschen Reich. Das förderte den Bau eines Dammes nach Sylt, der als Hindenburgdamm bekannt wurde.

Munkmarsch ist seitdem aus dem Bewusstsein verschwunden. Früher war es das Tor zur Insel.

Sehr starke Brückenbeschädigung

Am 1. Juli 2019 beschädigte ein „zu hoch aufragender Lastenkran“ (bahn.de) eine Eisenbahnbrücke bei Langenhorn. Gemeint ist nicht das Hamburger Langenhorn, sondern der kleine Ort, der näher an der dänischen Grenze liegt; mit einem Bahnhof an der Marschbahn. Die Marschbahn ist eine Bahnstrecke, die in gebührendem Abstand mehr oder weniger entlang der Westküste Schleswig-Holsteins verläuft, der Nordseeküste. Auf der Marschbahnstrecke fahren heute IC und RE (Regionalexpresse).

Durch die Kollision stand etwa bis Dienstag, den 23. Juli nur noch die Strecke Bredstedt-Niebüll zweigleisig zur Verfügung.

Die durch den Unfall plötzlich nur noch eingleisig verlaufende Strecke führte zu einer Befahrbarkeit im Stundenabstand. Zwischen Husum und Niebüll. Der Fahrplan musste abrupt geändert werden.

Und das ausgerechnet mitten in der Ferienzeit. Schulferien hatte zum Beispiel das Land Berlin. Von dort aus verkehrt ein direkter Zug nach Sylt und zurück.

Freie Fahrt nach Sylt – seit dem 24. Juli wieder

Nun sind, rechtzeitig bevor die Hochsaison vorbei ist, die Einschränkungen aufgehoben. Seit Montagnachmittag 22.7. ist die Strecke wieder einschränkungslos befahrbar, meldete DB-Fernverkehr für die Intercitys. DB Regio Nord meldete, „unsere Züge“ „verkehren“ ab 24. Juli 2019 „wieder wie gewohnt“ (sic). Das betrifft die REs. Dem Ferienspaß steht von Bahnseite nichts mehr entgegen und Autofahrer haben eine Ausrede weniger.

Fahrplan-Nachwirkungen bis 26.7.2019

„Seit Montagnachmittag (22.7.2019) ist die Strecke zwischen Husum und Niebüll wieder ohne Einschränkungen befahrbar.“ Und: „Unsere IC-Züge verkehren wieder wie geplant von/nach Westerland/Sylt und Dagebüll Mole“, meldete die Deutsche Bahn AG aktualisiert am 23.Juli. Dabei war es wohl nicht möglich, sofort wieder nach Fahrplan zu fahren; denn es hieß weiter, das am Mittwoch, den 24. und Donnerstag, den 25. Juli 2019 abweichend von der Reiseauskunft ein anderer Fahrplan gilt. Dafür bat die Bahn ausdrücklich um Entschuldigung. Es betrifft die ICs 2374 und 2375 von Hamburg-Altona nach Westerland (Sylt) und zurück. Mit Unterwegshalten, wie es so schön heißt, Richtung Sylt in Itzehoe, Heide, Husum und Niebüll. Beziehungsweise umgekehrt.

Ab Freitag, den 26. Juli sind diese Intercityzüge wieder im Netz abrufbar: www.bahn.de/reiseauskunft.

Gedächtnisstützen

Wer sich die Zwischenhalte zwischen Hamburg und Westerland nicht merken kann, sie sind von Hamburg an alphabetisch sortiert. Nur Itzehoe ragt heraus.

Der Zug fährt von

Hamburg-Altona erstmal nach Itzehoe (Eselsbrücke I sieht aus wie = 1, erstmal ..), weiter geht es alphabetisch

Heide,

Husum,

Niebüll,

Westerland.

Wer sich nicht merken kann, wo Westen ist, könnte sich Hamburg – Westerland merken: Das Land um Westerland liegt westlich der Hansestadt.

Und die Moral von der Geschicht‘? Kran flachhalten!

Sonst wird der Lastenkran zu einer Last.

Herausragend ist halt nicht immer gut.

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1 KOMMENTAR

  1. Zum Pariser Vertrag von 1920 (nach den Abstimmungen), der sich 2020 rundet und der ganzen Tonderngeschichte, Tondern liegt in Nordschleswig, siehe Buch von Troels Fink: „Deutschland als Problem Dänemarks. Neutralitätspolitik und Krieg 1864. Bündnis Dänemark-Norwegen-Schweden …“ aus dem Christian-Wolff-Verlag Flensburg, dort besonders das Kapitel 9: „Die Nordschleswig-Frage“.