Wo die Panke in die Spree fließt. Terrasseneröffnung am Schiffbauerdamm

Michael Pankow winkt („Brechts", „Vincent“, „Bar á Vin“, „Ganymed"), Daneben die Betreiber und Inhaber der „Ständigen Vertretung", links Jörn Brinkmann, und von „Murphy's", Sam Lewin (mit umgehängter Brille), Geschäftsführer Fabian Granow von der "Berliner Republik" im hellblauen Oberteil und der Chef vom "Vaporetto", Marc Niederhuebner, mit seinem Sohn ganz rechts. © Copyright Photo/BU: Andreas Hagemoser, 2020

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Was hat die neue superlange Terrasse am Schiffbauerdamm mit der Panke zu tun? Fast niemand weiß, wo der kleine Flußlauf aus dem Norden Berlins, der unter anderem die Bezirke Mitte, Wedding und Pankow durchquert, in den Fluß mündet, der Spree-Athen den Namen gab. Viele Deutsche wissen noch nicht einmal von dem Flüßchen Panke und halten es, wenn sie es sehen, für einen Bach. Auch wenn Einheimische und Zugereiste gleich gern in Berliner Norden am „murmelnden Bache“ spazierengehen. Kein Wunder, halten doch auch viele den Landwehrkanal für die Spree oder umgekehrt das natürliche Gewässer für einen Kanal.

Udo Lindenberg besang den Sonderzug nach Pankow, heute ein großer Berliner Bezirk mit dem Prenzlauer Berg und ehemaligen Diplomatenvillen.

Pankow ist nach der Panke benannt, dem Nebenfluss der Spree*. Doch heute erfährt der kleine Fluss ein ähnliches Schicksal wie die Emscher: Mal oberirdisch, mal unterirdisch in engen Röhren drängt er seine Wasser vorwärts. Die Emscher kennen viele aus Michael Holzachs Buch „Deutschland umsonst“. Der Journalist machte sich auf den Weg, um zu erkunden, wie Obdachlose behandelt werden. Eine Art Günter Wallraff auf der Straße. Immer dabei: Sein Hund Feldmann. Hunde sind wichtig, die wichtigsten. Immer wieder werden sie und ihre feine Nase unterschätzt. Michael Holzach starb bei dem Versuch, seinen Hund aus dem überfluteten Emscher zu retten. Er sprang hinterher und bezahlte mit seinem Leben.

Das ist lange her und dient dem Vergleich zweier Flüsse, damit man versteht, wo man die Pankemündung suchen kann. In der Tat sind die meisten von uns schon dagewesen, oder zumindest doch unheimlich viele. Berliner und Berlinbesucher. Der zugänglichste Grenzübergang der DDR, Dabei lag er noch nicht einmal an der Mauer, war der Bahnhof Friedrichstraße.

Bestens besucht: Der Bahnhof Friedrichstraße gegenüber vom Schiffbauerdamm

Seine Abfertigungs- und Passkontrollhalle steht bis heute und gibt als „Tränenpalast“ Zeugnis von jener Zeit. Der Grenzübergang an einer Stelle, wo gar keine Grenze hätte sein sollen, mitten in der Stadt an Straßen-, U-, S- und Fernbahnlinien, war für alle da, Ausländer, Bundesdeutsche, West-Berliner. Von hier ging es durch die Georgenstraße zum Pergamonmuseum, zur ganzen Museumsinsel, zum Alexanderplatz und Unter den Linden mit dem Brandenburger Tor. Nur zur Klarstellung: weder diese Gegend noch irgendein anderer Teil Ost-Berlins war völkerrechtlich je Teil der DDR; diese lag außerhalb der Stadtgrenzen.

Seit der Wiedervereinigung 1990 locken in der Nähe der Admiralspalast und der neue Friedrichstadtpalast, der einst einen anderen Standort in der Nähe hatte und nicht zuletzt das altehrwürdige Berliner Ensemble, von Bertolt Brecht und Helene Weigel gegründet, dessen Intendanz in den 90ern in aller Munde war.

Direkt vor dem Theater fließt die Panke auf ihren letzten Metern. Unterirdisch. Sie mündet ebenso in die Spree. Als die Uferbefestigung am Schiffbauerdamm neugemacht werden musste, wurden auch für die Panke neue Rohre beziehungsweise Kanäle verlegt. Deshalb ist der Bertolt-Brecht-Platz gesperrt und wenn man sich beeilt, sieht man vielleicht dort noch Reste der Baustelle. Unter einem aus der Baugrube hoch aufragenden Gully strömt das Wasser der Panke.

