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Sivan Ben Yishai gewinnt die Autorentheatertage Berlin 2017 – Über das Stück „Your Very Own Double Crisis Club – Ein übersetztes Klagelied mit furchtbarem Akzent“

Sivan Ben Yishai gewinnt die Autorentheatertage Berlin 2017 – Über das Stück „Your Very Own Double Crisis Club – Ein übersetztes Klagelied mit furchtbarem Akzent“
Christian Hankammer, Richard Manualpillai, Mariann Yar, Til Schindler, Esther Maria Hilsemer und Hicham-Tankred Felske in dem Stück "Your Very Owen Double Crisis Club" von Sivan Ben Yishai. BU: Stefan Pribnow, © Foto: Arno Declair

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Sivan Ben Yishai, die Gewinnerin der Autorentheatertage Berlin 2017, zeichnet sich durch ihre poetische Sprache aus. Dabei geht es nicht nur um Ästhetik, den schönen Klang, der im Ohr bleibt, sondern um die Sprache als Präzisionsinstrument, das auch das Unsagbare eingrenzt und benennt.

Die 1978 in Tel Aviv geborene Sivan Ben Yishai lässt ein Gruppe von Menschen von ihren traumatischen Erfahrungen berichten in „Your Very Own Double Crisis Club“ mit dem Untertitel „Ein übersetztes Klagelied mit furchtbarem Akzent“, das Henning Borchert aus dem Englischen ins Deutsche übertragen hat. András Dömötör hat es am DT inszeniert mit Judith Hofmann, Felix Goeser und sechs Studierenden der Universität der Künste Berlin.

Den Anfang macht die charismatische Mariann Yar. Sie erzählt etwas in einer fremden Sprache, wiederholt es mehrfach eindringlich und beginnt schließlich auf Deutsch: „Es ist nicht schwer zu beschreiben, was ich sah, als ich den Kopf umdrehte und zurückblickte.“

Zu beschreiben ist es leicht, aber es ist kaum zu ertragen, was die Sprecherin gesehen und erlebt hat. Zu ihr gesellen sich andere (Hicham-Tankred Felske, Christian Hankammer, Esther Maria Hilsemer, Richard Manualpillai und Til Schindler), bilden eine kleine, dicht aneinander gedrängte Gruppe. Alle tragen blaue Anzüge mit goldenen Sternen, ihr Bekenntnis zu Europa, oder die Uniform für Geflüchtete, die ihnen hier verpasst wurde.

Sie sind da, aber sie sind noch gar nicht angekommen. Immer noch sehen sie die zerbombte, brennende Stadt, in der die Menschen sterben und aus der einige fliehen können. Es ist leicht, das zu beschreiben, d.h. es gibt genügend Worte für das, was sie gesehen und erfahren haben, aber es ist kaum möglich, es denen verständlich zu machen, die in Frieden und Sicherheit leben mit ihrer eigenen Kultur und ihren eigenen Geschichten.

Um die Zerrissenheit der Geflüchteten geht es in Sivan Ben Yishais Stück. Die brennende Stadt hat keinen Namen, es ist irgendeine der vom Krieg zerstörten Städte, in der die Geflüchteten sich selbst zurücklassen mussten, ihre Identität, ihre Sprache, ihre Kultur. Was sie erzählen, wird hierzulande verfremdet zu Sensationsberichten oder zu „subventionierter Immigrantenpoesie“.

Den unsicheren, verlorenen Geflüchteten treten die Einheimischen laut und selbstsicher gegenüber. Felix Goeser am Schlagzeug, und Judith Hofmann mit einer flammenden Rede gegen die Männer, die Kriege anzetteln und die Welt zerstören.

András Dömötör hat die Kontraste deutlich herausgearbeitet. Während die Heimat der Geflüchteten in Schutt und Asche liegt, wird hierzulande gebaut, Neues entsteht nach traditionellem Muster.

In Windeseile errichten die Bühnenarbeiter ein Podest mit einem nostalgischen Salon, die kalte Pracht für WohlstandsbürgerInnen, eine großartige Idee von Bühnenbildner Sigi Colpe, in der die Einheimischen residieren und die Geflüchteten sich ängstlich und befremdet verstecken.

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