Man hatte im Senat überlegt, ob man das für das Volk sichtbar machen sollte. Möglich wäre das gewesen – technisch und finanziell auch. Doch scheute man die Wartungskosten und entschied sich für die einfache, billige Variante. Generationen von Theaterbesuchern der Berliner Ensembles werden weiterhin nicht wissen, dass sie unmittelbar vor dem Erklimmen der Eingangsstufen zu Foyer und Kasse die Panke überqueren, bevor ihr Wasser Spreewasser wird.

Der Schiffbauerdamm ist das unsichtbare Spandau Berlins. In Spandau mündet bekanntlich die Spree in die Havel. Ihre Vereinigung führte zu einer Stadtgründung noch vor Berlin.

Und jetzt waren Bauarbeiten dran. Trotz Corona-Krise und Shutdown ging es weiter. Und was scheren wir uns darum?

Panke-Delta an Bertolt-Brecht-Platz und Schiffbauerdamm

Über die Historie gibt es viel zu sagen und teils im GANYMED zu erfahren. Im Bild: Hotel Hermes, wo der Großvater des Mitarbeiters tätig war. Man beachte die Öffnung auf Wasserhöhe. Die Pankemündung?

Wir möchten uns bei den Gastwirtschaften bedanken, die dem Staat, genauer gesagt der Stadt Berlin, die sich mit Grünflächen- und Wasserstraßen- und Schiffahrtsamt vor Ort kümmert, das Geländer bezahlt haben. Ein feines Spreegeländer, wenn man es mal mit dem auf der anderen Flußseite mit Bahnhof und Tränenpalast vergleicht.

Hier haben sich viele Gastronomen – im Kern fünf – zusammengetan, selbstlos und eigennützig zugleich, in echtem Teamwork! Eine Zusammenarbeit, die ihresgleichen sucht und vorbildlich ist. Mit einem gutem Team-Spirit, der „rüberkommt“ und glaubhaft ist. Hier neidet keiner dem anderen die Gäste, sondern freut sich für ihn.

Und in der Summe haben alle etwas davon: Die Stadt, der Steuerzahler und am meisten die Besucher und Gäste.

Das Ufer mit seiner durchgehenden Befestigung ist jetzt breiter. Der Fluss, die Spree, ist schmaler geworden. Mehr Fläche zum Flanieren, Sitzen, Feiern.

Berlin ist größer geworden

Herzlichen Glückwunsch zur Eröffnung der längsten Spreeterrasse mit Gastronomie, einer riesigen kulinarischen Vielfalt und ECHTEM NEULAND!

Genauer gesagt um 1,47 bis 1,50 Meter – exakt einen Corona-Abstand. Vom Bordstein des Schiffbauerdamms am Nordufer der Spree bis zum Geländer sind es jetzt etwa acht Meter. Früher waren es ca. 6,50 Meter. Wer es ganz genau wissen will, kann Nachmessen kommen. Zwischen Bertolt-Brecht-Platz und Eisenbahnbrücke, die unten für Fußgänger auch direkt vom S-Bahnsteig zur Verfügung steht, sind die Bauarbeiten seit einigen Tagen abgeschlossen, am Platz selbst so gut wie.

Fünf Gastronomen gestalten die größte Spreeuferpromenade der Hauptstadt

Zwei Köche, ein Chef (Michael Pankow): Christoph Ganzert vom Brechts und Ganymed-Koch Pietro Salito aus Palermo.

Sie repräsentieren folgende Gaststätten, von links nach rechts, vom Wasser aus gesehen: das klassische italienische Restaurant „Vaporetto“ (benannt nach den Wassertaxis Venedigs, auch Wasserbussen, eigentlich „Dampfschiffchen“), die kölsche Institution „Ständige Vertretung“, die Hauptstadtkneipe „Berliner Republik“ (beide mit deutscher Küche), „Brechts Steakhaus“ für Fleischliebhaber, die lauschige Piano-Bar „Vincent“ mit Live-Musik, die Weinbar „Bar á Vin“ und der traditionsreiche Franzose „Ganymed Brasserie“ sowie am Bertolt-Brecht-Platz Richtung Weidendammer Brücke: das irische Original “Murphy‘s Irish Pub“.

Zitat aus der Pressemitteilung vom 18. Juni: „Zum Zusammenschluss „Die Fünf vom Schiffbauerdamm“ gehören die Familie Niederhuebner (Vaporetto), Jörn Brinkmann und Jan Bubinger (Ständige Vertretung), René Gamper mit Geschäftsführer Fabian Granow (Berliner Republik), Sam Lewin mit Betriebsleiter Till Haffner (Murphy‘s Irish Pub) und Michael Pankow (Ganymed, Brechts, Vincent und Bar á Vin).“

Konzentration auf das Positive

Die „Ständige Vertretung“ ist auf diesem Photo hinter der Deutschlandflagge zu sehen. Das weiße Haus dahinter beherbergt das „Vaporetto“.

Sie haben sich in dieser schwierigen Coronakrise zusammengetan, um mit gemeinschaftlicher Stärke nach vorne zu blicken und „den Schiffbauerdamm als Wohlfühlort neu zu präsentieren.

Jörn Brinkmann als Vertreter der Vertretung: „„Wir freuen uns sehr darauf, unseren Nachbarn und Berliner*innen mit der neuen Terrasse wieder eine zentrale und schöne Anlaufstelle zur Erholung bieten zu können. Als kleiner, flexibler Zusammenschluss werden sich „Die Fünf vom Schiffbauerdamm“ weiterhin dafür einsetzen, den umliegenden Kiez für Flaneure, Kunst-, und Kulturinteressierte attraktiv und bekannt zu machen.““

Die Panke bei Herrn Pankow

Kein Witz und vielleicht auch kein Zufall: Die Panke mündet bei Herrn Pankow am GANYMED neben dem Berliner Ensemble.

Michael Pankow sagt: „Wir Gastronomen fühlen uns wohl in diesem Kiez und möchten gemeinsam allen Gästen unvergessene, kulinarische Momente bereiten. Die neugestaltete und nun eröffnete Spreeuferpromenade ist ein Highlight für die Stadt. Es ist die längste und schönste Spreeterrasse in Mitte, dem Herzen Berlins.“

Panke, Schiffbauerdamm und Spree – enzyklopädisches Wissen und Fun facts

Die Terrasse liegt am 226 Meter langen Ostende des Schiffbauerdamms zwischen Friedrichstraße/ Weidendammer Brücke mit „Irish Pub Murphy’s“ und S-Bahn-Brücke mit „Vaporetto“, dem Italiener, an der Reinhardtstraße.

Der Straßenname „Schiffbauerdamm“ ist seit 1738 bestätigt. Der Große Kurfürst (+ 1688) ließ am Reichstag Schiffe bauen. Denn, unter anderem: Preußen hatte eine westafrikanische Kolonie.

– Übrigens: Am 28.6.2020 ist Wikipedia noch nicht auf dem neuesten Stand, dort fließt die 29 km lange Panke immer noch vollständig in den Nordhafen (1858-1952/ 1966) in Moabit (52“ 32′ 13“ N, 13“ 21′ 48“ O). Immerhin wird darauf verwiesen, dass der Alten Panke (Südpanke), die am Schiffbauerdamm in die Spree mündet, in den 60er Jahren der Hahn abgedreht wurde. Der Zulauf wurde gesperrt. Schuld: Der Bau der Berliner Mauer. Die Neugestaltung der Südpanke würde seit „etwa 2010 geplant und soll 2019 beendet sein“. Die Weddinger Nordpanke ist eigentlich der Schönhauser Graben, ein Abzweig.

– In Spandau fließt die Havel in die Spree. Daran hat man sich gewöhnt. (Fun fact:)

Eigentlich ist es anders: Die Spree ist fast 400 Kilometer lang (382). Die Oberhavel ist sowohl kürzer als auch wasserärmer. Spree-cum-Unterhavel bilden einen Flusslauf, der dann in die Elbe mündet, die Oberhavel ist eigentlich die ganze Havel. Hydrologisch betrachtet. Denn Nebenflüsse führen weniger Wasser und sind kürzer als die Ströme, in die sich münden. Die Spree ist aber länger – und wasserreicher.

So gesehen ist die Oberhavel der Nebenfluss der „Spree+Havel“ oder „Spree-Unterhavel“ und die Spree fließt direkt in die Elbe.

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